Schlaf

»Wenn man unter Schlaflosigkeit leidet, ist man immer wach. Aber nie richtig.«

Okay, falscher Film. Passt auch irgendwie gar nicht. Die namenlose Erzählerin in Haruki Murakamis Schlaf ist nämlich sehr wohl wach. Eben dann, wenn sie eigentlich schlafen sollte. Sie erlebt gerade den 17. Tag in Folge ohne Schlaf, dafür mit dicken russischen Romanen und Cognac. Nicht wirklich wach scheint sie nur zu sein, wenn sie ihren täglichen Pflichten nachkommt. Was wirklich zählt, sind die Stunden alleine mit einem Buch.

Wie auch zwei Jahre später bei Die Bäckereiüberfälle stammen die Illustrationen zur kurzen Erzählung von Kat Menschik. Diese sind großartig, gefielen mir aber in Die Bäckereiüberfälle besser. Dafür gefiel mir hier die Geschichte besser, einigen wir uns also auf ein Unentschieden. Auch die weiteren Kooperationen von Murakami und Menschik werde ich mir bei Gelegenheit noch ansehen, dafür haben mir diese beiden auf jeden Fall gut genug gefallen. Also haben wir hier das erste Buch in diesem Jahr, das ich sogar empfehlen würde. Wuhu xD

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Das Vorzelt zur Hölle

Wie ich die Familienurlaube meiner Kindheit überlebte

Auch wieder eine Empfehlung aus dem RBTV Buchklub. Ein Buch von Tommy Krappweis. Nie gehört. Stellt sich heraus, der gute Mann war wohl damals bei RTL Samstag Nacht und ist verantwortlich für Bernd das Brot. Also gut, dann lesen wir doch mal, wie die Familienurlaube in den 70ern so waren.

Als Kind, das Camping hasst und am liebsten in seinem Zimmer liest oder mit Lego spielt, sind Urlaubsreisen mit dem VW Bus in irgendwelche verdammt heißen Länder zum Wildcampen sicher nicht optimal. Ich selbst bin absolut kein Fan von Zelten, Wohnwagen oder Campingplätzen, dafür bin ich allein durch sanitäre Anlagen und gemütliche Schlafgelegenheiten einfach zu verwöhnt. Die Leiden des jungen Krappweis sind dann doch größtenteils sehr unterhaltsam zu lesen. Solange man es nicht selbst durchmachen muss und so…

Insgesamt kann man mit dem Buch wohl schon seinen Spaß haben, doch es gibt schon deutlich stärkere und schwächere Passagen. Ganz nett fand ich die Idee, manche Erlebnisse auch aus der Sicht des Campingbegeisterten Vaters schildern zu lassen und in zwei Kapiteln ihn auch beschreiben zu lassen, wie es zu dieser Vorliebe für diese Art von Urlaub kam. Kann man also mal lesen, wenn man die Gelegenheit hat, aber gezielt empfehlen würde ich auch dieses Buch nicht.

(Und gerade fällt mir auf, dass damit meine Statistik für dieses noch recht junge Jahr doch schon ziemlich schwach ausfällt bisher. Als nächstes muss ich wohl mal wieder etwas lesen, das mich mehr begeistert.)

Blade Runner

… oder auch Träumen Androiden von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick. Das haben die Liebste und ich nun gemeinsam gelesen. Ich weiß nicht mehr, wie genau wir gerade auf dieses Buch kamen, aber ich wollte sowieso mal die Vorlage zum Film sehen, den ich als Kind zuletzt gesehen habe. Vor einigen Jahren habe ich zwar noch eine Live-Version in Saarbrücken in der Sparte 4 gesehen, aber auch das war nochmal ein ganz eigenes Erlebnis.

Der Prämienjäger (im Film wurden daraus die Blade Runner) Rick Deckard jagt illegal auf die Erde geflohene Androiden / Andys (Replikanten). Das dürften wohl alle zumindest mal gehört haben und soweit ich weiß sind die sonstigen Gemeinsamkeiten zwischen Buch und Film eher überschaubar. Rick ist im Buch jedenfalls verheiratet und obwohl er anfangs eine kurze Diskussion mit seiner Frau über seinen Job hat, zieht er los, um an einem einzigen Tag sechs Androiden eines neuen Typs auszuschalten, von denen einer bereits den eigentlich besten Prämienjäger in seinem Revier ins Krankenhaus befördert hat.

