Was bl_ibt

»Sie hinterlässt eine Lücke«, sagt man.
Gut gemeinte Worte und selbst als Klischee schon nicht mehr so ernstzunehmen, dass es keine Späße darüber gibt. Doch hier stehe ich nun, allein, du nicht viel mehr als ein Name im Stein.
Ich will nicht reimen und keine gut gemeinten Worte für dich finden, denn das ist doch alles verlogene Scheiße. Du bist nicht mehr da und hinterlässt nicht eine Lücke, sondern tausende. All die kleinen Details, die dem großen Bild Leben und Farbe einhauchten, hast du mitgenommen. Die Dinge, die immer erst dann auffallen, wenn sie fehlen, und die doch keiner benennen kann.

»Irgendetwas fehlt«, heißt es dann und schon macht man sich auf , eine Leere zu füllen, deren Form man nicht einmal bestimmen kann.
Also gieße ich alle Erfahrungen in mich hinein, in der Hoffnung, dass sie Lücken füllen, die du hinterlassen hast. Doch nichts scheint zu passen, in jede Ecke vorzudringen, nichts zwischen Promille und der Frage nach der Pille.

»Er reimt schon wieder«, sage ich zu mir selbst, weil sonst niemand mehr da ist.
Und während ich immer noch glaube, Lücken füllen zu müssen, beginnt so der Abstieg. Flaschen, Gläser, Pfeifen, hautenge Minikleider… in allen möglichen Gewändern kommen Nicht-Lückenfüller daher und zu spät erkenne ich, was vor sich geht.
Ein unauffälliger Handschlag, Geld wechselt den Besitzer, wie in einem schlechten Film. Der Dealer verschwindet in der Menge und lässt mich mit einem weiteren Geist zurück, der nicht ausfüllt, was du mit dir nahmst, sondern zersetzt, was mir geblieben ist.

Ich kaufe E’s und möchte lösen:
LI_B_
FR_IH_IT
ALL_S

 

#Auflösung (Das siebste Wort für das Projekt *.txt 2018)

 

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Aufgewärmt #21: Und endlich [v1]

Manchmal kommt mir eine Idee und ich schreibe mir kurze Stichworte oder einzelne Formulierungen dazu auf. Was dann am Ende aus dieser Idee wird, sehe ich selbst erst, wenn es soweit ist. Eine davon kam mir am 13. Mai und ich dachte eigentlich, damit das fünfte Wort #grenzenlos für das Projekt *.txt zu bedienen.

Einen Tag später schrieb ich folgenden Text und fand ihn eher nicht so geil. Deshalb folgte direkt danach eine zweite Version, die ich dann auch hier veröffentlichte, nachdem mir bewusst wurde, dass meine Idee viel mehr ein älteres Wort des Projekt *.txt bediente.

Ich schreibe, also bin ich – nicht mehr als ein weiterer Schreiberling, der die Idee hat, die es aufzuschreiben gilt. Meine Schreibe ist festgesetzt, eingepfercht im Rahmen dessen, wovon ich glaube, dass es sowohl mein Innerstes widerspiegelt, als auch in anderen das Gefühl weckt, dass sie etwas lesen, das es wert ist, gelesen zu werden. Vielleicht. Manchmal.

Im Grunde ist es Gekritzel auf Papier, das sich auf Linien fest- und von den Rändern fernhält. Bitte das Glas nicht berühren, sonst könnte auffallen, es existiert gar nicht. Und dieses Spiegelbild der traurigen eingesperrten Gestalt ist nur eine Fata Morgana in der heißen Luft, die man uns für Grenzen vormacht.

Aber das bin ich nicht, dieses eingesperrte Etwas. Also schreibe ich einfach weiter, über alle Ränder hinaus, schreibe mich fort von dir. Denn solange ich schreibe, bin ich unendlich. Und endlich bin ich ich.

Aufgewärmt #20: Eine erste Idee

Oft kommt mir eine Idee in Form einer einzelnen Zeile oder eines Wortspiels. Manchmal gelingt es mir dann, um diese Zeile einen kleinen Text zu schreiben. Ganz selten kommt es aber auch vor, dass ich daraus noch einen zweiten oder dritten Text mache, der zwar oft dasselbe aussagt, aber eben anders aufgebaut ist.

So war mein Text Am Ende der Anfang auch eine dieser zweiten Ideen, die mir dann sogar besser gefielen, als der ursprüngliche Entwurf. Trotzdem möchte diesen Entwurf hier auch noch teilen:

Am Anfang, da waren wir
Du und ich
und all die Kleinigkeiten zwischen dir und mir
Das erste Treffen, der erste Kuss
Diese besonderen Augenblicke, die nur uns gehörten

Mit der Zeit wurden es mehr
Ein Treffen wurde zu einem gemeinsamen Leben,
ein Kuss zu einer Million von Küssen

Die Kleinigkeiten wurden riesig
und sind immer noch zwischen uns
Dort wo kein Blatt Papier zwischen uns passen würde
bewahren wir sie auf, halten sie uns zusammen

Und am Ende sind da immer noch wir
und die Erinnerung an dich und mich

 

ZweiNullNull

Den ganzen Vormittag über saß ich da und wusste meist nichts mit mir anzufangen. Schreiben würde ich gerne, dachte ich mir. Was tat ich? Nichts. Über das Schreiben lesen, wenn überhaupt. Blogs, Artikel, Rezensionen, was auch immer. Die Lust war immer noch da, aber irgendwie so ziellos.

