Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

Und wieder Matt Haig, diesmal mit seinem Buch über (seine) Despression und Angststörung. Besonders viel kann man über das Buch eigentlich gar nicht sagen. Es ist kein Roman, kein Sachbuch, keine reine Biographie und auch kein Selbsthilfebuch. Es ist einfach das, was es ist und macht seine Sache deshalb weder gut noch schlecht.

Abgesehen von seiner Haltung zum Yoga und seinen Erzählungen davon, wie es ist, an irgendwelchen Mittelmeerstränden zu liegen, konnte ich alles äußerst gut nachfühlen. Ich kann mich überhaupt nicht gut an bestimmte Situationen erinnern, in denen es bei mir so schlimm wurde, aber das bezieht sich nur auf die Situation an sich. Die Erinnerung an die Gefühle dabei – an die Panik, das Losgelöstsein von der Welt oder die absolute Gewissheit, dass es noch nie so schlimm war und auch niemals wieder besser wird – die ist immer noch da.

Man könnte also vielleicht darüber diskutieren, ob es nun gut für mich und mein seelisches Gleichgewicht war, dieses Buch zu lesen, aber wieso sollte man? Ich bin gefestigt genug, mir alles mögliche durchzulesen und selbst wenn ich es nicht bin, glaube ich, dass ich es bin und allein das reicht oft schon.

Und da es hier sowieso schon mehr um mich geht, als um das Buch, höre ich jetzt mal auf, zu schreiben. Ich bin mir auch nicht sicher, ob man das Buch empfehlen kann, oder nicht. Wer es lesen will, wird es lesen oder bereits gelesen haben und falls es jemanden gibt, der es lesen sollte, wird er es trotzdem nicht lesen, solange er nicht will. Nur ein kleiner Spoiler sei mir erlaubt: Der Titel lügt nicht. Es gibt Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben.

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Ich und die Menschen

Ein Buch, das ich schon seit einer ganzen Weile lesen wollte und für das ich mir nun endlich mal die Zeit genommen habe, ist Ich und die Menschen von Matt Haig.

Mir gefiel einfach die Idee einer humoristischen, aber auch emotionalen Schilderung des menschlichen Lebens aus der Sicht eines Außerirdischen. Nicht sehr originell, aber irgendwie hat mich ausgerechnet dieses Buch direkt angesprochen.

Es geht darin um Professor Andrew Martin bzw. eigentlich nicht, denn er wurde schon im Vorfeld aus dem Weg geräumt. Der Grund dafür: Er hat einen mathematischen Beweis erbracht, der die Menschheit in Sachen Verständnis und Fortschritt dermaßen nach vorne katapultieren würde, dass es für alle Beteiligten – und das wären dann auch sämtliche anderen intelligenten Wesen da draußen – ein Risiko darstellen würde.

Also wurde eines dieser Wesen in Andrew Martins Gestalt auf die Erde geschickt, um alle Spuren dieses Beweises zu vernichten und so den menschlichen Fortschritt zu verhindern. Nackt. Auf einer Schnellstraße. Wahrhaft überlegene Lebensformen.

Der Besucher muss sich also erst einmal in unserer Welt zurechtfinden, denn hier ist vielleicht alles furchtbar primitiv, aber eben auch mindestens so kompliziert. Wann zieht man welche Kleidung an, wo gibt man Körperflüssigkeiten von sich und wo nicht, und wieso sind hier alle so unglaublich hässlich? Das sind nur einige der Fragen, die der neue Andrew für sich beantworten muss, während er in Erfahrung bringen muss, wer etwas von der großen Entdeckung weiß und damit auch beseitigt werden muss. Und dann lebt er auch noch mit einer Frau und einem Teenager zusammen, die ihm vollkommen fremd sind und doch etwas unbekanntes in ihm auslösen.

Am Ende hält die Geschichte nicht sonderlich viele Überraschungen parat, doch wie so oft ist sie einfach gut erzählt. Nicht zu lächerlich, aber auch nicht zu ernst. Insgesamt ist es einfach schön, zu lesen, wie jemand erfährt, was das Menschsein bedeutet, für den es etwas vollkommen Fremdes war. Und besonders gut haben mir die ›97 Ratschläge für einen Menschen‹, von denen man auf einige hätte verzichten können, die aber insgesamt mehr als nur eine Sammlung von Kalendersprüchen sind.

