Rückblick auf den Monat Oktober 2021

Bevor wir hier loslegen und mal schauen, wie ich den vergangenen Monat erlebt habe, möchte ich mich mal ein bisschen selbst loben: Ich habe schon am Donnerstag damit angefangen, diesen Beitrag hier zu schreiben. Verglichen mit den letzten Monaten ist das wirklich eine reife Leistung.

Nicht viel Neues

Aber genug des Eigenlobs, denn ich muss auch gleich schon zugeben, dass ich nicht wirklich weiß, was ich diesen Monat schreiben soll. Der letzte Monatsrückblick war ja doch sehr persönlich und offen, doch es gibt kaum etwas Neues, mit dem ich da anschließen könnte.
Mein Gewicht geht immer noch nicht runter (84,7 kg heute Morgen) und auch der Papierkram in meinem Arbeitszimmer wurde nicht wirklich weniger. Generell habe ich das Gefühl, der Oktober ist einfach so an mir vorbeigezogen. Von den Dingen, die ich mir vorgenommen hatte (wenn „vorgenommen“ überhaupt der richtige Ausdruck ist) habe ich eigentlich nur eines umgesetzt: Ich bin das Hobby Videospiele fokussierter angegangen. So habe ich immerhin im Oktober mehrere Spiele abgeschlossen, was ich – für mich persönlich – schon bemerkenswert finde.

Tatsächlich bin ich damit auch ganz zufrieden, weil ich merke, dass ich beim Spielen wieder konzentrierter bin, mich besser in das Spiel hineinversetzen kann. Ich hoffe nun, dass das vielleicht auch mit Dungeons & Dragons funktioniert, wenn wir da dann demnächst mal anfangen. Und vielleicht schaffe ich es ja auch, dieses Mindset nochmal auf andere Bereiche zu übertragen. Dass das nicht (mehr) möglich ist, will ich einfach nicht akzeptieren. Kleine Schritte führen auch zum Ziel, sie müssen nur gemacht werden.

Erinnerungen, Freude, Sucht und Minimalismus

Nun? Naja, nun bin ich im Grunde schon am Ende mit den Neuigkeiten des vergangenen Monats. Doch da der letzte Monatsrückblick auch schon nicht ausschließlich den September behandelte, dachte ich mir, kann ich das ja nochmal machen. Ich habe hier schon viel darüber geschrieben, wie ich zum Schreiben kam und wie schlecht ich damit vorankomme. Auch praktisch alles zu mir und dem Lesen als Hobby habe ich dank der Montagsfragen hier schon breitgetreten.
Ich möchte also hier und heute auf das andere große eingehen, das mich schon seit meiner Kindheit begleitet: Videospiele, nicht Pornos, ihr Ferkel. Die verschiedenen Rollen, die Videospiele bisher für mich gespielt haben, meine Erfahrungen mit Videospielen und Sucht und wieso Gaming heute einfach nicht mehr so ist, wie früher noch.

Ein ziemlich ambitionierter Plan für nur einen Beitrag, doch ich versuche, mich kurzzufassen. Die Thematik passt aber auch tatsächlich ganz gut zum Monatsrückblick, denn besonders in den letzten Wochen habe ich sehr viel darüber nachgedacht, während ich versucht habe, dieses Hobby neu für mich zu entdecken. Also gut, legen wir los.

Die Anfänge

Ich wurde 1987 geboren. Genau richtig, um von Super Nintendo und PlayStation beidermaßen abgeholt zu werden. Angefangen hat es aber mit dem PC. Mein Vater war damals verhältnismäßig technikaffin und hatte immer einen recht aktuellen PC zu Hause. Daran haben wir Point’n’Click-Adventures, Jump’n’runs und absolut nicht jugendfreie Ego-Shooter gespielt.
Auch am Super Nintendo haben wir zusammen gespielt, was ich damals einfach nur genial fand. Ich hatte kaum Freunde und dass man Vater sich für dieses Hobby interessierte, war so toll. Als dann die PlayStation ins Haus kam, ging es auch los mit den Raubkopien und mit dem Überfluss an Spielen.

CD-Rohlinge waren damals schon günstig zu haben und der Dude in der Videothek wusste eigentlich auch immer, welche Spiele sich nicht gut kopieren ließen. Ich habe zwar weiterhin Spiele gekauft, aber ich hatte am Ende so viele Spiele, dass ich sie unmöglich alle durchspielen konnte. Immer eine so große Auswahl zu haben, kam mir aber normal vor und ich glaube, kaum ein Kind hätte damals um die Jahrtausendwende groß hinterfragt, welchen Einfluss wohl eine zu große Sammlung haben könnte.