Tagebuch schreiben, okay, aber worüber, wenn nichts geschieht und die eigenen Gedanken mal wieder zu schnell sein, um sie einzuholen? Am Roman weiter schreiben, das wäre was. Klar, das wäre immer gut. Würde ich auch immer tun, wenn es so leicht wäre. Dann zumindest einen Blogeintrag. Ja, ich dachte wirklich zumindest. Tut mir leid.

Das hier ist nicht zumindest ein Blog. Es ist mein Blog. Alles was ich hier schreibe ist auf die eine oder andere Art wertvoll. Nicht unbedingt auch für andere, aber doch immer für mich.

Und jetzt sitze ich hier und schreibe einen Blogeintrag. Und weshalb? Weil ich zwischenzeitlich auch mein Manuskript geöffnet hatte. Ich habe das neunte Kapitel fertig geschrieben und die 200-Seiten-Marke gesprengt. Es sind immer noch zwei kurze Kapitel bis der erste Teil fertig ist, aber 200 Seiten, Leute! Das macht mich gerade wirklich verdammt stolz. Und damit habe ich dann auch etwas, das ich in mein Tagebuch schreiben kann. Und so haben sich alle Probleme des Vormittags in Wohlgefallen aufgelöst. Hach…

Borderline

Komm, geh weg

Diese dünne Line hier hält mich fest, lässt mich nicht los
Ein seidenes Drahtseil, gespannt über dem klaffenden Maul einer Welt,
die mehr Klauen und Zähne hat, als es mir gut tut

Tut es not? Tut es weh?
Schubst du mich? Fängst du mich?

Der erste Schritt ist nicht viel mehr als ein Zucken nach vorne
Diese dünne Linie zwischen dir und mir schneidet sich in meine Füße,
färbt sich mit dieser verhassten Farbe, der einzigen, die ich liebe

Siehst du das? Siehst du mich?
Will ich das? Was will ich?

Liebe, Herzblut, Wut, Gefahr,
alle Schattierungen von Rot liegen zwischen uns,
auf meinem Weg vom Heute zu dir

Schwanke ich? Schwankt meine Welt?
Mal links? Mal rechts?

Luft anhalten, Augen schließen
Mann über Borderline
Kein Netz, kein doppelter Boden

Tat es not? Tat es weh? Ja, tat es
Hast du mich geschubst? Hast du mich gefangen? Beides,
wenn ich es brauchte

Ich schneide diese dünne Linie entzwei, die zwischen uns lag,
diese Erinnerung an das, was zwischen mir liegt
Ein Schritt über meine eigene Grenze als Reise meines Lebens

Komm, lass uns hier weggehen

 

#grenzenlos (Das fünfte Wort für das Projekt *.txt 2018)

Und endlich [v2]

Die Erinnerungen an damals schmecken bitter

Briefe und Tagebuchseiten halten gefangen,

wer ich einmal war, was ich einmal war

Für dich

 

Für unsere Vergangenheit ist in meiner Gegenwart kein Platz

Uns gibt es nicht mehr und ich muss erst gefunden werden

Also schlage ich eine neue Seite auf, schreibe mich fort von dir

Solange ich schreibe, bin ich unendlich

Und endlich bin ich ich

 

#unendlich (Das zweite Wort für das Projekt *.txt 2018)

Verwaschene Träume

Bilder verschwimmen vor meinen Augen

Ein Teil von dir, ein Teil von mir, ein Teil von all den anderen

Aus der Vergangenheit ins Heute getragen

 

Wir malten diese Straßen kunterbunt

Brachten Farbe in eine Welt,

die uns mit ihren Grautönen zu ersticken drohte

 

Über die Jahre bewahrten uns unsere Träume diesen Schein,

der allem standzuhalten schien

Dann kam der Regen

 

Rot fließt in blau, fließt in gelb, fließt in grün

All unsere Visionen fließen zusammen

und das Grau dieser Welt spült den Regenbogen in den nächsten Gully

 

 

#mischen (Das vierte Wort für das Projekt *.txt 2018)

Aufgewärmt #19: Lemminge – Ein Leben am Abgrund

Zu Beginn unseres Studiums bekamen wir die Aufgabe, einen kurzen Text zu verfassen und vorzutragen – als Gruppenarbeit. Wir haben uns also die Arbeit geteilt. Ich habe einen Text verfasst und musste dafür nicht nach vorne und ihn in der Aula vortragen.

