[non-fiction] Die 4-Stunden-Woche

Weniger arbeiten und mehr Geld verdienen. Klingt verlockend, oder? Auch wenn ich weiß, dass das in vielen Bereichen nicht oder gar nicht so einfach möglich ist (immerhin arbeite ich selbst in so einem Feld), fand ich die Thematik sehr interessant. Ich habe mir also das Buch geschnappt, um mal zu sehen, was Autor Tim Ferriss dazu zu sagen hat.

Eigentlich ganz einfach…

Reden wir gar nicht von Handwerkern, Pflegepersonal oder Betreuungskräften … Es gibt Jobs, die nicht schlagartig in einem Zehntel (oder noch weniger) der Zeit erledigt werden können, schon gar nicht ohne Qualitätseinbußen oder sogar mit einer Qualitätssteigerung.
Doch es gibt viele Jobs auf dieser Welt, die sich in Büroräumen oder -gebäuden abspielen, zwischen vollen Mailfächern und Meetings. Jobs, die von Menschen gemacht werden, die bei einer Charade gut über die Körperhaltung beschrieben werden können: Sitzend, vorgebeugt zu einem Computerbildschirm und mit geneigtem Kopf, um den Telefonhörer an der Schulter einzuklemmen.

Der Autor würde vielleicht widersprechen, doch für genau diese Leute ist dieses Buch. Und es spricht einige unangenehme Wahrheiten an und deckt Lügen auf, auf denen wir seit Jahrzehnten unsere Arbeitswelt aufbauen, die wir aber aus Gewohnheit voreinander decken.
Meetings sind größtenteils Zeitverschwendung, 20 % der Arbeit führen zu 80 % der Ergebnisse und vieles von dem, was zwischen 9 und 17 Uhr gearbeitet wird, wird gearbeitet, weil man in der Zeit schließlich zu arbeiten hat.
Und allem voran: Finanzieller Wohlstand bedeutet nicht gleich Reichtum. Es mag sich wie Eso-Ökonomie anhören, aber seien wir mal ehrlich: Es stimmt, oder? Seine besten und gesündesten Jahre damit zu verbringen, genug Geld anzuhäufen, um sich am Ende – und machen wir uns nichts vor, viele von uns werden nach 40 bis 50 Jahren im Berufsleben am Ende sein – gemütlich zurücklehnen und sich langweilen zu können, kann doch nicht das Ziel sein.

Hat das alles erst einmal akzeptiert (zu verstehen gibt es da nicht viel, jeder weiß es), kann dieses Buch dabei helfen, etwas zu verändern. Aufgaben werden delegiert oder komplett gestrichen, Ablenkungen und Zeitfresser aus dem (Arbeits-)Alltag entfernt und eventuell auch die Definition von „Arbeitsort“ über den Haufen geworfen.
Am Ende kann es einem passieren, dass man plötzlich dasteht und ohne großes Zutun finanziell abgesichert ist. Im Sinne von „Es fließt stetig Geld und ich kann Träume verwirklichen“, nicht unbedingt in der Größenordnung „Alles klar Jeff, ich hole noch Elon mit meinem fliegenden Auto ab und wir treffen uns bei Bill. Auf dem Weg kaufe ich noch ein paar kleinere Inselstaaten.“
Und dann beginnen oft die wirklichen Probleme: Was fängt man mit all dieser Zeit an?

… oder doch nicht?

Liest man die einzelnen Kapitel und die ganzen Tipps und Tricks in Die 4-Stunden-Woche, so klingt es tatsächlich (fast) alles sehr einfach. Es gibt auch sicher Menschen da draußen, die dieser „Anleitung“ folgen können und die ein Jahr später (oder sogar noch früher) schon vergessen haben, wie ihr Büro von innen aussieht.
Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Die meisten, die diesen Beitrag hier lesen werden, vermutlich auch nicht. Trotzdem empfehle ich, das Buch zumindest zu überfliegen.

Bleiben wir beim Angestellten, der in einer Verwaltungsstruktur gefangen ist, in der es ebenso wichtig ist, beschäftigt zu wirken, wie Ergebnisse zu erzielen. Die in diesem Buch beschriebenen Ziele zu erreichen, wird wenigen gelingen. Das macht die einzelnen Schritte dahin aber nicht unbedingt weniger wertvoll. Bezüglich unserer Arbeitskultur fallen viele der erwähnten Umstände in die Kategorie „Eigentlich weiß man es selbst schon, doch es tut immer wieder gut, es von außen bestätigt zu bekommen“. Meiner Erfahrung nach fallen die besten Ratschläge in diese Kategorie, weil sie eben schon in uns sind. Es ist das, was wir sowieso schon wollen.
Zumindest in der freien Wirtschaft können die beschriebenen Schritte genutzt werden, um seine Arbeitsbedingungen zu verbessern. Der öffentliche Dienst ist für so etwas nicht geeignet, weil die Strukturen einfach zu starr sind. Dennoch hatte ich meinen Spaß mit dem Buch. Es ist einfach interessant, wozu Menschen fähig sein können, und das bezieht sich nicht nur auf herausragende sportliche Leistungen oder Erfindungen. Es ist auch schön, wenn Menschen es schaffen, ihrem Alltag zu entkommen und einen Mut, eine Risikobereitschaft (die oft gar keine ist, weil kein Risiko besteht), einen starken Willen beweisen und sich nicht unterkriegen lassen. Die einen stehen am Ende dieser Reise da und erhalten eine Goldmedaille, die anderen haben die Zeit, ihre Kinder jeden Tag zum Spielplatz zu begleiten. Beides kann für die Person das Wertvollste überhaupt sein.

Die 4-Stunden-Woche funktioniert nicht so, dass ein Erfolg garantiert ist. Das erwartet aber auch hoffentlich niemand. Doch ein Mehrwert? Etwas mehr Klarheit darüber, auf welchen Prinzipien die Arbeitswelt und vielleicht auch der eigene Job teilweise aufgebaut sind? Das kann man auf jeden Fall mitnehmen, wenn man das Buch liest. Dazu ein paar Anekdoten über Menschen, die es geschafft haben, dem Hamsterrad zu entfliehen und darunter auch sehr schöne Beispiele dafür, wieso es manchmal besser ist, um Verzeihung zu bitten, nicht um Erlaubnis.

Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben // Timothy Ferriss // Ratgeber // 2007

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