Desperation

Puh, das hat wieder lange gedauert. Nach den ganzen Büchern, die ich in diesem Jahr bisher gelesen hatte, war mir klar, dass der nächste Roman von Stephen King mehr Zeit kosten würde, doch ich war trotzdem überrascht, dass es so viel mehr Zeit war.
Dieser Beitrag hier soll allerdings nichts so lange dauern, also springen gleich mal rein.

Die Handlung

Das anfängliche chronologische Chaos bringt die Hauptfiguren der Geschichte in die kleine Bergarbeiterstadt Desperation, Nevada. Das Ehepaar Mary und Peter Jackson, die vierköpfige Familie Carver, der Autor Johnny Marinville und schließlich sein „Gehilfe“ Steve Ames und eine Anhalterin namens Cynthia Smith.
Sie alle treffen auf den einheimischen Tierarzt Tom Billingsley und Audrey Wyler, eine Mitarbeiterin der Bergbaugesellschaft. Das sind anscheinen die letzten lebenden Menschen in Desperation, mit eine Ausnahme: Deputy Collie Entragian, der die Jacksons, die Carvers und auch Marinville ins städtische Gefängnis bringt, wo sie Billingsley kennenlernen. Nicht ohne vorher Peter Jackson und die kleine Kirsten Carver umzubringen.

Für die übrigen Gefangenen beginnt ein Kampf ums Überleben, in dem besonders der junge David Carver auf die Unterstützung und Anleitung Gottes setzt. Etwas, womit vor allem Johnny Marinville nicht viel anfangen kann.
Mehr und mehr wird klar, dass der verrückte Cop eben nicht nicht nur ein verrückter Cop ist. Etwas hat ihn verändert und dieser Prozess scheint nicht aufzuhalten.

Unweit der Stadt wurde eine alte Mine freigelegt, die zuletzt 1859 versiegelt wurde, nachdem bei ihrer Entdeckung alle Arbeiter wahnsinnig geworden waren. In dieser Mine und gleichzeitig auch doch nicht, außerhalb unserer Dimension, haust ein ein großer Alter, ein Ungeformter, ein Außenseiter. Tak.

Wie bitte?

Bei diesem Buch habe ich mir mit der Zusammenfassung wieder schwer getan. Ich will ja immer genug verraten, aber eben auch nicht zu viel. Gerade bei Desperation habe ich aber das Gefühl, dass man ein bisschen mehr verraten muss, um wirklich zu vermitteln, worauf sich ein potentieller Leser einlässt. Und das ist nicht immer so erfreulich, muss ich sagen. Ab hier gilt eine deutliche Spoilerwarnung, nur mal so.

Es kommt nicht oft vor, aber hier ist es der Fall: Desperation war mir zu langatmig. Ich mochte die Geschichte, ich mochte die Figuren und ich mochte das Finale (dazu komme ich noch). Alles toll. Aber man hätte sicher ein Drittel der Länge einsparen können.
Die Liebste erinnerte sich zum Beispiel noch daran, dass die Beschreibung des Zerfalls von Taks Wirtskörpern etwas zu plastisch war. Das kann ich gut nachvollziehen. Ich habe nichts gegen derbe Beschreibungen oder explizite Gewalt in Horrorstorys, absolut nicht. Wenn denn die Gewalt beschrieben wird. In Desperation wird größtenteils das Ergebnis der Gewalt beschrieben. Die Morde, die der Leser „live“ miterlebt werden sehr nüchtern beschrieben, weil sie eben auch genauso ausgeführt werden, wie eine Nebensächlichkeit. Die Leichen hingegen, die die Figuren finden, werden sehr detailliert beschrieben. Das ist ein Kontrast, den ich okay finde. Dann kommt der Zerfall der Wirtskörper, also wieder etwas, das „live“ stattfindet. Der ist dann aber auch so explizit beschrieben, dass es (ver)störend wirken kann.
Es ist natürlich ein Unterschied, ob Tak Unschuldige tötet, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, oder ob dem Leser beschrieben wird, wie diese fremde Macht einen schwachen menschlichen Körper zersetzt.

Wirklich gut fand ich tatsächlich das Ende und die finale Lektion für David über die Natur Gottes. Die meiste Zeit fand ich es etwas öde, aus der Geschichte eine Art Wettstreit zwischen Gott und Tak zu machen, ausgetragen jeweils mit menschlichen Werkzeugen, doch zum Ende hin wurde dieser Aspekt immer besser, wie ich finde. Besonders als David sein letztes Opfer verwehrt wird und er lernen – nicht nur wissen, sondern verstehen – muss, wie grausam Gott wirklich sein kann.

Das ist vielleicht nicht viel, hat für mich aber doch einiges nochmal rausgerissen. Trotzdem würde ich Desperation nicht unbedingt empfehlen und warte jetzt auch, bis ich das Bachman-Gegenstück Regulator lese oder mir mal die Miniserie ansehe.

Desperation // Stephen King // 1996

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5 Gedanken zu „Desperation

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