Montagsfrage #140 – Ghostwriter [2142]

Wenn man den ganzen Tag Statistiken auszuwerten hat, braucht man auch mal eine kleine Ablenkung für Körper und Geist. Nach einem kurzen Spaziergang an der frischen Luft schaue ich mir also jetzt mal an, was die gute Antonia heute von uns wissen möchte. Ihr aktuelle Montagsfrage lautet:

Was ist eure Meinung über Bücher, die von einem Ghostwriter geschrieben wurden?

Fangen wir gleich mal mit einem Geständnis an, das nicht direkt etwas mit dieser Frage zu tun hat: Ich überfliege Antonias Beiträge immer nur, um grob eine Ahnung zu bekommen, worauf sie mit der Frage hinaus möchte. Das habe ich also auch gerade eben getan und kann wohl sagen, dass ich mich ihrer Antwort anschließe, denn:

Who cares? Viele Menschen können gut schreiben. Noch mehr können es nicht. Viele von ihnen wissen das und es ist ihnen egal. „Ich habe eh nichts zu erzählen“, heißt es aus dieser Ecke oft. Ebenso viele wissen es vermutlich nicht und finden Gründe für ihren ausbleibenden Erfolg sehr schnell bei Agenten, Verlagen, Lesern … eigentlich bei allen, außer ihnen selbst. Um diese Sympathieträger geht es aber nicht.
Es gibt da nämlich auch noch die Gruppe derer, die eine Geschichte in sich tragen, die raus muss, gleichzeitig aber auch wissen (oder zumindest glauben zu wissen), dass sie sie nicht selbst aufs Papier kriegen. Wortschatz, handwerkliches Geschick, Übung, Zeit … Woran genau es mangelt, ist nicht so wichtig. Ein Ghostwriter kann helfen.

Das ist absolut keine Schande, immerhin ist das eine Profession wie jede andere und eine Hilfe, die angeboten wird, weil der Bedarf eben besteht. Die Schande fängt erst da an, wo man sich – und da muss ich Antonia voll und ganz zustimmen – mit der Arbeit anderer brüstet. Verkauft man also das fertige Werk – die eigene Idee und die Schreibarbeit eines anderen – als Eigenleistung, wird es problematisch.
Das ist allerdings meine moralische Sicht auf die Sache. Lügner sind einfach nicht so sympathisch in meinen Augen. Ist das Ganze im Hintergrund mit Verträgen so geregelt, dass der Kunde (und in solchen Fällen wird man wohl oft als Kunde gesehen, nicht als Leser) ruhig glauben soll, dass der Supersportler, der acht Stunden am Tag trainiert, auf Leistung gezüchtet wird und im Interview keinen sauberen Satz hervorbringt, auch noch seine Lebensgeschichte ergreifend, interessant und mit einem Augenzwinkern hier und da geschrieben hat, ist das eben so.

Ich muss aber auch sagen, dass ich mich absolut nicht damit auseinandersetze, ob Bücher von einem Ghostwriter geschrieben wurden oder nicht. Natürlich lese ich viele Bücher, weil eben ein Name darauf steht, den ich kenne und mit einem gewissen Grad an Wertschätzung verknüpfe, aber die Geschichten könnten auch genauso gut von jemand anderem geschrieben sein, es müsste mir nicht einmal auffallen.
Das ist wohl noch ein Argument für „Wichtig ist die Geschichte, nicht wer sie schreibt“, auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass es da starke „qualitative“ (als Sammelbegriff für alles Handwerkliche aber auch subjektive Einschätzungen) Schwankungen geben kann.
Damit sind wir praktisch wieder am Anfang meiner Antwort und so schnell wie ich mich hier im Kreis gedreht habe, bin ich eben auch schon am Ende mit meinem Latein. Vielleicht suche ich mir beim nächsten Mal einen Ghost-thinker, das Schreiben klappt ja gerade noch.

Ein Gedanke zu „Montagsfrage #140 – Ghostwriter [2142]

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