Montagsfrage #108 – Buchverfilmungen: Film oder (Mini-)Serie? [2103]

Neben Rückenschmerzen – die Kleine hat gestern nach dem halben Spaziergang gestreikt und musste getragen werden – hält der Montag eine neue Montagsfrage bereit. Das entschädigt schon fast wieder.
Die heutige Frage lautet:

Sind Buch-Adaptionen in der Form von Mini-Serien vielleicht besser als Buch-Adaptionen in der Form von Filmen? (inspiriert von Literary Escapades | Literarische Abenteuer)

Buchverfilmungen. Schwieriges Thema. Ich muss zugeben, dass ich wenige Bücher gelesen habe, deren Verfilmungen ich kenne, die Sachen von Stephen King mal ausgenommen. Ich kann also oft nur sagen, ob mir eine Verfilmung als Film oder Serie gefällt, nicht im Hinblick auf die Vorlage. Eine Ausnahme ist da vielleicht Die zwölf Geschworenen, wo die Verfilmungen für mich damals die Vorlage ganz gut getroffen hatten.

Zwar keine Miniserie, doch die erste Staffel Game of Thrones machte in meinen Augen auch einen ganz guten Job, das erste Buch zu verfilmen. Acht bis zehn Stunden sind also an sich wohl schon besser geeignet, einen Roman zu verfilmen, als 90 bis 180 Minuten. Hierzu möchte ich mal kurz den Vergleich zu Harry Potter erwähnen, den ich damals zur Verfilmung von Der dunkle Turm getwittert hatte:

„In der Neuverfilmung von Harr Potter verzichten wir auf Ron, Hermine und Dobby. Nach fünf Minuten Rückblende auf den Tod seiner Eltern und eine kurze Erwähnung der Dursleys beginnt die Story mit dem Finale vom Feuerkelch.
Nach insgesamt 87 Minuten tötet Harry Snape und der Film endet. Dann sind wir in etwa bei Der dunkle Turm.“

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich auch eine Serie nicht geeignet finden würde für diese Geschichte. Doch damit sind wir auch schon bei einer weiteren wichtigen Frage: Wie sieht es aus für die Leute, die die Vorlage nicht kennen?

Man kann bei einer Verfilmung nicht immer nur an diejenigen Zuschauer denken, die schon das Buch gelesen haben. Man muss nicht alle Details übernehmen (wobei bei noch laufenden Buchreihen schwer zu sagen ist, was wegfallen kann und was nicht) und manchmal passt aus filmischer Sicht eine andere Grundstimmung vielleicht auch besser zu bestimmten Szenen.
Für Fans der Vorlage entsteht so recht schnell das Gefühl, dass hier nicht gut mit der Vorlage umgegangen wird. Das reicht vermutlich auch von „Och, das hätte man anders machen können“ bis hin zu „Was ist das denn für ein Mist!?“. Doch wie ist es denn nun, wenn man die Vorlage nicht kennt? Percy Jackson, The Meg, Blade Runner, Die Legende von Bagger Vance, Forrest Gump, Fight Club, Watchmen, The Crow, The Boys, Sin City, The Green Mile, Stirb langsam … Filme und Serien, die ich (neben den meisten Kritikern) richtig gut fand und zu denen ich die Vorlage nicht kannte, als ich sie zum ersten Mal gesehen hatte. Die meisten habe ich bis heute noch nicht gelesen. Da wo ich sie kenne, gibt es deutliche Abweichungen, aber dennoch sind es verdammt gute Filme.

Ob also ein Film oder eine Miniserie besser geeignet ist, um den Stoff eines Romans, hängt von vielen Aspekten ab. Der Umfang und Detailgrad der Geschichte ist sicher einer davon, doch auch die Vision der Filmemacher spielt eine große Rolle. Manchmal sind 80 Minuten genau das, was man braucht, da würde eine Serie wenig Sinn ergeben. Die Art und Weise, wie eine Geschichte in diesem anderen Medium erzählt werden soll, muss also bedacht werden, wenn man eine Verfilmung plant.
Filme, selbst mit einer Herr-der-Ringe-Laufzeit hätten meiner Meinung nach nicht zu A Song of Ice and Fire gepasst. Ein weiterer MCU-Abklatsch wäre nicht das Richtige für The Boys, doch Sin City hätte auch als Miniserie funktioniert.

Ich persönlich kann gar nicht sagen, welche Form – Film oder Serie – mir lieber ist. Manchmal ist Film, der an einem Abend durch ist, einfach genau das Richtige, auch wenn die Vorlage viel mehr hergeben würde. Anderes kann ich mir nur als Serie vorstellen, wenn überhaupt. Besser ist also für mich keine der beiden Lösungen. Selbst die beste Lösung nützt wenig, wenn sie nicht zum Problem passt.

Ein Gedanke zu „Montagsfrage #108 – Buchverfilmungen: Film oder (Mini-)Serie? [2103]

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