Kuck dir die Tiere an, wie glücklich die immer sind

Ein Roman über Schuld, Sühne und Suggestion. Geschrieben von Andy Strauß, den ich zuerst als Moderator bei Rocket Beans TV sah und für etwas abgedreht hielt. Dann sah ich Videos von ihm bei verschiedenen Poetry Slams und hielt ihn für sehr abgedreht. Jetzt habe ich zum ersten Mal eines seiner Bücher gelesen und sagen wir es mal so: Ich wurde nicht enttäuscht.

Der Untertitel Ein Roman über Schuld, Sühne und Suggestion beschreibt das Buch schon ganz gut. Es ist die Geschichte einer unerwiderten Liebe und davon, was sie mit den Beteiligten so anstellt bzw. was man tun kann, um das wieder gerade zu biegen. Stefan Brommer, Hauptcharakter A, hat in der Vergangenheit aber nicht nur Mist gebaut, den es zu korrigieren gilt, sondern ihm wurde auch übel mitgespielt. Unabhängig davon pinkelt der gerne an und in Einrichtungsgegenstände und belohnt Unfreundlichkeit.

Peter Salmiak, Hauptcharakter B, leidet sich durch seine eigene Geschichte, die mit Tieren, Psychiatern, belanglosem Sex und Traumata aufwarten kann.

Beide Geschichte haben natürlich ihre Berührungspunkte und sind sehr, sehr abgedreht. Andy Strauß ist definitiv kein Autor für jedermann, doch wenn man seine Texte mag, dann wird man auch mit diesem Buch und den verrückten Ideen, die es präsentiert, Spaß haben. Für mich war es sicher nicht das letzte seiner Bücher.

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Cibola brennt

Hach, ich mag die The Expanse-Reihe einfach. Nun habe ich auch den vierten Roman gelesen und bin mal wieder begeistert. Aber hier erst einmal grob die Handlung:

Nach den Ereignissen um die Ringstation stehen der Menschheit nun tausend neue Sonnensysteme offen, von denen wohl auch die meisten mindestens einen Planeten mit atembarer Atmosphäre bieten. Einer dieser Planeten ist Illus, den einige Flüchtlinge kolonisieren möchten und so benannt haben. Doch selbst fernab der Erde und sogar jenseits unseres Sonnensystems kann doch für Menschen nichts ohne die gute alte Bürokratie funktionieren.

Und so vergibt die UN Besitz- und Schürfrechte an neuentdeckten Planeten wie eben Neuterra (so der »offizielle« Name von Illus). Die Royal Charter Energy rückt also mit Wissenschaftlern, einem Sicherheitsteam und sogar einer vorläufigen Regierung an, um ihre Ansprüche geltend zu machen. Der Widerstand unter den Siedlern ist groß und man will die Landeplattform für das Shuttle, das all diese Leute auf den Planeten bringen soll, in die Luft jagen, um sich etwas mehr Zeit zu verschaffen. Das klappt allerdings nicht ganz wie geplant und die Situation eskaliert.

Die UN und die AAP haben da aber jemanden an der Hand, der als Vermittler die Wogen glätten soll. Jemanden, der nicht gerne lügt, über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügt und der im schlimmsten Falle einen hervorragenden Sündenbock abgibt: James Holden, der mit seiner Crew auf der Rosinante die Reise nach Illus / Neuterra auf sich nimmt.

Die ganze Geschichte hätte ab diesem Punkt ein politdrama oder ähnliches werden können, doch zum Glück gibt es neben Siedlern, RCE und Holden noch das Protomolekül bzw. die Geschichte um seine Erschaffer. 18 Monate von Nachschub und Verstärkung entfernt müssen die Menschen auf dem Planeten und auch auf den drei Raumschiffen im Orbit bald mit mehr Problemen klarkommen als ein paar rebellischer Siedler, einem übereifrigen Sicherheitschef oder toten Detectives.