Pinball 1973

Die Zeit vergeht und macht vor niemandem Halt. Doch ob sich dadurch wirklich etwas weiterentwickelt? Oder ob es nur ein weiterer Schritt auf dem langen Weg der langsamen Verwesung ist?

Ebenso kurz und ebenso so unspektakulär wie Wenn der Wind singt erzählt Pinball 1973 die Geschichte weiter. Der Erzähler ist nicht unzufrieden mit seiner Arbeit als Übersetzer oder seinem Leben mit den namenlosen Zwillingen 208 und 209. Nur Stück Vergangenheit in Form eines Flippers ruft nach ihm und dieser Ruf lässt ihm keine Ruhe.

Parallel wird erzählt, wie Ratte, der in der Heimatstadt zurückgebliebene Freund seinen Alltag überlebt und mit sich hadert.

Am Ende wirken die beiden Kurzromane wie eine überarbeitete Einleitung zu den beiden Schafsromanen, doch ich bin froh, dass sie doch noch auf Deutsch erschienen sind. Vielleicht bin ich sogar froh, sie zuletzt gelesen zu haben, wer weiß. Auf jeden Fall habe ich sie gerne gelesen.

Wenn der Wind singt

Das gute an Kurzromanen: Sie sind kurz. Und so war ich gestern schon mit Wenn der Wind singt durch, als der Beitrag zu Wilde Schafsjagd gerade online ging.

Der Erzähler, 1970 noch 21 Jahre alt, erzählt in der Geschichte von nicht mehr als 18 Tagen im August dieses Jahres. Natürlich mit einigen Rückblenden und Erinnerungen an früher, doch im Grunde geht es um diese Zeitspanne.

Platz für viel Personal bleibt da nicht. Da ist der Erzähler, sein Freund Ratte, der Bartender Jay und ein Mädchen, dem ein Finger fehlt. Der Sommer in der kleinen Hafenstadt ist so, wie er wohl sein soll. Bier, Freunde, gute Musik und der Schatten von Veränderung, der immer näher zu kriechen scheint, den man aber solange wie möglich ignoriert.

Es wird keine Spannung aufgebaut und es werden keine großen Rätsel gelöst, wer das sucht, ist hier also falsch. Es ist ein Bericht, nicht immer ganz zusammenhängend, über einen kurzen Ausschnitt auf dem Weg zum Erwachsensein. Viel mehr als einen halbwegs interessanten Charakter hat die Erzählung eigentlich nicht zu bieten. Da ich allerdings ja schon Wilde Schafsjagd und Tanz mit dem Schafsmann gelesen habe, weiß ich ja, was aus den Charakteren wird und bin der Überzeugung, es lohnt sich. Und selbst wenn nicht, verweise ich gerne nochmal auf die einleitenden Worte dieses Beitrags.

Wilde Schafsjagd

Ein Foto von einer Weide voller Schafe, eine Drohung im Auftrag der mächtigsten Organisation des Landes und eine ganze Menge gar nicht mal so mittelmäßiger Mittelmäßigkeit. Das alles bietet Wilde Schafsjagd, das ich eigentlich vor Tanz mit dem Schafsmann hätte lesen sollen. Und das ich auch nach Wenn der Wind singt und Pinball 1973 hätte lesen sollen, da es den Abschluss der Trilogie der Ratte darstellt. Ratte ist übrigens der Spitzname eines Freundes des namenlosen Erzählers, der wohl in den drei Büchern auch eine wichtige Rolle spielt. Aber genug davon, nach Teil 3-2 und 3-1 werde ich als nächstes Teil 1 und 2 lesen, an der Reihenfolge kann ich jetzt sowieso nichts mehr ändern.

Kommen wir jetzt zur Schafsjagd und was es damit auf sich hat. Der Erzähler führt, gemeinsam mit einem Freund, eine kleine Werbeagentur, die wohl aufgrund ihres guten Rufs ganz stabil läuft. Dieser Ruf – und damit die Firma und die Existenzen der beiden Freunde – werden allerdings ruiniert, wenn unser Erzähler nicht für einen sehr mächtigen Mann bzw. seinen sehr fähigen Sekretär ein ganz bestimmtes Schaf findet, das mehr oder weniger zufällig auf einem Foto zu sehen ist, dass er einmal für eine Anzeige gebraucht hat.

