Montagsfrage #142 – Unsympathische Protagonisten [2144]

Hin und wieder kommt es ja doch schon vor, dass ich andere Dinge zu tun habe und dann passiert es auch mir mal, dass ich einfach nicht dazu komme, einen geplanten Blogeintrag zu schreiben. Zum Glück war eines der Dinge, die ich zu tun hatte aber ja ein anderer Post, sodass ich trotzdem am Montag etwas veröffentlichen konnte.
Nun kann es aber endlich an die Montagsfrage gehen, die in dieser Woche lautet:

Stört es dich, wenn ein Buch einen unsympathischen Protagonisten hat, oder macht dir das gar nichts aus?

Verdammt, gute Frage. Und eine, bei der es mir schwer fällt, so spontan zu antworten, wie ich das so gerne tue. Glücklicherweise ist es aber auch eine Frage, bei der man ganz gut den altbekannten Joker ziehen kann: Die „Kommt drauf an“-Karte.
Tatsächlich fällt mir spontan kein Protgonist ein, der mir grundlegend unsympathisch war, doch wer mir direkt einfällt, ist Wade Watts, der mir in Ready Player Two ziemlich auf den Keks gegangen ist. Doch es war weniger der Charakter an sich, der durch plötzlichen Ruhm und Reichtum abgehoben ist (was eben sehr ausgelutscht ist), sondern die Tatsache, dass Ernest Cline gefühlt keine Gelegenheit ausließ, den Leser darauf hinzuweisen, dass Wade jetzt so abgehoben ist. Das alles nur, um seiner Einsicht und Läuterung mehr Gewicht zu geben.
Es muss also nicht unbedingt ein unsympathischer Protagonist sein oder einer, der unsympathisch präsentiert wird. Eine Präsentation auf „unsympathische“ Art und Weise empfinde ich aber schon als störend. Besonders, wenn ich die Figur eigentlich mag. Und ich mochte Wade. Ich mag auch Percy Jackson, den ich jetzt nicht nur anführe, weil Antonia ihn genannt hat, sondern weil ich die Bücher selbst gerade lese.

Percy Jackson ist der kleine Sonderling, der in eine ungewöhnliche Situation stolpert und zum Held wird. Was ich an ihm mag: Er ist auf dem Boden geblieben (bis auf Überheblichkeit als Begleiterscheinung eines Fluchs, was aber storytechnisch okay ist) und das kommt durch die Ich-Perspektive auch sehr gut rüber. Er kennt seine Grenzen, weiß, wann er Hilfe braucht und ist sich darüber im Klaren, dass er alleine eher nichts auf die Reihe kriegen würde.
Auf der anderen Seite sehe ich da – für mich – eine Katniss Everdeen. Ein normales, „unbedeutendes“ Mädchen, das in eine ungewöhnliche Situation stolpert und zur Heldin wird. Und wie? Indem sie die Hälfte Zeit jammert und als Hilflose erscheint und in der anderen Hälfte als Verkörperung der weiblichen Unabhängigkeit trotzdem alles schafft. Nichts gegen sie, nichts gegen starke Frauen, aber das war ein nerviger, vielleicht auch unsympathischer Charakter in meinen Augen.

Generell würde ich sagen, stört mich ein unsympathischer Protagonist nicht allzu sehr, vorausgesetzt, er passt zur Geschichte und es wird von Autorenseite nicht zu sehr versucht, Sympathie oder Antipathie zu wecken. Es ist eben doch sehr subjektiv, doch ich möchte doch bitte das Gefühl haben, selbst entscheiden zu dürfen, ob ich einen Charakter mag oder nicht, besonders bei der Hauptfigur.
Dann ist es mir auch egal, ob sie unsympathisch ist oder nicht, solange sie gut geschrieben ist.

Vielleicht ändert sich meine Ansicht, wenn ich mal ein Buch lese, bei dem mich der Protagonist so richtig ankotzt, aber aktuell wäre das meine Antwort auf die aktuelle Montagsfrage. Ich will allerdings auch nicht ausschließen, dass ich schon so ein Buch gelesen und nur erfolgreich verdrängt habe xD

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