Explodierende Planeten, schmelzende Monde und planetare Abwehrvorkehrungen sorgen für große Spannung im (auf die Galaxis bezogenen) kleinen Rahmen. So wird mal wieder mit altbekannten und einigen neuen Charakteren ein fesselndes Kapitel in dieser Geschichte erzählt. Besonders gut gefiel mir dabei, dass zumindest zwei der neuen Charaktere gar nicht so neu waren und das Buch so Verknüpfungen zu den Vorgängern herstellt, die tatsächlich einen Sinn ergeben und nicht komplett erzwungen wirken. Und Bobbie Draper hat auch ihren Part, juhu xD

Insgesamt hat mir auch hier eigentlich wieder alles gefallen. Das Setting, dieser neue Planet, war sehr interessant, die Charaktere und ihre Motivation glaubwürdig und die Erzählweise, der Wechsel zwischen den POV-Charakteren wieder mal grandios. Mit jedem Buch wächst allerdings die Angst, dass die beiden Autoren irgendwann den richtigen Punkt verpassen, ein gutes Ende einzuleiten. Das ist aber wohl bei jeder Reihe so, die zu irgendeinem Punkt Potential hat und nicht von vorneherein schon nichts zu bieten hat.

Wie schön alles begann und wie traurig alles endet

Nach einiger Zeit mal wieder ein Buch von Dirk Bernemann. Seine Bücher wecken in mir immer wieder denselben Wunsch: Auch so schreiben zu können. Sein Stil ist sehr speziell und ganz sicher nichts für jeden, doch ich mag ihn sehr.

Wie schön alles begann und wie traurig alles endet ist da keine Ausnahme. Die beste Beschreibung liefert der Unsichtbar-Verlag selbst: »Ein Buch irgendwo zwischen Liebe, Krieg, Jugend, Dorf und Metropole. Ein Geschichte, die zu Herzen gehen soll, aber meistens irgendwo anders im Körper landet, wo es aber auch schön ist.

Dirk Bernemann beackert die großen Themen der Literatur: Liebe, Krieg und avantgardistische Popmusik. Menschen rennen durch Metropolen auf der Suche nach Liebe und anderen Gründen für ihre Existenz und was sie finden ist manchmal Dosenravioli und Spezi.«

So wüst wie diese Kurzbeschreibung liest sich auch das Buch. Es reißt einen von hier nach da und von dann bis jetzt und wieder zurück. Oberflächliche Charaktere in einer oberflächlichen Welt. Der Prä-Kriegsbericht aus einer Post-Kriegszeit lässt einen nicht so schnell wieder los, wenn Bernemanns Stil an den richtigen Rezeptoren andocken kann. Spaß macht das Buch nicht wirklich, aber das muss es auch nicht. Mehr kann ich auch eigentlich nicht sagen. Die Geschichte ist relativ kurz und es gibt nichts, das man spoilern könnte, zumindest wenn man mich fragt. Wenn man Bernemann mag, mag man wohl auch dieses Buch, wenn nicht, dann eben nicht.

Die letzten Wächter

Anton Gorodezki ist zurück auf meinem ebook-Reader! Mit dem Abschluss der Hauptreihe um die Wächter von Sergej Lukianenko habe ich ziemlich lange gewartet, doch es war eigentlich ganz einfach, wieder einen Zugang zu finden. Erinnerungen an Einzelheiten aus den Büchern, die ich gelesen habe, sind in meinem Kopf sehr weit zerstreut, doch neben meinen eigenen Blogeinträgen halfen auch kleine Erwähnungen in den – wie immer – dreit Geschichten des Buches meinem Gedächtnis auf die Sprünge.