Er ist geschieden, hat nichts besseres zu tun und seine Freundin mit den beinahe magischen Ohren drängt darauf, das Schaf zu suchen, also macht man sich auf den Weg. Geschichten aus der Vergangenheit, eine hotelgewordene Schafsbibliothek und natürlich der ominöse Schafsmann erwarten den Erzähler auf seiner Reise an deren Ende 50 Meter Sandstrand und die Frage nach dem ›Wohin?‹ warten.

Auch mit diesem Buch von Haruki Murakami hatte ich sehr viel Spaß und kann es nur empfehlen – allerdings wohl besser in richtiger Reihenfolge xD Wie gestern bereits geschrieben, haben die Charaktere in dieser Geschichte keine Namen bzw. keine, die der Leser erfährt. Die Spitznamen Jay und Ratte sind das höchste der Gefühle, neben dem Kater, der mitten in der Geschichte einen Namen bekommt. Ansonsten wird von der Freundin, der Frau, dem Fahrer oder dem schwarzen Sekretär gesprochen und der Leser weiß immer, wer gemeint ist. Die Namen fehlen allerdings auch nicht. Sie werden einfach nicht gebraucht. Das mag vielleicht Faulheit des Autors sein, allerdings würde das nicht so gut funktionieren, weshalb ich es für unwahrscheinlich halte. Einen ganzen Roman zu schreiben, ohne einer Figur einen Namen zu geben und auch ohne dass es verwirrend oder langweilig wird, muss man einfach können und Murakami hat es hier sehr gut hinbekommen.

Tanz mit dem Schafsmann

Ein interessant-verrückter Titel von Haruki Murakami, dessen Bücher mir bisher ausnahmslos gefallen haben. Also war ich sehr gespannt, was mich erwartet. Ein Hotel, eine Zwischenwelt, der Schafsmann, der einen zum Tanzen auffordert und irgendwie dann doch noch eine Liebesgeschichte? Ich habe nicht einen Moment daran gezweifelt, dass a) Murakami das hinkriegt und b) es mich von vorne bis hinten unterhalten würde.

Der Ich-Erzähler ist an sich kein besonders aufregender Typ. Freischaffender Autor, der zwar gut in seinem Job ist, ihn allerdings nicht wirklich erfüllend findet. Er macht die Arbeit, weil sie eben jemand machen muss, aber er macht sie gut. »Kulturelles Schneeschaufeln« nennt er das. Kiki, eine alte Bekanntschaft, scheint irgendwie mit ihm Kontakt aufnehmen zu wollen, das sagt ihm zumindest sein Gefühl. Also beschließt er spontan, sich eine Weile frei zu nehmen und reist nach Sapporo, wo er in dem kleinen schäbigen Hotel Delfin ein Zimmer reserviert hat, dort wo Kiki ihn vor Jahren hingelockt und dann allein gelassen hat.

Als er im überaus luxuriösen Dolphin Hotel ankommt, wird alles verrückt. Die reizende Hotelfee an der Rezeption, die ihm ein Horrorerlebnis mit dem Personalaufzug anvertraut, ein kleines Mädchen namens Yuki, dessen Fähigkeiten in Stephen Kings Universum wohl am ehesten als Shining bezeichnet würden, und natürlich der Schafsmann erwarten ihn hier. Und damit fängt alles erst an.

Die Geschichte ist gewohnt abgedreht, aber nie zu verrückt. Die einzelnen Charaktere haben mir auch wirklich sehr gut gefallen. Gegen Ende wird alles nochmal etwas extra wirr, aber auch das stört nicht wirklich, da es sehr zu Murakamis eigener Mystik, wenn man es denn so nennen will, passt.

Ich hatte auf jeden Fall sehr viel Spaß mit dem Buch. Es war nie wirklich spannend, im Sinne von aufregend, doch ich wollte immer wissen, wie es denn nun weitergeht. Und jetzt muss ich mal sehen, wie es mit meiner Leseliste weitergeht.

Die Stadt und die Sterne

Arthur C. Clarke ist einer der großen englischen Science-Fiction-Autoren des letzten Jahrhunderts. Das sagt zumindest Wikipedia und das Vorwort in Die Stadt und die Sterne. Ich hatte zwar schon von dem guten Mann gehört, aber noch nichts von ihm gelesen, bis ich über eine Kurzbeschreibung zu diesem Buch stolperte, die mir ganz gut gefiel.