Eigenes Geld, Sammelleidenschaft und Sucht

Videospiele sind super. Ich liebe Videospiele als Zeitvertreib, ich bewundere sie als Medium und Kunstform und für ihren sozialen Aspekt (auch wenn ich persönlich Singleplayer Games meist bevorzuge). Es ist ein Hobby, das man gut mit anderen teilen kann, das heutzutage relativ geringe Einstiegshürden hat und das gerade jetzt an einem Punkt ist, an dem es sogar Generationen miteinander verbindet.
Einiges davon war auch schon vor zwanzig Jahren der Fall, doch ich will ehrlich sein: Ich habe – mit Ausnahme von Yu-Gi-Oh!-Karten – noch nichts gesammelt, weil ich mich als besonderer „Liebhaber“ oder so von Filmen oder Videospielen sehe. Deshalb habe ich ja im Laufe der Zeit so viele DVDs oder Spiele angehäuft, die ich günstig gebraucht oder in der Restekiste gefunden habe. Es ging mir eigentlich nur um das Sammeln um des Sammelns willen. Ich wollte einfach nur viel besitzen. Ein sinnloses Anhäufen von materiellen Dingen.

Es gab aber auch eine Zeit, in der diese Sammelleidenschaft fast komplett ausgesetzt war. Es war nicht wegen meiner ersten Freundin, auch wenn das in etwa in diesen Zeitraum fiel. Nein, es war, weil ich eine neue Art von Videospiel für mich entdeckt hatte: Das MMORPG. Massively Mulitplayer Online Role Playing Game. Das ist schon ein Brecher von einem Genretitel, oder? Ganz klischeehaft landete ich in World of Warcraft und damit waren praktisch alle anderen Spiele erst einmal vergessen.
MMORPGs sind toll, weil sie riesige Welten bieten, in denen man seine Abenteuer mit anderen Spielern gemeinsam erleben kann. Oder man trifft sich dort, um zu chatten, schließt sich in Gilden oder Clans zusammen, nimmt an speziellen Events teil … Es gibt immer etwas zu tun. Und genau das macht MMORPGs auch so gefährlich. Es gibt immer noch einen seltenen Gegner zu jagen, Rohstoffe zu sammeln oder im letzten Winkel der Welt immer und immer wieder die gleichen Aufgaben zu erledigen, um nach zwei Wochen einen Piratenhut zu bekommen. Und das alles für eine monatliche Gebühr von 12,99€.

Für viel zu lange Zeit – viel länger, als ich zugeben möchte (ich könnte es nicht einmal, denn ich weiß nicht mehr, wie lange es genau war) – habe ich fast meine gesamte Freizeit in Azeroth, der Welt von World of Warcraft, verbracht. Man zahlt schließlich dafür, dann muss die Zeit auch genutzt werden, oder? Es hat Spaß gemacht, ja, aber es hat mir einfach nicht gutgetan.
Ich habe irgendwann aufgehört, zu spielen, hauptsächlich um Geld zu sparen. Die ein oder andere kostenlose Alternative habe ich auch ausprobiert, schließlich wäre da ja kein Geld „verloren“, wenn ich nur einmal pro Woche spielen würde. Zu meinem Glück konnte mich kein anderes MMORPG danach wirklich fesseln.
Wenn ich nämlich wirklich von einem Spiel gepackt bin, auch heute noch, schwirrt es ständig in meinem Kopf herum, nicht, nur wenn ich am PC oder nun eben der Konsole sitze. Ich gehe durch meinen Alltag und plane, was ich als Nächstes im Spiel tun will, welche Quests ich angehen werde, welche Teile meiner Ausrüstung ich verbessern möchte. Und WoW hatte mich damals wirklich so in seinem Bann, dass es einfach nicht mehr gut war für mich. Ich war keiner dieser Extremfälle, die nicht mehr duschen und ihren Job verlieren oder so, aber so schlimm muss es ja nicht immer sein, um „nicht mehr gut“ zu sein.

Von einer Sucht zur anderen

Es war also irgendwann nichts mehr mit Online-Rollenspielen, doch dann kam die gute alte Sammelwut wieder. Meine Ex-Frau hat mich mit ihrem Kaufwahn nicht unbedingt angesteckt, doch da war diese – rückblickend wirklich dumme – Stimme in meinem Kopf, die mir sagte, ich könne ja ebenso viel Geld aus dem Fenster werfen wie sie. Und das tat ich dann. Gebrauchte Videospiele, DVDs aus „4 für 20€“-Angeboten oder vom Flohmarkt … Es wurde einfach bei jeder Gelegenheit Geld ausgegeben.

Über die Jahre hinweg sammelte sich so jede Menge Plastikmüll in meiner Wohnung an. Ich habe DVDs besessen, die ich nie gesehen habe und Spiele, die ich tatsächlich nur 15 Minuten gespielt habe. Der „Spaß“, den ich zu dieser Zeit mit Videospielen hatte, war auch irgendwie ein anderer als der in meiner Kindheit.
Geholfen hat am Ende dann die Begeisterung für den Minimalismus. Nach und nach habe ich mich von immer mehr dieser Filme und Spiele getrennt, die ich nur gekauft hatte, um sie zu besitzen. Spult man ein paar Jahre vor, besitze ich heute viel weniger DVDs / BluRays und CDs und kein einziges Videospiel mehr auf Disc. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich keine Spiele mehr habe.