Die drei Geschichten – Zwangshandlungen, Zwangsbündnisse und Zwangsmittel – führen Stück für Stück zu einem tollen Finale. Mal wieder müssen neue Bedrohungen geschafft werden, die irgendwie in der Welt der Geschichte noch einen Sinn ergeben, was dem Autor zwar wieder mal gelingt, aber passend zu den Episodentitel, etwas gezwungen wirkt. Es geht um alte Freunde, alte Feinde, sehr alte Andere und – ebenfalls wie immer – um Intrigen und Tricks.

Alle Geschichten waren gut erzählt und in meinen Augen stellenweise verdammt witzig, ohne dabei albern zu werden. Das hätte nun wirklich nicht gepasst. Die letzte Geschichte und besonders das letzte Kapitel hält für den Hauptcharakter Anton die ein oder andere Überraschung und Offenbarung bereit und stellt ein interessantes Ende seiner Geschichte die nicht erst mit Wächter der Nacht begonnen hat.

Es gibt noch weitere Romane in dieser Welt, auch von oder unter Mitwirkung von Lukianenko, doch für mich soll hier Schluss sein, vorerst zumindest. Diese sechs Bücher und die handelnden Charaktere haben mir sehr gut gefallen und jede weitere Geschichte birgt nur das Risiko, dass mir dieser Geschichtenkosmos danach weniger gefällt. Deshalb waren das nun wirklich Die letzten Wächter.

The Expanse Stories #1-3

Wie man vermutlich gemerkt hat, mag ich die Bücher der The Expanse-Reihe sehr und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ich mir auch mal die Kurzgeschichten anschaue, die jeweils nach dem ersten, zweiten und dritten Buch erschienen.

Der Schlächter der Anderson-Station ist der Spitzname von Fred Johnson, was man bereits im ersten Buch erfährt, ebenso wie er zu diesem Titel gelangt ist. Was allerdings hinter diesem berühmten Einsatz für die UN steckte und wie Colonel Johnson schließlich bei der AAP landete, das erfährt der Leser in dieser Geschichte.

Der Gott des Risikos handelt von David Draper, dem Neffen von Roberta »Bobbie« Draper. Gunnery Seargent Draper. Bobbie »Besorgen Sie mir ein Gewehr und ich bin Soldatin. Besorgen Sie mir meinen Anzug und ich bin eine Superheldin« Draper. Bobbie »Du bist ein harter Typ, aber ich bin ein apokalyptischer Alptraum« Draper. Man merkt, dass sie einer meiner Lieblingscharaktere ist, oder? Tante Bobbie ist jedenfalls bei ihrem Bruder und dessen Familie eingezogen, was dem jungen David ziemlich auf die Nerven geht. Bobbie arbeitet nämlich nicht, sondern ist den ganzen Tag zuhause, schaut Nachrichten und stemmt Gewichte. Wie soll man denn da in Ruhe Drogen kochen? Und wie geht man mit diesem unbändigen Drang um, das Richtige zu tun? Insgesamt eher keine sonderlich spannende Geschichte, aber der Schluss war ganz schön. Außerdem ist sie, auch wenn sie länger ist, als die erste Story, immer noch recht kurz.

Der Mahlstrom ist eine Geschichte über Gewalt in einer gewalttätigen Welt. Amos Burton, der Mann mit einem Talent für »fröhliche Gewalt« ist das vielleicht gefährlichste Mitglied in Jim Holdens Crew und bisher wurde nur wenig über sein Leben auf der Erde erzählt. Diese Geschichte beschreibt sein Leben bzw. das Ende seines Lebens in Baltimore.

Alles in allem sind die drei Geschichten ganz gut, um ein wenig Zeit totzuschlagen. Die Informationen über bekannte Charaktere sind ganz nett, aber nicht furchtbar interessant, mit Ausnahme vielleicht von Amos. Der Mahlstrom hat mir auch tatsächlich am besten gefallen, gefolgt von Der Schlächter der Anderson-Station. Der Gott des Risikos konnte als einzig interessantes Element leider nur mit Bobbie aufwarten, trotzdem ist die Geschichte nicht schlecht, nur eben die für mich schwächste der drei Stories.

