Montagsfrage #128 – In Ungnade gefallene Autoren? [2128]

Was für ein Start in die neue Woche. Der Tinnitus ist weg, dafür schmerzt das Bein. Die Kinderbetreuung fällt aus, dafür bin ich zu Hause, wenn die Möbel geliefert werden. Dachte ich zumindest, denn die kommen jetzt wohl doch erst morgen. Es ist einfach nervig. Aber vielleicht sorgt das ja genau für die richtige Stimmung, um folgende Montagsfrage zu beantworten:

Wie gehst du damit um, wenn sich herausstellt, dass ein Autor, dessen Bücher du sehr schätzt, Auffassungen äußert, mit denen du nicht übereinstimmst? (Aequitas et Veritas)

Das ist schon wieder eine Frage, bei der ich mich etwas ertappt fühle, denn mir ist so unfassbar egal, was in der Welt so vor sich geht. Mir sind ja schon Kriege, Katastrophen und Wahlen egal, wieso sollte es mich dann also jucken, was irgendwelche Autoren abseits ihrer Bücher so von sich geben? Das stellt mich

Problem Nummer eins bei dieser Frage ist also schon einmal, dass ich es – wenn überhaupt – erst sehr spät mitbekommen würde, wenn sich herausstellt, dass ein Autor sich als rassistisch, trans- / homo- / whateverphob, religiös oder als Verfechter von Jogginghosen als Alltagskleidung herausstellt.
Problem Nummer zwei wäre dann eigentlich schon die Frage an sich: Wie geht man damit um? Bzw. wie gehe ich damit um, wenn ich es dann doch mal erfahre?

Gefühlt stellen sich Leute dann fragen wie „Darf man die Bücher denn dann noch mögen? Und noch viel wichtiger: Darf man das noch sagen?“.
Ich kann sowas nicht. Ich kann die Entscheidung darüber, was ich mag und was nicht, nicht von den Meinungen und Ansichten anderer abhängig machen. Dafür sind wir als Gesellschaft schon zu weit gekommen, muss ich sagen. Ich will auch nicht anfangen, die Einstellung oder Äußerungen einzelner Autoren mit der Zeit zu rechtfertigen, in der sie gelebt haben oder so. Das würde so viel Recherche bedeuten, bevor man ein Buch liest, und ewiges abwägen und vergleichen. War Autor A jetzt frauenfeindlicher als Autor B und ist vielleicht B’s Schwulenhass schlimmer, weil zu A’s Zeit einfach alle frauenfeindlich waren? Boah nee, nicht mit mir.
Will ein Buch versuchen, aus mir einen Rassisten oder so zu machen, wird es nicht gelesen oder nicht gemocht. Ist es aber eine gute Geschichte, die gut erzählt wurde, und die mich unterhält … super. Scheiß auf den Autor.

Aber was ist nun mit modernen Autoren? Was, wenn heute jemand Dinge sagt, die man einfach nicht sagen darf? Ganz ehrlich: Scheißt einen noch viel dickeren Haufen drauf. Internet hin oder her, die meisten von denen werden nicht überdauern und die Grenzen dessen, was man sagen darf, ohne aus irgendeiner Richtung angefeindet zu werden, sind einfach zu eng und werden immer enger.
Wieso sollte es mich also mehr interessieren, wenn ein Autor die Anzahl verschiedener Geschlechter auf einen Wert festlegt, der nicht tagesaktuell ist, als wenn das irgendein Honk in einer Eckkneipe tut? Weil ich Geld ausgegeben hab, um seine Bücher zu lesen? Das Geld ist eh futsch und ich bin gut unterhalten worden. Daran kann ich nichts ändern.
Will ich unbedingt ein Statement setzen (weiß der Geier, wem gegenüber), kann ich in Zukunft darauf verzichten, seine Bücher zu kaufen. Suche ich mir eben einen anderen Autor, dessen Bücher ich lese, und der bisher noch nicht unangenehm aufgefallen ist im Internet.

Das alles wäre mir viel zu anstrengend und würde mir eines meiner liebsten (und eines meiner wenigen) Hobbys einfach nur madig machen. Ich persönlich bin auch zu faul, um den Aussagen einzelner Menschen ständig zu folgen und auf dem Laufenden zu bleiben, wer gerade in welches Fettnäpfchen gesprungen ist oder wer gerade was als Fettnäpfchen deklariert hat.
Ich lese, um mir selbst eine kleine Auszeit von dieser Welt und all den menschgemachten Problemen zu gönnen. Da habe ich für so etwas einfach keinen Nerv. Ich werde weiterhin lesen, was mir gefällt und den Autoren dieser Geschichten einen Vertrauensvorschuss für die nächste Geschichte gewähren. Wenn sie das verbocken, liegt es an den Geschichten, nicht an Äußerungen in Interviews oder sozialen Medien.

So, genug Dampf abgelassen. Entschuldigt mich, mir bringt gerade eine süße Blondine ein Eis aus Bauklötzen. Ich bin raus.

2 Gedanken zu „Montagsfrage #128 – In Ungnade gefallene Autoren? [2128]

  1. Ich geb dir voll recht – oft lese ich, um mich aus dem Alltag auszuklinken. Deswegen lese ich auch so viel Fantasy zur Zeit, um mich nicht noch mehr mit aktuellen Problemen beschäftigen zu müssen. Gerne darf mich der Roman dann trotzdem ins Grübeln bringen über Entwicklungen, Zukunft, was weiß ich. Wenn mir die Botschaft des Romans nicht gefällt, wird mir dann der Roman wohl auch nicht gefallen und ich werde von dem Autor nichts mehr kaufen. Aber das war’s dann auch schon.
    Aber ich gebe zu, wenn mir dann mal ein Autor, dessen Bücher ich gut fand, (zum Beispiel in seinem Blog) mit für mich unvertretbaren Meinungen kommt, dann gibt das den Büchern im Nachhinein einen bitteren Beigeschmack.
    LG und noch viel Spaß beim Bauklotzeisessen, Tala

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