Viel mehr kann man gar nicht sagen, ohne die ganze Geschichte zu erzählen, denn sonderlich viel geschieht auch eigentlich nicht. Ein Tag im Leben eines Kopfgeldjägers, mehr nicht. Spannung kommt auch nicht wirklich auf, das kann aber natürlich auch an der Übersetzung liegen. Insgesamt würde ich das Buch zwar nicht unbedingt weiterempfehlen, doch die einzelnen Aspekte haben mir schon ganz gut gefallen. Die zerstörte Welt, der Wert biologischen Lebens, Tiere als Statussymbol und elektrische Tiere als Ersatz, der Mercerismus als Religion und auch die Empathie als entscheidender Unterschied zwischen Mensch und Maschine. Das alles hat mir sehr gut gefallen und passt wohl auch heute noch gut in Dystopien, doch der gesamte Erzählstil ist vielleicht auch einfach nicht mehr zeitgemäß. Bei einem Sci-Fi-Roman von 1968 kann man das aber auch nicht erwarten. Ich werde irgendwann demnächst einfach nochmal den Film schauen und vorerst nichts mehr von Philip K. Dick lesen. Ist wohl besser so.

Südlich der Grenze, westlich der Sonne

Mein Lesejahr 2019 beginnt mit Haruki Murakami, was auch gleich meinem Wunsch entspricht, noch mehr seiner Bücher zu lesen.

Südlich der Grenze, westlich der Sonne beschreibt das (Liebes-)Leben von Hajime, der einfach nicht von Shimamoto loskommt, einem Mädchen, das er im Alter von zwölf Jahren zuletzt gesehen hat. Nachdem der Kontakt zwischen den beiden abbricht, schlägt er sich 25 Jahre lang durch, hat verschiedene Beziehungen, Affären, gründet sogar eine Familie. Dann sitzt da auf einmal diese Frau neben ihm und alles wird durcheinander gewirbelt.

Die Geschichte an sich, der Einfluss der nie vergessenen Jugendliebe, ist nicht unbedingt spannend, die Geheimniskrämerei gegen Ende vielleicht auf irgendeine Art und Weise ganz nett, insgesamt war das Buch wirklich gut, hat mich aber einfach nicht mitgerissen. Vielleicht lag es auch am Hauptcharakter Hajime, der es irgendwie nicht schaffte, sympathisch zu wirken, hauptsächlich wegen seiner Einstellung zu Affären. Das mag auch kulturelle und zeitliche Hintergründe haben (Japan in den 70ern und 80ern ist jetzt nicht unbedingt meine Lebenswelt), aber mir war der Erzähler der Geschichte dadurch eben einfach unsympathisch und das tut einem Buch meiner Meinung nach nicht gut. Trotzdem bleibt es ein gutes Buch und sicher nicht das letzte von Murakami für mich.

Was ich 2018 gelesen habe

Da ich in diesem Jahr endlich mal zu jedem von mir gelesenen Buch einen kleinen Beitrag geschrieben habe, werde ich mich hier auf eine Liste beschränken und die entsprechenden Beiträge verlinken, also nicht ganz so wie im letzten Jahr.

1.-3. Shannara III – Das Zauberlied von Shannara, Der König von Shannara und Die Erlösung von Shannara von Terry Brooks

4. Singen können die alle – Handbuch für Negerfreunde von Marius Jung

5. Joyland von Stephen King

6. Von Männern, die keine Frauen haben von Haruki Murakami

7. Wächter der Nacht von Sergej Lukianenko

8. Vom Aushalten ausfallender Umarmungen von Dirk Bernemann

9. Wächter des Tages von Sergej Lukianenko

10. Menschenjagd von Stephen King

11. Afterdark von Haruki Murakami

12. Das Bild von Stephen King

13. Wächter des Zwielichts von Sergej Lukianenko

14 . Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt von Haruki Murakami

15. Wächter der Ewigkeit von Sergej Lukianenko

16. Leviathan erwacht von James S. A. Corey

17. Naokos Lächeln von Haruki Murakami

18. Wächter des Morgen von Sergej Lukianenko

19.-21. Shannara IV – Die Kinder von Shannara, Das Mädchen von Shannara und Der Zauber von Shannara von Terry Brooks

22. Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie von Lauren Oliver

23.-25. Shannara V – Die Schatten von Shannara, Die Elfenkönigin von Shannara und Die Verfolgten von Shannara von Terry Brooks

26.-27. Shannara VI – Die Reiter von Shannara und Die Talismane von Shannara von Terry Brooks

28. Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami

29. Die Insel der besonderen Kinder von Ransom Riggs

30. Upload von Cory Doctorow

31. Ein Mann names Ove von Fredrik Backman

32. Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede von Haruki Murakami

33. Das Joshua-Profil von Sebastian Fitzek

34. Feuerkind von Stephen King

35. Die Stadt und die Sterne von Arthur C. Clarke

36. Tanz mit dem Schafsmann von Haruki Murakami

37. Wilde Schafsjagd von Haruki Murakami

38. Wenn der Wind singt von Haruki Murakami

39. Pinball 1973 von Haruki Murakami

40. Ich und die Menschen von Matt Haig

41. Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben von Matt Haig

42. Die Stadt der besonderen Kinder von Ransom Riggs

43. Calibans Krieg von James S. A. Corey

44. Die Bibliothek der besonderen Kinder von Ransom Riggs

45. Abaddons Tor von James S. A. Corey

46. Kafka am Strand von Haruki Murakami

47. The Expanse Stories #1-3 von James S. A. Corey

48. Die letzten Wächter von Sergej Lukianenko

49. Wie schön alles begann und wie traurig alles endet von Dirk Bernemann

50. Cibola brennt von James S. A. Corey

51. Kuck dir die Tiere an, wie glücklich die immer sind von Andy Strauß

52. Nemesis-Spiele von James S. A. Corey

53. Das Tor zu Hölle von Clive Barker

54. Satt, sauber, sicher von Dirk Bernemann

55.-57. 1Q84, Buch 1, Buch 2 und Buch 3 von Haruki Murakami

58. Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch von Michael Ende

59. Babylons Asche von James S. A. Corey

60. Die Farben der Magie von Terry Pratchett

61. Die Bäckereiüberfälle von Haruki Murakami

62. Das Licht der Phantasie von Terry Pratchett

 

Das Licht der Phantasie

Der zweite Scheibenwelt-Roman also und auch der zweite der Zauberer-Reihe. Wie es mir unter dem Beitrag zum ersten Buch empfohlen wurde, werde ich wohl doch zunächst die Zauberer-Bücher lesen und dann mal weitersehen.

Endzeitstimmung auf der Scheibenwelt! Ein neuer, rot glühender Stern, ist am Himmel aufgetaucht und das Ende scheint nah! Nicht die erste unangenehme Situation, in der sich der gescheiterte Zauberer Rincewind wiederfindet, seit er den Touristen Zweiblum getroffen hat, aber immerhin beginnt dieses Abenteuer dort, wo ihr vorheriges endete: Jenseits des Rands der Scheibenwelt, im freien Fall. So schlimm kann es also gar nicht werden, oder? Immerhin trifft man ja auf dem weiteren Weg noch auf weitere Gefährten, große Helden (und Heldinnen) und schlagfertige Jungfrauen.

Auch der zweite Scheibenwelt-Roman hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich gemerkt habe, dass ich im Urlaub wesentlich weniger lese, als sonst. Es gibt einfach zu viele Ablenkungen xD Aber ich werde im neuen Jahr sicher noch den ein oder anderen Roman aus der Reihe lesen und hier berichten. Für dieses Jahr war es das aber wohl mit Büchern. Soll ja auch mal reichen.

 

Die Bäckereiüberfälle

Kurzes Buch, kurzer Beitrag:

Hunger. Ein so tiefer und allumfassender Hunger, dass er zwei junge Männer dazu treibt, eine Bäckerei zu überfallen. Und Jahre später denselben Plan in einem frisch verheirateten Paar aufkommen zu lassen.

Dazu die Möglichkeiten, wonach es die Figuren überhaupt wirklich hungert. Brot? Fleisch? Abwechslung? Dem Verbotenen? Sinn? Aus wenig Text kann man oft sehr viel mehr machen als aus viel Text, der zu vieles erklärt. Das mag ich gerade an Haruki Murakami so. Dazu noch die Illustrationen der Deutschen Kat Menschik, die mir einfach wahnsinnig gut gefallen. Allein wegen der Bilder habe ich jetzt schon Lust auf Schlaf und Die unheimliche Bibliothek.

Die Farben der Magie

Mein erster Ausflug in Terry Pratchetts bizarre Scheibenwelt. Ich hatte natürlich schon einiges von den Büchern, Verfilmungen und Videospielen gehört, größtenteils sogar Gutes, doch noch nie Lust gehabt, mich damit zu befassen. Jetzt zum Jahresende habe ich beschlossen, das zu ändern und mir den ersten Scheibenwelt-Roman geschnappt.

Der unfähige Zauberer Rincewind wird eher unfreiwillig der neue Reisegefährte des Touristen Zweiblum, der sich mit seiner halbwegs intelligenten Truhe und dem Bilderkobold, der in seiner Kamera seinem Ikonographen lebt, aufmacht, um die Scheibenwelt zu erkunden und all die Dinge zu sehen, von denen er sein Leben lang nur geträumt hat. Fremde Länder, echte Kneipenschlägereien, Helden in Aktion, Drachen… All die Dinge, denen Rincewind lieber aus dem Weg gehen würde, da er doch schon ziemlich an seinem Leben hängt.