Jetzt freue ich mich jedenfalls auf den vierten Roman, auch wenn ich noch nicht ganz sicher bin, ob ich ihn direkt als nächstes lesen werde. Für heute ist jedenfalls erstmal Schluss.

Kafka am Strand

Wie ich schon in meinem Beitrag zu Von Männern, die keine Frauen haben erwähnt hatte, war es damals Kafka am Strand, das als erstes Buch von Haruki Murakami mein Interesse weckte. Acht Monate und zehn Murakami-Bücher später habe ich es nun endlich auch mal gelesen.

Wie schon Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt erzählt Kafka am Strand zwei Geschichten, die sich nach und nach miteinander verbinden. Kafka Tamura ist gerade 15 geworden und flieht aus seinem Leben, bis er in einer Bibliothek eine neue Bleibe findet. Nakata hingegen ist schon ein alter Mann, der zwar weder lesen noch schreiben, dafür aber mit Katzen sprechen kann. Unbeschwert lebt er sein einfaches Leben, bis auch er zur Flucht getrieben.

Beide Geschichten erzählen sowohl die Flucht von etwas weg, als auch zu etwas hin und beide Charaktere lernen erst Stück für Stück, was man von ihnen erwartet und was sie von sich selbst erwarten sollen. Wie andere Geschichten hält sich auch diese hier nicht mit Symbolen, Metaphern, whatever zurück, aber es passt einfach. Ich glaube, bei einem deutschen Roman bzw. einem, der in Deutschland spielt, würde es mir viel zu seltsam vorkommen. Das ist eben das Vorrecht japanischer Literatur, würde ich behaupten.

Die Charaktere sind allesamt interessant und vermutlich genau zum richtigen Grad verrückt oder seltsam, doch gefiel insgesamt der Nakata-Teil des Buches, auch wenn immer pro Kapitel zwischen den Handlungen gewechselt wurde, eindeutig besser. Nakata als Charakter war mir sympathischer als Kafka, was wohl auch daran lag, dass er trotz seiner Leere und seines halben Schattens einfach mehr war. Auch die anderen Figuren, denen er begegnet und die ihn unterstützen, allen voran der junge Fernfahrer Hoshino und sogar die Katzen, gefielen mir sehr gut. Oshima ist natürlich auch ein toller Charakter, doch alles in allem wollte ich immer wissen, wie die Geschichte um Nakata weitergeht.

Jetzt sitze ich hier und brauche erst einmal eine Pause. Zum Glück habe ich als nächstes ein paar Kurzgeschichten, die ich lesen kann, das wird dann ›leichte Kost‹.

Ich habe jetzt übrigens mal ein Beitragsbild eingefügt und will das auch für ein paar der nächsten Beiträge beibehalten, um für mich selbst zu sehen, wie es mir gefällt. Es hilft mir einfach, das direkt in der tatsächlichen Blogumgebung vor mir zu sehen. Ein endgültiges Design ist es also noch nicht.

Abaddons Tor

Heute Morgen habe ich nun auch den dritten Roman der The Expanse-Reihe von James S. A. Corey zu Ende gelesen.

Was sich von der Venus erhoben hat, schwebt weit weg von der Menschheit in der Leere des Alls und lockt natürlich die neugierigen Regierungen von Erde, Mars und auch der äußeren Planeten. Doch ein Jugendlicher in einer mehr schlecht als recht zusammengebauten Nussschale ist es, der als ersten durch den Ring fliegt und nicht auf der anderen Seite rauskommt. Türen haben nunmal die Angewohnheit, in Menschen den Wunsch zu wecken, zu erfahren, was sich auf der anderen Seite befindet, also wird das Militär mobilisiert und um den Ring stationiert.