In der Zukunft – und wir reden hier nicht von ein paar Jahrzehnten oder Jahrhunderten, sondern von Milliarden von Jahren – lebt die Menschheit in der letzten Stadt der Erde, Diaspar. Hier werden die Menschen 1.000 Jahre alt, nur um dann wieder in den Gedächtnisspeicher der Stadt einzugehen und irgendwann wieder neu zu entstehen. Ein ständiger Wechsel im anhaltenden Stillstand quasi. Und dann kommt Alvin. Der erste Mensch seit langer Zeit, der ohne alte Erinnerungen und »vererbte« Ängste aus der Halle der Schöpfung tritt und alles in Frage stellt.

Die Idee gefiel mir eigentlich ganz gut und ich ging an das Buch heran mit der Frage im Kopf, ob es dem Hauptcharakter gelingen würde, die Stadt zu verlassen oder wahlweise ihr großes Geheimnis aufzudecken. Nach einiger Zeit wurde mir dann klar, dass das nicht wichtig ist. Und dass Alvin mir bei weitem nicht so sympathisch ist, wie er es sein sollte.

Die Handlung des Buches ist vielleicht ganz gut und die Zukunftsvision hat vermutlich auch die ein oder andere wertvolle Botschaft für die Menschen unserer Zeit im Gepäck, aber leider war die ganze Geschichte von vorne bis hinten irgendwie öde. Natürlich bedeutet Sci-Fi nicht zwangsläufig Action und Weltraumschlachten, das ist hätte ich auch nicht erwartet, doch was ich mir gewünscht hätte, wäre etwas Spannung gewesen. Beim Lesen hatte ich nie das Gefühl, die Charaktere seien in Gefahr oder es bestünde auch nur die Chance eines Scheiterns und das hat mich sehr gestört.

Vielleicht bin ich einfach in der falschen Zeit aufgewachsen (Das Buch ist von 1956 und war damals schon die Überarbeitung des Originals von 1948), oder vielleicht ist auch einfach dieser Zweig der Science Fiction nichts für mich, aber zum ersten Mal in diesem Jahr, habe ich das Ende eines Buches wirklich herbeigesehnt. Deshalb will ich nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, doch empfehlen würde ich es nicht.

Feuerkind

Mal wieder ein Roman von Stephen King, mal wieder ein Klassiker. Beinahe 40 Jahre ist Feuerkind nun schon alt und selbst die Verfilmung ist noch älter als ich und doch habe ich mich zuvor mit keinem der beiden Werke befasst. Das habe ich jetzt nachgeholt und es hat sich gelohnt.

Die kleine Charlene »Charlie« McGee ist – nachdem ein Drogenexperiment einer Regierungsorganisation das Erbgut ihrer Eltern verändert hat – mit der Fähigkeit der Pyrokinese geboren worden. Da haben wir also eine Mutter, die Dinge per Gedankenkraft bewegen kann, einen Vater, der andere psychisch beeinflussen kann und ein Kind, das nur an Feuer denken muss, um ein Inferno zu entfachen. Natürlich ist das Interesse der Firma, jener geheimen Regierungsorganisation, Charlies Fähigkeiten unter die Lupe zu nehmen, sehr groß.

Es geht also um die Flucht vor der Regierung. Andy McGee und seine Tochter werden gejagt, treffen aber auch Menschen, die ihnen helfen wollen, wie könnte es auch anders sein. Trotzdem wird ein Plan gebraucht, um irgendwann endgültig in Ruhe leben zu können.

Diese Art von Geschichten, in denen Unschuldige gejagt werden, verlaufen oft ähnlich, aus heutiger Sicht kann man King da kein Fleißsternchen für Originalität verpassen. Wie es allerdings 1980 aussah, kann ich nicht wirklich beurteilen. Was mir jedoch auch heute noch gefällt, ist der Erzählstil. Die Geschichte wird aus allen verschiedenen Perspektiven erzählt und die Charaktere sind allesamt glaubhaft. Glaubhafte Klischees zwar, aber immerhin.

Sicher hätte man die Geschichte etwas kürzer erzählen können, aber King ist jetzt auch nicht unbedingt jemand, der sich so kurz fasst. Am Ende hat mir das Buch jedenfalls echt gut gefallen und hat mich eine ganze Weile (langsamer Leser und so) unterhalten.

