Gut genug

Gestern habe ich endlich nochmal ein paar Seiten für meinen Roman geschrieben. Das war ein wirklich tolles Gefühl und ich war fest davon überzeugt, dieses Kunststück heute zu wiederholen. Wie ihr euch denken könnt, habe ich das nicht getan.

Doch ich habe dafür zwei andere Texte geschrieben. Schnelle, kurze Texte, wie ich sie gerne schreibe. Nicht viel nachdenken, sondern den Stift ansetzen und sehen, was passiert.

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Die Texte liegen jetzt als Entwürfe irgendwo hier hinter den Kulissen herum, wo normalerweise nur die Liste der gelesenen Bücher in der Ecke steht. Durch den Status ›Entwurf‹ kann ich mir selbst einreden, die Texte vielleicht nochmal überarbeiten zu wollen, zumal ich mit dem einen auch nochmal das Projekt *.txt bedienen will. Um ehrlich zu sein, glaube ich daran aber eigentlich nicht, also warten sie nur im Entwürfeordner, bis sie dann veröffentlicht werden. Sie sind nämlich so, wie sie sind.

Gut genug.

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Tagebuch

Schon wieder ist ein Tagebuch vollgeschrieben
Zwischen zwei Buchdeckeln verschwindet das letzte halbe Jahr
Verschwindet in meinem Regal
und tauscht den Platz mit leeren Seiten
die auf die Zukunft warten
bis auch sie Vergangenheit werden

Bis auch sie abgestellt werden
in einer Reihe aus Erinnerungen und Gedanken
Plänen und Rechtfertigungen

Fein säuberlich archiviert
gleicht keine Episode meiner Vergangenheit einer anderen
Nur eines haben sie alle gemein
Keine erzählt das Ende der Geschichte
Noch lange nicht

Wer hätte das gedacht?



Verwaschene Träume

Bilder verschwimmen vor meinen Augen

Ein Teil von dir, ein Teil von mir, ein Teil von all den anderen

Aus der Vergangenheit ins Heute getragen

 

Wir malten diese Straßen kunterbunt

Brachten Farbe in eine Welt,

die uns mit ihren Grautönen zu ersticken drohte

 

Über die Jahre bewahrten uns unsere Träume diesen Schein,

der allem standzuhalten schien

Dann kam der Regen

 

Rot fließt in blau, fließt in gelb, fließt in grün

All unsere Visionen fließen zusammen

und das Grau dieser Welt spült den Regenbogen in den nächsten Gully

 

 

#mischen (Das vierte Wort für das Projekt *.txt 2018)

Schritt 1

Steht die Idee und ist die Entscheidung getroffen, diese Idee weiter zu verfolgen, braucht man Material. Die meisten der Texte, die auf meiner Festplatte herumliegen sind durch meine kurze Bewertung eben durchgefallen und so ist der Stapel dessen, was ich ausgedruckt oder aus Notiz- und Tagebüchern kopiert habe gerade mal fünf Millimeter dick.

Entsprechendes Füllmaterial wird neu geschrieben, abhängig davon, wie ich das zusammensetze, was jetzt neben mir in der Schublade liegt. Das werden die nächsten Schritte sein, die ich hoffentlich nicht so sehr vor mir herschieben werde. Ich hoffe nur, es wird genug für einen halbwegs vernünftigen Umfang. Nicht so wie meine Thesis damals xD

Aufgewärmt #17: Ich will

Ich sitze hier und ich will. Ich will, dass meine Kopfschmerzen aufhören. Ich will nach Hause. Ich will das kommende Wochenende einfach nur genießen. Und ich will einen Blogeintrag schreiben, ohne jedoch zu wissen, worüber. Und da ich auch diese Kategorie hier nochmal bedienen will, wird es jetzt dieser Text hier. Auch wieder einer, bei dem ich mich beim Lesen frage, was ich mir dabei eigentlich gedacht habe, aber was soll’s?

Ich will.

Ich will den Sonnenaufgang an einsamen Stränden begrüßen.

Ich will die Sterne zählen in einer Nacht so schwarz wie der Grund des Meeres.

Ich will tanzen zur Musik, die mein Herz mir spielt.

Ich will den Regen spüren, der mir ins Gesicht peitscht,

die Strahlen der Sonne, die mich wärmen.

 

Ich will lieben und leiden,

meine Gedanken wandern und meine Gefühle führen lassen.

Ich will die Welt in einem Sandkorn sehen,

das Universum in blutroten Lippen.

Ich will Götter verehren und mich über sie erheben.

Ich will deine Hand halten und sagen:

«Ja, ich will… leben.»

