Alpträume

Nach Blut – Skeleton Crew und Nachtschicht mal wieder eine Geschichtensammlung von Stephen King. 24 Geschichten warten in Alpträume auf den Leser und ich will versuchen, zu jeder kurz etwas zu schreiben.

24 mal King für zwischendurch

Die erste Geschichte, Dolans Cadillac handelt von einem Grundschullehrer, der jahrelang auf eine Gelegenheit wartet, sich an Gangsterboss Dolan für die Ermordung seiner Frau zu rächen. Die Druchführung wird für den Hauptcharakter zu einer Tortur, doch der Seelenfrieden, für den er durch die Hölle geht, ist eine ausreichende Entlohnung.

Das Ende des ganzen Schlamassels beschreibt ziemlich genau das. Aggressionen, Gewalttaten, Verbrechen, bis hin zum Krieg. Ein junges Genie findet einen Weg, all dem ein Ende zu setzen. Doch die Zeit reicht nicht, im Vorfeld auch die Spätfolgen dieser globalen Impfung zu erforschen.

Emily Sidley ist ein richtiger Kinderschreck, zumindest an der Grundschule, an der sie unterrichtet. In ihrem Klassenzimmer traut sich niemand, zu tuscheln oder zu spicken, und wer es doch wagt, wird stets bestraft. So läuft es während ihrer ganzen Karriere, bis die Kinder sich eines Tages verändern.

Der Nachtflieger handelt von Richard Dees. Er ist die Sorte Journalist, die über Aliens in der Kanalisation und von Krokodilen entführten Farmern oder so schreibt. Jetzt verfolgt er jedenfalls die Spur eines Mannes, der ausschließlich nachts mit seinem kleinen Privatflugzeug von Provinzflugplatz zu Provinzflugplatz reist und dort oft blutleere Leichen hinterlässt. Ein Wahnsinniger, der sich für einen Vampir zu halten scheint, das muss einfach ein Knüller werden.

In Popsy versucht Briggs Sheridan, seine durch seine Spielsucht entstandenen Schulden zu tilgen. Der harte Kerl, dem er das Geld schuldet, verweist ihn an Mr. Wizard, dessen Geschäft kleine Kinder sind. Sheridan überwindet sich dazu, sind doch seine Schulden und seine körperliche Unversehrtheit so wichtig. Bis er schließlich den falschen Jungen in seinen Lieferwagen lockt.

Es wächst einem über den Kopf ist der Blick einiger alteingesessener Bürger von Castle Rock auf die Vergangenheit ihrer Heimatstadt. Besondere Beachtung findet dabei Joe Newall und sein Unglück bringendes Haus.

Bill Hogan ist Vertreter und findet in einer kleinen Wüstentankstelle die größten und coolsten Klapperzähne, die die Welt wohl je gesehen hat. Auch wenn er rechtzeitig zu Hause sein möchte, bleibt er noch, um sie zu erstehen. Eine Verzögerung, die später über Leben und Tod entscheidet.

In Zueignung feiert Zimmermädchen Martha den ersten Roman ihres Sohnes Peter mit einer ihrer Kolleginnen. Dabei erzählt sie ihr die Geschichte von Peters natürlichem Vater.

Der rasende Finger sucht den Buchhalter Howard Mitla in dessen Badezimmer heim. Die Hoffnung, es nur mit einer Halluzination zu tun zu haben, rettet ihn leider nicht davor, sich dieser Erscheinung stellen zu müssen.

Turnschuhe sind alles, was John Tell von dem Typen in der ersten Kabine der Toilette im Tonstudio sieht. Immer und immer wieder, über Monate hinweg. Beinahe so, als würden sie sich nie vom Fleck bewegen. Als würde er einen Geist sehen.

Verdammt gute Band haben die hier handelt von Clark und Mary Willingham. Bevor er in einen anderen Bundesstaat versetzt wird, wollen die beiden sich das richtige Oregon ansehen und reisen mit ihrem Mercedes durch die Landschaft. Klischeehafterweise verfährt Clark sich nicht, sondern „biegt irgendwo falsch ab“, doch letztlich findet er mitten in der Wildnis eine kleine Stadt mit sehr merkwürdigem Namen.

Eine Hausentbindung ist die nächste große Herausforderung, mit der sich Maddie Pace konfrontiert sehen wird. Aber wenn man im jungen Alter von 20 bereits Witwe ist und um einen herum die Zombieapokalypse tobt, kommt man damit auch noch klar, oder?

Regenzeit herrscht in der kleinen Gemeinde Willow, Maine alle sieben Jahre in der Nacht des 17. Juni. Dann regnet es Kröten, erzählen die Einheimischen dem Ehepaar, das den Sommer in der Stadt verbringen will, um für ein Buch zu recherchieren. Krötenregen … diese Hinterwäldler und ihre seltsamen Scherze.

In Mein hübsches Pony bekommt der junge Clive Banning eine wertvolle Lektion über die Zeit und das Älterwerden von seinem Großvater.

Entschuldigung, richtig verbunden ist ein Drehbuch, das von einer Frau handelt, die einen total panischen Anruf erhält, der ihr einen mächtigen Schrecken einjagt. Doch erst lange nach der entsprechenden Tragödie erfährt sie, wovor sie gewarnt werden sollte.