Das Joshua-Profil

Hin und wieder kommt es vor, dass ich keine Ahnung habe, was ich als nächstes lesen soll. Es gibt so viele Bücher, die mich interessieren würden und ich habe auch noch einige Bücher von Autoren, von denen ich am liebsten alles lesen würde, aber bei keinem davon sagt mir diese innere Stimme »Das da! Das muss es jetzt sein!«.

In solchen Momenten lese ich gerne eine Dystopie oder auch mal einen Thriller / Krimi. Letzteres habe ich jetzt zum zweiten Mal getan. Das Joshua-Profil von Sebastian Fitzek war eine Empfehlung der Liebsten, weil ich zwischen diesem Buch und Passagier 23 schwankte.

Max Rhode ist Thrillerautor. Kein besonders erfolgreicher Vertreter dieser Zunft, aber immerhin. Ein vollkommen Fremder, der unheimlich gut informiert ist, warnt ihn vor dem ominösen Joshua und legt ihm nur eine Sache ans Herz: Er darf sich unter keinen Umständen strafbar machen. Okay, na gut, kein Problem. Bis zu dem Punkt, an dem das Jugendamt vor der Tür steht und Pflegetochter Jola mitnehmen will, um sie zu den drogenabhängigen und gewalttätigen leiblichen Eltern zurückzuführen. Da brennen einem liebenden Vater gerne mal die Sicherungen durch, man schließt die Amtsmitarbeiter ein und entführt das eigene Kind. Und so beginnt dann das Drama um Entführung, Erpressung, die Gefahren des Predictive Policing und Vergangenheitsbewältigung.

Das Buch hat mir ganz gut gefallen und das aus mehreren Gründen. Die 83 Kapitel sind recht kurz und schnell geschrieben. Das Tempo und die schnellen Szenenwechsel lassen der Langeweile kaum Zeit, überhaupt aufzukommen, denn ständig will man wissen, wie es weitergeht. Auch die Erzählung aus der Ich-Perspektive des Max Rhode und aus der dritten Person bei allen anderen Charakteren gefiel mir ganz gut. Ein kleines Detail nur, aber es hat eine große Wirkung. Der Schreibstil an sich gefiel auch wirklich gut. Die Sätze sind nicht zu lang, was wiederum zum Tempo beiträgt und die Wortwahl meistens exzellent, was meinen Geschmack angeht. Und was mir besonders gut gefallen hat: Fitzek schreibt über Max Rhode, sein eigenes Pseudonym, das fand ich super. Ein Pseudonym braucht mehr als nur einen Namen, es braucht eine Geschichte. Und auch wenn die vorher schon vorhanden war, kann es doch trotzdem sein, dass diese erdachte Person auch nach einem Klappentext noch einen oder mehrere Schicksalsschläge erleidet. Wenn diese dann auch noch den Stoff für ein ganzes Buch liefern, ist das doch etwas Gutes.

Das Joshua-Profil war also sicher nicht das letzte Buch von Fitzek, das ich gelesen habe, aber als nächstes werde ich mir wieder etwas anderes aussuchen.

Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Ich mag Haruki Murakami. Die Bücher, die ich bisher von ihm gelesen habe, haben mir allesamt sehr gut gefallen und auch wenn ich mit dem Laufen als Sport nichts anfangen kann (eines meiner größten Probleme beim Sport ist die Atmung, deshalb hat es mir leider nie viel Spaß gemacht), wollte ich wissen, was Herr Murakami über das Laufen und auch das Schreiben zu sagen hat.

Im Grunde beschreibt er anhand verschiedener Etappen seine persönliche »Laufbiographie«, was nicht unbedingt spannend ist. Der sportliche Aspekt war am Anfang nicht einmal sonderlich interessant. Warum ich das Buch trotzdem gelesen habe, obwohl ich eigentlich schon vorher wusste, was mich erwartet? Zum einen ist es wirklich nicht sonderlich lang. Hauptsächlich liegt es aber daran, dass ich Murakamis Stil mag. Und dieses Buch zeigte mir, dass ich nicht nur seinen Schreibstil mag, sondern  auch seinen Lebensstil, bzw. seine Einstellung.

Für Fans – von Murakami, vom Laufen und vielleicht auch vom Schreiben – lohnt sich also ein Blick ins Buch, wie bereits erwähnt ist es auch nicht unbedingt lang. Jemandem, der noch nichts von ihm gelesen hat, würde ich zwar ein kurzes Buch als Einstieg empfehlen, aber keineswegs Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede. So, und jetzt habe ich erstmal genug gelesen für heute.