Guter Tag, gute Idee

Heute ist ein guter Tag.

Diesen Satz habe ich gerade eben in mein Tagebuch geschrieben und meine ihn auch so. Nicht nur, dass ich eine tolle Idee hatte, nein, ein sehr guter Freund braucht auch vorerst keine weitere Chemo mehr, was mich wirklich glücklich macht und mir kurz die Tränen kommen ließ. So viel Info soll dazu allerdings genug sein, immerhin ist das doch ein sehr ernstes und privates Thema und es steht mir nicht zu, mehr ins Detail zu gehen.

Stattdessen will ich von meiner Idee erzählen. Mein Tagebuch ist bald voll und wird dann zu meinen anderen Notizbüchern in mein Regal wandern. Als ich heute Morgen darüber nachgedacht habe, kam mir die Idee eines Buches, in dem all meine Texte gesammelt sind (eben auch die, die nicht in besagten Notizbüchern zu finden sind) und das ich auch noch in mein Regal stellen könnte. Vor einiger Zeit habe ich schon einmal alle Texte ausgedruckt und die in einer Schublade liegen, aber das ist ganz ehrlich irgendwie schwachsinnig. Die Idee eines richtigen Buches gefällt mir einfach besser. Da allerdings im Optimalfall immer mal wieder Texte hinzukommen werden, bietet sich so etwas wie ein Jubiläum eigentlich an. Und wie es der Zufall so will, habe ich etwa mit 15 angefangen, zu schreiben und werde im nächsten Jahr 30. Die Idee für ein Geschenk steht also schon.

Die Liebste hat angeboten, mir das zu schenken, wenn ich ihr die Texte zur Verfügung stelle und sie es bewerkstelligen kann, das alles selbst zu binden. Das ist eine verdammt liebe Idee und ich hoffe auch wirklich, dass es machbar ist, doch zur Not wird eben online bestellt. Ich für meinen Teil werde in nächster Zeit Gedichte, Kurzgeschichten und auch einige Blogeinträge zusammentragen und mir Gedanken über kleinere optische Details machen. Einzelne Textzeilen will ich als Auszüge auf jeden Fall handschriftlich auf Seiten verteilt haben. Dazu vielleicht auch handschriftliche Überschriften? Auf jeden Fall werde ich einiges noch von Hand schreiben und einscannen müssen, andere Texte müssen noch abgetippt werden.

Bis zu meinem Geburtstag sind es noch sechs Monate, aber ich will diesmal mehr Mühe und Konzentration in das Buch stecken, als beim ersten Mal, auch wenn es diesmal kein kommerzielles Produkt sein soll.

Aufgewärmt #9: Manege frei

Wie ich ja gestern schon geschrieben habe, habe ich eine Auswahl aus Texten getroffen, die ich eigentlich gerne noch hier veröffentlichen möchte. Den Anfang macht heute ein Text, den ein Freund und ehemaliger Kollege von mir damals richtig genial fand. Ich erwarte von euch nicht dasselbe, doch ich denke, dem oder der ein oder anderen könnte er trotzdem gefallen.

Im Zirkus der Belanglosigkeiten ist die ganze Welt unsere Manege.

Der Direktor tritt ins Scheinwerferlicht,

begrüßt die Damen und Herren, Mädchen und Buben jeden Alters.

Sie sind Zuschauer und Statisten, Publikum und Artisten.

 

Die Clowns treten vor die Menge.

Bittere Tränen lassen das aufgemalte Lachen zerfließen.

Es fällt in den Sand zu Boden der Manege

wie Blut und Schweiß römischer Gladiatoren.

Irres Gelächter macht sich breit,

während über den Köpfen der anderen die Hochseilartisten ihren Auftritt vorbereiten.

 

An Galgenstricken baumeln leere Hüllen hin und her,

tanzen zu einer zerstörten Melodie.

Ein Höhenflug der Eintagsfliegen.

Der stärkste Mann der Welt betritt die Arena.

Ein kleiner Junge, der den Tod sah,

Familie und Freunde verlor, doch nicht seine Hoffnung.

Die Masse buht.

Stärke schafft Neid und Missgunst.

 

Dann tritt der Direktor wieder auf,

in seiner Hand eine Peitsche, um die gefährlichste aller Bestien zu zähmen.

Die Zuschauer jubeln, während er sie auspeitscht.

Unbemerkt legen irre Clowns Feuer an jeden Ausgang.

Giftiger Rauch erfüllt die Luft und macht die Menschen euphorisch.

 

Für das Finale kündigt der Direktor den größten aller Narren an.

Geblendet vom Scheinwerferlicht höre ich noch,

wie er meinen Namen ruft.

Manege frei.