[2146] Zu zweit zu Hause

Nachdem die letzten Wochen beinahe wie im Flug vergangen sind, kam mir diese nun vor, als würde sie ewig dauern. Bis auf ein paar Stunden am Montag habe ich die Woche zu Hause verbracht. Gesellschaft hat mir dabei die Kleine geleistet, von der ich meine Erkältung wohl auch habe.

Die Sache mit der Nachtruhe

In der Nacht von Sonntag auf Montag habe ich etwa anderthalb Stunden bei der Kleinen am Bett gesessen. Das ist an sich nicht allzu wild und kam schon oft vor, aber mittlerweile merke ich dabei eben doch, dass ich nachts sehr wenig anhabe und als ich dann endlich im Bett war, wurde mir einfach nicht mehr warm.
Die Kleine hatte sich jedenfalls sehr heiß angefühlt und damit stand dann auch schon fest, dass sie nicht zur Betreuung gehen würde. Ich war morgens ein paar Stunden auf der Arbeit und habe dann die Liebste zu Hause abgelöst. Das Kind hing einfach nur total erschlagen auf der Couch und hatte zwischenzeitlich knapp über 39°. Da ich dann auch noch von Husten und Kopfschmerzen geplagt wurde (meine Müdigkeit als Symptom zu sehen, ist immer etwas schwierig), habe ich mir für Dienstag einen Termin beim Arzt geholt und konnte schon absehen, dass die Woche nicht unbedingt erholsam wird.

Die Nacht von Montag auf Dienstag war am schlimmsten. Die Kleine hat nur auf meinem Schoß geschlafen und ansonsten direkt losgebrüllt und geweint. Das ging so von halb sieben bis halb eins. Dann hat die Liebste mich abgelöst und konnte das Kind irgendwann endlich ins Bett kriegen.
Am nächsten Morgen war ich trotzdem total erledigt und der Tag mit dem übermüdeten, anhänglichen Kind („Arm! Arm!“) war alles andere als angenehm.
Während ich dann beim Arzt war und für die Woche krankgeschrieben wurde, war die Liebste mit der Kleinen beim Kinderarzt. Ihr Hals war wohl sehr stark entzündet, weshalb sie so wenig gegessen und getrunken hat. Aber versucht dann mal, Penicillin in dieses Kind zu kriegen. Da hatte die Liebste zum Glück am Mittwoch die Idee einer kleinen Spritze. Am Schnuller vorbei geht das ganz gut und die Kleine weint dann auch nicht.

Halbwegs wieder fit. Zumindest eine hier

Im Großen und Ganzen geht es der Kleinen mittlerweile wieder viel besser. Sie klagt nicht mehr über Schmerzen, hat kein Fieber mehr und seit Freitag isst sie auch wieder richtig gut (sechs Stücke Pizza! Ohne Belag größtenteils, aber hey…). Die Liebste und ich sind super froh, doch in der nächsten Woche wird das Kind trotzdem noch zu Hause bleiben.
Sie muss weiterhin ihr Penicillin nehmen und ein akuter Corona-Fall im Haushalt des Tagesvaters macht alles noch etwas komplizierter. Bis Mittwoch bleibt die Kleine also noch daheim und ab Donnerstag geht es dann nochmal zu Oma und Opa.

Und ich?

Das ein oder andere Mal habe ich mir diese Frage schon gestellt in dieser Woche? Ich lag nie komplett flach oder konnte mich vor Husten oder Schmerzen nicht auf den Beinen halten, aber mein Energielevel – das sowieso nie so wirklich hoch zu sein scheint – ist diese Woche dauerhaft im roten Bereich.
Ich funktioniere. Ich kümmere mich um meine Tochter. Ihre Klamotten sind sauber, ihre Zähne geputzt und wann immer sie etwas will oder braucht, bin ich für sie da. Es ist nur noch anstrengender, als sonst. Was mich daran wirklich fertig macht: Ich weiß nicht, was schlimmer ist. Dass ich vermutlich mehr für sie tun könnte oder dass ich mir deshalb ernsthafte Vorwürfe mache.

Sie ist mein Kind. Priorität Nummer eins. Das dürfte jeder verstehen. Doch mir geht es nicht gut und dass ich mich deshalb noch schlechter fühle, ist einfach nicht gesund. Mehr als einmal war mir in dieser Woche zum Heulen zumute, weil ich einfach nicht mehr konnte. Doch es liegt wohl eher daran, dass ich mich schuldig fühle.
Ich hätte öfter mal mit ihr spazieren gehen sollen, sie vielleicht dazu animieren sollen, mehr zu spielen oder so. Aber ich konnte einfach nicht. Genau das werfe ich mir selbst vor und das ist keine sonderlich gute Einstellung, glaube ich.

So richtig gut ging es mir die ganze Woche über nicht, aber ich muss zugeben, dass es noch am wenigsten beschissen war, wenn ich mich nicht alleine um die Kleine kümmern musste. Der Besuch im Zoo war super schön und auch die letzten beiden Abende, an denen ich noch etwas gespielt habe, nachdem die Kleine im Bett war, waren einfach erholsam.
So wie meine psychische Verfassung in diesem Jahr ist, liegt es sicher nicht nur an der Belastung durch das Kind, doch diese Woche war einfach nicht geeignet, um mich zu erholen. Ich bin krank, mir geht es nicht gut, aber ich kann einfach keine Ruhe finden. Die Liebste hat mir sogar an einem Nachmittag etwas Zeit verschafft, indem sie sich mit der Kleinen befasst hat. Ich habe mich ins Bett gelegt und lag eine Stunde oder zwei wach, weil ich einfach nicht abschalten konnte.
Wie soll man sich da überhaupt erholen? Noch so etwas, das ich in der Klinik (oder eben in einer anschließenden Therapie) lernen muss. Dafür müsste sich aber erst nochmal jemand melden, was in dieser Woche auch nicht passiert ist.

Nun ja, genug gejammert für einen Tag. Ich wünsche euch und uns einen schönen Sonntag und morgen einen guten Start in die neue Woche. Leider muss ich sagen, dass ich etwas Angst habe, nochmal zur Arbeit zu gehen. Die Zahlen steigen ohne Ende, es wird nichts unternommen und an Schulen rennt nun mal das ein oder andere ungeimpfte Kind herum. Aber darüber mache ich mir jetzt nicht auch noch vor allen hier Gedanken. Dazu vielleicht nächste Woche mehr.

Ein Gedanke zu „[2146] Zu zweit zu Hause

  1. Du kannst nur soviel geben, wie du kannst. Alles andere ist Unsinn. Und wenn Dir es mal an Energie mangelt, dann wird die Tochter deswegen schon keinen bleibenden Schaden davon bekommen. Ich weiß ja nicht wie Du groß geworden bist, aber ich bin auch nicht 24 Stunden lang betreut worden …
    Und es ist vielleicht auf Dauer gesehen sogar sinnvoller, wenn du Dich jetzt um Dich kümmerst, das du bald wieder zu Kräften kommst, anstatt noch lange mit wenig Kraft zu agieren.

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