Montagsfrage #101 – Triggerwarnungen? [2048]

Eine neue Woche und der vorletzte Montag im November. Damit auch der vorletzte Montag, den ich freihabe. Eigentlich könnte ich mich an diese Vier-Tage-Woche gewöhnen. Aber hier geht es heute nicht um meine Arbeitsbedingungen, sondern um die Montagsfrage und die lautet heute:

Sollten Bücher, die sensible Themen behandeln, mit Trigger-Warnungen ausgestattet werden?

Schwieriges Thema. Grundsätzlich bin ich mit Triggerwarnungen nie so richtig warm geworden. Auf der einen Seite sind sie sinnvoll für Menschen, die wissen, dass sie mit manchen Inhalten nicht umgehen können. Auf der anderen Seite kommt es auf den Kontext an und da sollte jeder selbst entscheiden können. Kann ich kein Blut sehen, schau ich mir keinen Horrorfilm an. Das sollte selbstverständlich sein.

Doch wie sieht es denn mit spezielleren Themen aus? Bei Serien und Filmen sind Hinweise üblich, die die Alterseinstufung rechtfertigen. Explicit Language, Graphical Violence, Drug use, Alcohol … solche Sachen eben. Ein kleiner Hinweis, keine explizite Warnung. Ein solches Label könnte ich mir auch in Büchern vorstellen. Der Vorteil: Es würde nichts spoilern, da es sehr allgemein gehalten ist. Der Nachteil: Gerade dadurch ist es vielleicht auch nicht für jeden aussagekräftig genug. Allerdings muss man auch zugeben – auch wenn ich mich damit unbeliebt mache – dass man es auch einfach nicht jedem recht machen kann.

Ein detaillierter Hinweis könnte unter Umständen auch schon problematisch sein, das müsste auf jeden Fall gut durchdacht sein. Insgesamt wäre ich am ehesten wohl doch für ein System mit vordefinierten Begriffen, wie ich es oben beschrieben habe. Die könnten auf die Rückseite des Buches, auf eine der ersten Seiten oder als Sticker irgendwo auf den Einband. Es wäre sehr allgemein, aber genormt, und auf Normen stehen doch alle, oder?

Schwierig bei solchen Überlegungen sind auch immer die jeweils aktuellen Grenzen der political correctness. Was man sagen darf, ohne dass sich irgendwer beleidigt oder angegriffen fühlt, wird immer weniger und auch hier würden früher oder später Warnhinweise verlangt werden. Ein Macho als Hauptcharakter? Direkt ein dicker roter Stempel, der vor misogynen Inhalten von einem misogynen Autor warnt. Aber gut, in diese Richtung muss es ja jetzt zum Glück nicht gehen.

Triggerwarnungen sind in meinen Augen nichts, wovon man klar sagen, dass sie sinnvoll sind oder man sie braucht. Es gibt Vor- und Nachteile, die eine individuelle Bewertung nötig machen, zumindest wenn man mich fragt.

6 Gedanken zu „Montagsfrage #101 – Triggerwarnungen? [2048]

  1. So ein kleines Label mit allgemeinen, vordefinierten Begriffen fände ich auch sehr sinnvoll! Man kann ja die bekanntesten und am häufigsten auftretenden Trigger nehmen, damit wäre schon vielen geholfen. 🙂

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    1. Das ist es eben. Steht im Klappentext, der Kommissar jagt einen Sexualverbrecher oder ein Monster frisst kleine Kinder, sollten die meisten entscheiden können, ob sie das Buch lesen können, oder nicht.

      Ist aber der große Twist, das dunkle Geheimnis aus der Kindheit, die Vergewaltigung durch den Bruder oder so, muss das ja nicht unbedingt gespoilert werden. Da wäre ein allgemeiner Hinweis vielleicht ganz nett.

      Aber ja, ich verstehe, was du meinst. Kann man halt so oder so sehen. Ein kleines Label mit entsprechenden Hinweisen wäre mir aber lieber, als Romane, die von vorne bis hinten political corrected sind. Das wird auch noch früh genug gefordert, wenn es nicht schon soweit ist.

      Gefällt 1 Person

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