Montagsfrage #133 – Werke aus dem Nachlass [2133]

Die letzte Urlaubswoche hat begonnen. Wobei diese Woche wieder eher eine ist, in der ich nicht ins Büro muss. Urlaub ist anders. Dafür habe ich jetzt eine Woche mit Frau und Kind. Das ist wunderschön, aber eben auch anstrengend und schmerzhaft (was hauptsächlich am Kind liegt).
Ich nehme mir aber zwischendurch Zeit, um hier mal noch die aktuelle Montagsfrage zu beantworten, die da lautet:

Sollten unfertige Manuskripte posthum veröffentlicht werden dürfen?

Sehr gute Frage. Es hält sich ja bei vielen Menschen hartnäckig die Ansicht, dass ein Künstler – oder auch jede andere „Person des öffentlichen Lebens“ – immer und überall diese Rolle innehat. Das macht quasi alles, was diese Person tut und produziert zu Allgemeingut, etwas worauf die Menschen irrsinniger Weise glauben, ein Anrecht zu haben.
Würde ich das auch so sehen, wäre die Frage schnell beantwortet.

Da es so einfach aber nicht ist, muss man doch zumindest kurz über die verschiedenen Sichtweisen nachdenken, mit denen man an solch eine Frage herangehen könnte.
Als Fan würde ich es wohl begrüßen, wenn unvollendete Werke doch noch verfügbar gemacht würden. Je nachdem, wie weit die Arbeit am jeweiligen Projekt fortgeschritten war, können Angehörige oder Kollegen die Arbeit vollenden. Doch wie viel muss schon da sein, um nachher den Namen des Autors auf dem Cover präsentieren zu können, ohne die Fans vor den Kopf zu stoßen, weil es sich einfach nicht wie ein Werk von XY anfühlt?
Besonders kritisch könnte das bei einer Reihe sein. Seit Jahren macht das Internet Witze darüber, dass man sich Sorgen mache, ob George R. R. Martin The Song of Ice and Fire noch beenden kann, bevor seine Stunde schlägt. Eine Veröffentlichung solcher unvollendeter wäre für die Fans wohl auch noch wichtiger, als einzelne Geschichten. Gleichzeitig wäre hier wohl auch die Enttäuschung größer, wenn andere Autoren die Story beenden würden.

Vielleicht ist es also doch besser, wenn tote Autoren keine Bücher mehr rausbringen oder tote Musiker nicht mehr mit neuen Alben in den Charts landen. So oder so ist es nicht die Entscheidung der Fans. Da sind bereits geschlossene Verträge mit einem Verlag und die Entscheidungen der Hinterbliebenen bzw. der Erben.
Es ist nämlich eben nicht so, dass irgendwer ein Anrecht auf irgendein Werk eines Künstlers hat, nur weil es existiert und die Person es gerne will. Die Rechteverwertung – egal ob Werke unvollendet sind oder nicht – ist auch nicht immer eine spaßige Sache und es kann sich er auch emotional eine harte Sache sein. Also für die Angehörigen, nicht für Fans, die glauben, sie würden um Menschen trauern, die sie nicht kannten.

Im Grunde würde ich sagen, unvollendete Werke sollten in der Schublade bleiben, wenn der Autor verstorben ist. Wenn es mal um die Fortsetzung einer Reihe geht, die ich unbedingt lesen möchte, werde ich das vielleicht anders sehen, doch für heute soll das mal meine Meinung sein.

Ein Gedanke zu „Montagsfrage #133 – Werke aus dem Nachlass [2133]

  1. Hallo Chris,
    ich stimm dir zu. Ich sitz jetzt schon 4 Jahre an meinem aktuellen Romanprojekt und alleine im letzten halben Jahr hat es sich beim Überarbeiten doch noch sehr verändert. So, wie es letzten Herbst aussah, würde ich es jetzt nicht veröffentlichen wollen. Tja, mal schauen, ob ich es dieses Jahr noch in einen Zustand bekomme, bei dem ich es abschließe und belassen will. Aber dass andere das beurteilen, möchte ich eigentlich nicht.
    Ich wünsch dir trotz Hindernissen noch eine schöne Urlaubswoche!
    Tala

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