Der Alternativtitel lautet übrigens: „Lemminge – Suizidales Verhalten aus Instinkt oder Urbaner Mythos?“. Da dieser Mythos ja aber auch damals schon geplatzt war, entschied ich mich für den Titel, den ich sowieso lustiger fand.

Fragestellung: Ist es Instinkt, der die Lemminge zu kollektiv-suizidalem Verhalten antreibt, oder gibt es noch andere mögliche Erklärungen?

Um eine Antwort auf diese Frage und ein mögliches Motiv für das Verhalten der

Lemminge zu finden, recherchierten die Autoren auf verschiedene Arten unter Einbeziehung der verschiedensten Quellen. Nach wochenlangem Lesen der einschlägigen Fachliteratur und DVD-Abenden voller Tierdokumentationen, stand ein Treffen mit Heinz Sielmann an. Da die Einstellung des Tierverhaltensforschers jedoch sehr emotional bestimmt war (eine verlässliche Quelle unter seinen Mitarbeitern berichtete, dass Sielmann einst von einem Lemming gebissen wurde – und zwar da, wo es richtig wehtut), mussten neue fachkundigeQuellen gesucht werden. Und wo kann man mehr über das Verhalten von Tieren in freier Wildbahn lernen, als in einer Großstadt? Es folgten also unzählige Straßeninterviews, die in einem Gespräch mit einem Repräsentanten der katholischen Kirche gipfelten. Dieser sprach mit den Autoren über die Chancen auf ein Leben nach dem Abgrund und den Platz der Lemminge im kosmischen Gefüge.

Nach all diesen Recherchen, sahen die Autoren nur noch fünf mögliche Erklärungen für das „Lemmingsche Phänomen“:

1. Instinkt: Irgendetwas aus der Vorzeit treibt die Lemminge noch heute in den Abgrund.

2. Konsequenz: Wenn Lemminge einmal eine Richtung ausgewählt haben, dann gehen sie auch in diese Richtung, scheißegal ob da ein Abgrund ist, oder nicht.

3. Religiöser Extremismus: Lemminge stürzen sich in den Abgrund, um Ungläubige zu vernichten.

4.Emoismus: Lemminge sind die Kellerkinder der Tierwelt.

5. Langeweile.

Am Ende langer Forschungen ergaben archäologische Funde in Neuseeland und eine Klassenfahrt in den Jurassic Park, dass das suizidale Verhalten der Lemminge instinktgesteuert ist. Der Urlemming (wissenschaftlich auch Urmeling genannt) verfügte nach aktuellen Erkenntnissen nämlich über Flügel, jedoch nicht über die nötige Muskulatur um damit selbstständig los zu fliegen. So musste er von einer Klippe springen, um durch den Auftrieb gleiten zu können. Danach kam bei den Autoren natürlich die Frage auf, wieso sich der Lemming im Laufe der Zeit zu einem flugunfähigen und derart unnützen -wenn auch amüsanten – Nager entwickelte. Aufschluss darüber gaben verschiedene Schriftstücke die im Laufe der Menschheitsgeschichte angeblich verschwunden sind. Gefunden wurden sie in einer Provinzbibliothek in der tiefsten Wallachei.

Diese Aufzeichnungen stützen die Ergebnisse der archäologischen Untersuchung, nach denen der Urlemming etwa 30 Minuten v.Chr. lebte und der Wandel in seiner Evolution seinen Ursprung in einer Massenpanik hatte. Diese brach aus aufgrund des Weihnachtssternes, der die Lemminge blendete, wodurch es zu einer Vielzahl von Abstürzen kam. (Anmerkung der Autoren: Aus diesem Grund feiern Lemminge übrigens auch kein Weihnachtsfest). Völlig verstört von diesen Ereignissen, beschlossen die Lemminge fortan in Höhlen zu leben.

Da sie ihre Flügel in den Höhlen nicht benutzen konnten und es dort sowieso zu eng dafür war, entwickelten sich die Flügel im Laufe der nächsten Stunden von Generation zu Generation immer weiter zurück. So entstand der Lemming, wie wir ihn heute kennen: klein, pelzig, flügellos, aber immer noch mit dem Instinkt ausgestattet, mit Hilfe des Auftriebs zu gleiten.

Und da soll nochmal einer sagen, Gott hätte keinen Sinn für Humor.

Aufgewärmt #18: Lebe!

Ich glaube, dass dieser Text irgendwann als Statustext (oder wie man das dort nannte) bei wer-kennt-wen angefangen hat. Einer dieser spontanen Geistesblitze und sogar einer, den ich heute noch ganz okay finde. Vielleicht hätte man mehr daraus machen können, das mag sein, aber er ist nun mal, was er ist.

Als der Rausch der Unsterblichkeit verflogen war

blickte er sich um und sah die Wahrheit.
Alles was er kannte, war nicht mehr.

Das Leben ist nicht zu kurz,

nur zu viele Gelegenheiten ungenutzt,

dachte er sich, als er aus diesem Alptraum erwachte

und sprach zu sich:

 

“Ich möcht nicht ewig leben…
doch leben werd‘ ich.”