Und wer hat rein gar nichts mit der ganzen Sache zu tun und möchte nur so weit weg von diesem Ring, wie nur irgendmöglich? James Holden, der Kapitän der Rosinante, der sich nach den ersten beiden Abenteuern eigentlich wirklich eine Auszeit verdient hätte. Natürlich muss gerade er eine Dokumentarfilmcrew zum Ring bringen, um sein geliebtes Schiff nicht zu verlieren. Ein explodiertes Kriegsschiff, Besitzansprüche auf den außerirdischen Ring und eine überstürtze Flucht später, finden sich alle beteiligten Fraktionen auf der anderen Seite des Tors wieder und stehen einer Macht gegenüber, der sie nicht gewachsen sind.

Die Rahmenhandlung wirkt, verglichen mit den beiden ersten Romanen, etwas zu gewaltig, doch es passt zu dem Umstand, dass bisher noch fünf weitere Bücher folgten. Teil drei wirkt dann doch wieder wie eine Überleitung, gerade das Ende ist ein schönes »Jetzt geht’s erst richtig los«, finde ich. Die Figuren sind auch dieses Mal wieder sehr gut geschrieben, auch wenn Amos und vor allem Alex wesentlich kleinere Rollen spielen, als bisher. Die neuen Charakere Bull, Melba und Anna sind genauso überzeugend, wie die Nebencharaktere und bieten allesamt interessante Storylines.

Die Geschichte an sich ist auch wieder richtig gut gelungen, auch wenn die Figuren mir nicht so gut gefallen haben wie Bobby Draper oder Chrisjen Avasarala aus dem Vorgänger.

Als nächstes werde ich mich aber lesetechnisch wieder aus dem Weltall zurückziehen und stattdessen etwas Zeit am Strand verbringen. Abwechslung und so. Trotzdem werde ich früher oder später auch diese Reihe weiter lesen, da bin ich mir sicher.

Die Bibliothek der besonderen Kinder

Mit dem dritten und (bisher) letzten Teil der Besondere Kinder-Reihe von Ransom Riggs endet die Geschichte um Jacob Portman und seine besonderen Freunde.

Die Handlung spielt größtenteils in einer sehr chaotischen Zeitschleife, die den jungen Protagonisten die Abgründe ihrer Besonderenwelt zeigt. Dort muss Jacob seine Fähigkeiten weiter verfeinern und Ausbauen, um eine Chance zu haben, die entführten Besonderen zu retten und seine Widersacher davon abzuhalten, sich die Bibliothek der Besonderen zu Nutze zu machen. Dort liegen einige der mächtigsten Seelen – und damit Fähigkeiten – aller Zeiten verborgen und locken mit unbegrenzter Macht all jene, die kühn genug sind.

Der letzte Teil der Geschichte führt mit dem neuen Handlungsort auch verschiedenste neue Figuren ein, die teilweise wirklich interessant sind, teilweise auch einfach nur zweckdienlich, aber das ist bei dieser Art Geschichte eben auch einfach.

Das Ende ist wenig überraschend, auch – oder besonders deswegen – wenn manche Dinge ungeklärt bleiben. Das letzte Kapitel, das eben nach dem großen Finale spielt, wirkte auf mich auch sehr gewollt, aber auch das ist verständlich. Ein Jugendroman mit Liebesgeschichte und ohne Happy End, hätte wohl nicht diesen Erfolg im Mainstream gehabt.

Calibans Krieg

Ich muss zugeben, ich hatte die ganz Zeit über etwas Angst vor der Fortsetzung zu Leviathan erwacht von James S. A. Corey. Der erste Teil der The Expanse-Reihe hat mir wirklich gut gefallen und Fortsetzungen bringen ja nun mal immer das Risiko mit sich, scheiße zu sein. Hier aber vorweg ein kleiner Spoiler: Die Angst war unbegründet.