Nach allem was ich bisher über die Scheibenwelt-Bücher gehört habe, schwanken sie natürlich stark in ihrer Qualität und das erste Buch soll nicht unbedingt das beste sein. Allerdings sind es wohl auch Bücher, die man einfach mag oder eben nicht. Ich für meinen Teil mochte Die Farben der Magie. Die abgedrehte Welt gefiel mir besonders deshalb, weil sie einfach gut zur Handlung passt. Bei anderen Büchern hat man gerne mal das Gefühl, dass verrückte Dinge geschildert werden, einfach nur um zu zeigen, wie verrückt die Welt doch ist, das hatte ich hier gar nicht. Die Charaktere haben mir auch gut gefallen, besonders Zweiblums Truhe und der Barbar Hrun sind einfach lustig. Ich werde auf jeden Fall noch weitere Geschichten aus der Scheibenwelt lesen, vielleicht nicht unbedingt noch in diesem Jahr, aber 2019 bestimmt.

Babylons Asche

Und das war dann auch der sechste Teil der Expanse-Reihe, der ein bestimmtes Kapitel abschließt.

Die Erde stirbt immer noch langsam vor sich hin und während die Machthaber von Erde und Mars irgendwie versuchen, die Zukunft der Menschheit zu sichern, müssen sie sich immer noch mit der Freien Raummarine herumschlagen. Marco Inaros führt einen Krieg, den vielleicht er gewinnen kann, keinesfalls aber die Menschheit. Das wird einigen Leuten nach und nach klar und vieles ändert sich. Währenddessen tut die Crew der Rosinante um James Holden (unter neuer militärischer »Führung«) das, was sie am besten kann: Das Richtige. Oder das, was sie dafür halten. Aber das geht eben nicht immer ohne Verluste.

So langsam ist die Geschichte der Reihe an einem Punkt angelangt, an dem ich mir das Ende herbeisehne, einfach damit es nicht so lange hinausgezögert wird, dass es nur noch scheiße werden kann. Drei Bücher sollen wohl noch kommen (Teil sieben erscheint demnächst auf Deutsch, Teil acht auf Englisch, das Finale steht dann noch aus) und das wird wohl auch passen. Es wird für die Menschheit in den Büchern nun Zeit, sich der Zukunft zuzuwenden. 1372 neue Sonnensysteme warten und dann ist da immer noch das Laconia-Tor, hinter dem sich der abtrünnige Marsianer Duarte verschanzt und wohl seinen eigenen bösen Masterplan verfolgt. Ich bin sehr gespannt, was da noch kommt. Babylons Asche hat mir jedenfalls wieder sehr gut gefallen und ich kann es jetzt kaum noch erwarten, bis Persepolis erhebt sich erscheint (da ich die bisherigen Bücher auf Deutsch gelesen habe, will ich das auch weiterhin so tun).

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Ich hatte noch nie ein Buch von Michael Ende gelesen. Klar, ich habe Verfilmungen von Die unendliche Geschichte und Momo gesehen, irgendwann als Kind auch Jim Knopf, gelesen habe ich keine dieser Geschichten. Nun hört die Liebste im Auto wieder Hörbücher und hat da letzte Woche wohl auch den Wunschpunsch gehört. Ich hatte noch nie von der Geschichte gehört, also habe ich sie am Wochenende mal gelesen.

Die Geschichte – für die, die sie auch nicht kennen – ist schnell erzählt: Ein böser Zauberer muss am Silvesterabend unbedingt allerlei Unheil über die Welt bringen, da er sonst seinen Vertrag mit dem Teufel nicht einhalten kann und zur Hölle fahren muss. Das einzige, das ihm dabei noch helfen kann, ist Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch, den er nur mit seiner verhassten Tante herstellen kann. Gleichzeitig versuchen ein Kater und ein Rabe, Agenten des hohen Rats der Tiere, das drohende Unheil zu verhindern.

Mit ihren insgesamt sechs Charakteren ist die Geschichte sehr übersichtlich und durch die ganzen Zauberformeln und Reime sicher ein Spaß für jedes Kind, dem man sie vorliest. Ich selbst fand sie ganz lustig und für eine Kindergeschichte wohl auch ziemlich gut. Ohne wirkliche Vergleiche anstellen zu können, fällt es schwer, das richtig zu beurteilen.