Überwältigende neue Welt

Heute ist meine Videospielbibliothek rein digital. Über 450 Titel für die Xbox und sicher über hundert auf dem PC, die Amazon jeden Monat verschenkt. Die werden nicht gespielt, aber immer schön gesichert. Grundsätzlich sind die Voraussetzungen heute wohl so, wie ich es mir als Kind gewünscht hätte. Ich habe genug Geld, um mir jede Konsole kaufen zu können. Ich könnte mir im Prinzip auch jedes Spiel kaufen, das mich interessiert. Zusätzlich bekomme ich über den Xbox Live Gold Service monatlich vier Spiele kostenlos. Was will man mehr?

Nun, abgesehen von Zeit, um all diese Spiele auch genießen zu können? Vielleicht die Begeisterung und Freude, die Videospiele damals noch ausgelöst haben.
Zocken macht heute immer noch Spaß, besonders mit anderen gemeinsam, aber die Spiele, die einen wirklich vom Hocker hauen sind irgendwie seltener geworden. Die Auswahl ist zu groß und natürlich sorgt auch das Internet dafür, dass es immer weniger Überraschungen gibt. Früher war da plötzlich ein neuer Titel im Laden oder in der Videothek und heute hat man bis zum Release schon so viel Material gesehen, dass man das Spiel kaum noch spielen muss.

Die Informationsflut ist natürlich auch etwas, vor dem man sich selbst bewahren kann. Auch hier kann der Minimalismus, genauer gesagt der bewusstere Umgang mit Medien, eine große Hilfe sein. Ich habe mich im Oktober (nicht zum ersten Mal) entschieden, kein Spiel mehr zu kaufen, bevor ich nicht noch ein paar Titel durchgespielt habe, die ich bereits besitze. Ich hatte gezählt und kam auf knappe 60 bis 70 Spiele, die ich durchgespielt habe (von ~450). Wieso also noch mehr Geld ausgeben, wenn sowieso monatlich neue Titel dazu kommen?
Um mehr Spiele auch wirklich durchzuspielen, habe ich auf meiner Festplatte ausgemistet. Eines meiner größten Probleme war immer, dass ich zu viele verschiedene Spiele parallel gespielt habe. So habe ich keines fertig bekommen und bei manchen entstanden so lange Pausen, dass ich komplett aus der Übung war und nicht mehr gut vorankam.

Also habe ich mir im Oktober vorgenommen, maximal fünf Titel parallel zu spielen. Natürlich nicht fünf Rollenspiele mit 60 bis 90 Stunden Inhalt, sondern schon unterschiedliche Genres und Spiellängen. HowLongToBeat.com ist da eine ganz gute Quelle. In den letzten Wochen habe ich das jedenfalls konsequent durchgezogen und habe so im Oktober schon einige Spiele abgeschlossen.
Damit habe ich dann auch den Kreis zum Anfang dieses Beitrags geschlossen und verspüre gerade den Drang, mich nochmal dafür zu rechtfertigen, wieso ich einen „Monatsrückblick“ schreibe und mich dann nur über Videospiele auslasse.
Nun, dafür gibt es zwei gute Gründe: 1) habe ich im Oktober wirklich viel über mich und meine Beziehung zu diesem Hobby nachgedacht und 2) ist das hier mein Blog. Ich könnte das hier „Das Rezept für den besten Apfelkuchen“ nennen und dann über das Paarungsverhalten von Wildschweinen schreiben.

Und weiter?

Ziemlich lange hatte ich mir schon vorgenommen, meine Freizeit „sinnvoller“ zu nutzen. Die paar Hobbys, die ich habe, sollten Zeit bekommen und auch die Gesundheit sollte noch irgendwo Platz finden. Bisher hat es einfach nicht geklappt, genauer gesagt: Ich habe es bisher einfach nicht auf die Kette gekriegt.
Zumindest bezüglich Gaming hat es im Oktober wirklich gut funktioniert und ich würde mir wünschen, dass mir das vielleicht etwas Aufwind gibt oder so und ich es schaffe, anderes auch mit mehr Fokus und Disziplin angehen zu können.

Vielleicht hilft es ja auch, wenn ich jetzt schon ankündige, dass im nächsten Monatsrückblick Bewegung, Fitness und mein Gewicht im Fokus stehen. Glaubt ihr nicht? Ich auch nicht. So oder so werde ich mir da wohl erst wieder in 28 Tagen Gedanken machen.
Und damit schließe ich dann mal für heute, wird auch langsam Zeit. Man liest sich.

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