Die Geschichte von Calibans Krieg ist ebenso gut erzählt wie schon im Vorgänger und auch genauso spannend. Der alte Feind ist immer noch da: Das Protomolekül, das im ersten Teil eine ganze Raumstation ausgelöscht hat und mit Müh und Not auf die Venus verfrachtet werden konnte, ist fleißig und heckt irgendetwas aus. Gleichzeitig gibt es natürlich immer noch Menschen, die der Meinung sind, diese uralte außerirdische Biowaffe kontrollieren zu können. Und genau so kommt alles in Gang.

James Holden und seine Crew sind natürlich wieder mit von der Partie, doch die AAP, die Allianz der äußeren Planeten spielt diesmal keine große Rolle (auch wenn wohl der große Auftritt in Teil drei vorbereitet wird). Stattdessen geht es mehr um Erde und Mars und vor allem um Politik. Ein furchtbar trockenes Thema, das durch die UN-Generalsekretärin Chrisjen Avasarala dennoch extrem spannend und unterhaltsam vermittelt wird, weil es hier eben nicht mehr um oberflächliche Demokratie geht, sondern um reine Machtspielchen und Avasarala ist eine meisterhafte Spielerin. Ihr zur Seite steht ausgerechnet Bobbie, eine marsianische Soldatin, die zwar nicht den ausgeprägten Gerechtigskeitssinn hat, der Charaktere wie Holden oder Miller in Teil eins zu überstürzten Handlungen trieb, doch auch gute alte Rache kann ein gutes Motiv sein. Zu dem ohnehin schon bunt gemischten Haufen kommt dann noch Praxidike Meng, Botaniker und Vater. Seine Tochter wurde verschleppt und allein dieser Umstand hat ihn in eine der größten Tragödien unseres Sonnensystems hineingezogen.

Am Ende hat mir dieses Buch wohl noch mehr Spaß gemacht, als der Vorgänger. Ich mochte Detective Miller, doch die neuen Charaktere gefallen mir doch noch etwas mehr. Die Geschichte ist wieder nicht furchtbar originell, doch sie ist verdammt gut und das sit mir lieber als ein total gescheiterter Versuche, etwas Neues zu wagen. Was ist denn auch schon großartig neu heutzutage?

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den dritten Teil, aber zuerst wird Die Bibliothek der besonderen Kinder gelesen. Und irgendwann will ich dann wohl auch noch die Serie zu The Expanse sehen. Angeblich soll die ja auch so gut sein. Ich bin gespannt.

 

Die Stadt der besonderen Kinder

Endlich habe ich auch dieses Buch fertig gelesen. Ransom Riggs‘ Fortsetzung zu Die Insel der besonderen Kinder schließt nahtlos am ersten Teil an und führt die Geschichte um Jacob und seine neuen Freunde fort.

Während der Leser im ersten Teil mit Jacob gemeinsam immer wieder neue wundersame Dinge entdeckte und es erst gegen Ende wirklich ernst wurde, ist es nun fast umgekehrt. Von Anfang an herrscht Spannung und die Kinder sind durchgehend in Gefahr. Mit dem Vogel im Gepäck, der sich nicht in ihre geliebte Beschützerin Miss Peregrine verwandeln kann, machen sie sich auf den Weg zum englischen Festland, um eine andere Ymbryne zu suchen, die dem Vogel helfen kann.

Auf dem Weg nach London entgehen sie einigen Gefahren, sind gezwungen zu kämpfen und treffen natürlich auch Verbündete. In London selbst scheint dann die Reise vorerst ein glückliches Ende gefunden zu haben, bis wieder alles drunter und drüber geht, ähnlich dem Finale des ersten Teils.

Da noch der dritte Teil auf mich wartet, kann ich die Geschichte als Ganzes natürlich noch nicht beurteilen, doch als Überleitung funktioniert sie ganz gut, auch wenn es zwischendurch ein paar Längen gibt. Aber wäre ich nur halb so alt, würde mich das vermutlich nicht so sehr stören xD