Die Zehn-Uhr-Leute, so nennt Brandon Pearson seinen Stamm von unverbesserlichen Rauchern. All die, die sich zur gewohnten Uhrzeit vor der Bank versammeln, in der er arbeitet, um eine ihrer wenigen Zigaretten für den Tag zu rauchen. Sie alle haben etwas gemeinsam, aber es ist nicht das, was Brandon an diesem Morgen noch gedacht hätte.

Im Londoner Stadtteil Crouch End verlaufen sich die amerikanischen Eheleute Doris und Lonnie. Und sich in einer fremden Stadt in einem fremden Land zu verlaufen, ist nicht das Schlimmste, das ihnen auf dieser Reise widerfährt.

Das Haus in der Maple Street hat sich nach einem Familienurlaub verändert, doch nur den Kindern der Familie fällt die Veränderung auf. Ebenso wie die Tatsache, dass sie noch nicht abgeschlossen ist.

Das fünfte Viertel ist eine klassische Gangstergeschichte über einen vergrabenen Schatz und eine aufgeteilte Karte.

In Der Fall des Doktors erlebt John Watson die Erkenntnis, die seinen Freund Sherlock Holmes immer überkommt, wenn dieser einen Fall löst. Der alternde Watson beschreibt den Fall, den er als erstes gelöst hat, lange nach dem Tod seines berühmteren Freundes.

Umneys letzter Fall handelt von Clyde Umney, Privatdetektiv im L. A. der späten 1930er Jahre. Der „beste Privatschnüffler 1934 und 1935“ muss früher und mit Sicherheit anders als gedacht seinem Schöpfer gegenübertreten.

Das Essay Kopf runter beschreibt die Little League Saison 1989 für das Team von Bangor West, in dem auch Owen King spielte.

Ebenfalls dem Thema Baseball widmet sich das Gedicht August in Brooklyn.

Der Bettler und der Diamant bildet den Abschluss des Buches. Hier hat King eine hinduistische Parabel auf Gott und den Erzengel Uriel umgemünzt.

Meine Meinung zur Sammlung Alpträume

Gleich vorweg: Ich hatte jede Menge Spaß mit dem Buch und würde es empfehlen. Bedeutet das, dass ich jeden der Texte genial fand? Ganz sicher nicht.

Viele der Geschichten waren – für mich, der sie im Jahre 2020 gelesen hat – sehr vorhersehbar. Ich kann nicht beurteilen, wie es damals, anfang der 90er gewesen wäre, aber da niemand, der Alpträume noch nicht gelesen, das Buch noch in den 90ern lesen wird (zumindest nicht den 1990ern), sollte man den Aspekt nicht außer Acht lassen.

Ich möchte noch kurz auf ein paar Geschichten eingehen, die mir besonders gut gefallen haben und versuchen, die Gründe dafür deutlich zu machen. Da wäre zuerst Dolan’s Cadillac. Der Einsatz des Protagonisten, die Opfer, die er bereit ist, zu bringen, um seiner Seele Frieden zu gönnen, fand ich richtig gut. Und der eiskalte Dolan ist ein hervorragender Bösewicht. Ich würde gerne mal die Verfilmung mit Christian Slater als Dolan sehen, der Trailer hat mir ganz gut gefallen.

Der Nachtflieger ist so eine Geschichte, bei der ich es jetzt bereue, als Kind nie den Film geschaut zu haben, weil ich den Titel irgendwie blöd fand. Bei Die Zehn-Uhr-Leute hingegen hatte ich das Gefühl, den Film gesehen zu haben. Nur handelte es sich dabei um Sie leben von John Carpenter. Ich mochte jedenfalls die Geschichte, auch wenn sie sehr vorhersehbar war und ich die Prämisse mit der richtigen Menge Nikotin pro Tag irgendwie hanebüchen fand.

Gut gefallen haben mir auch Crouch End und Der Fall des Doktors, auch wenn ich das Ende bei letzterer nicht ganz so gut fand. Beide funktionierten für mich als Cthulhu- oder Holmes-Geschichte ganz gut. Zuletzt wäre da noch Umneys letzter Fall, die ich sehr mochte und die tatsächlich zumindest eine kleine Überraschung parat halten konnte.

Kopf runter würde ich neutral ansehen, weil ich absolut keine Ahnung von Baseball habe. Wäre das anders, wäre es wohl einer meiner Lieblingstexte in diesem Buch, weil ich selbst ohne ein Verständnis des Sports sehr viel Spaß damit hatte.

Die übrigen Geschichten sind allesamt … okay. Besonders Das fünfte Viertel mochte ich nach dem Lesen nicht. Solch eine Geschichte passt irgendwie nicht zum Bild, das ich von King habe, habe ich danach auch der Liebsten gesagt. Allerdings gibt es am Ende des Buches noch einige Anmerkungen zu ausgewählten Geschichten, was ihre Entstehung betrifft. Und da wird ganz kurz erwähnt, dass es sich bei dieser Geschichte um einen Richard Bachman Text handelt. Das erklärt einiges und schwächt mein Urteil etwas ab.

Gut, das soll jetzt genügen, immerhin haben wir die 1.000 Wörter schon lange hinter uns gelassen. Aber es ist auch ein langes Buch, um das es hier geht und das ich – da wiederhole ich mich gerne – auch empfehlen würde, wenn man Stephen King mag. Und ich glaube, dieser Zusatz, gilt für die meisten seiner Bücher.

Alpträume // Stephen King // Kurzgeschichten, Horror // 1993

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