Montagsfrage #84 – Mehr Frauen von Frauen? [2023]

Heute wieder einen Tag später, doch auch in dieser Woche möchte ich wieder Antonias Montagsfrage beantworten, die dieses Mal lautet:

Sollten weibliche Autoren mehr aus Sicht von weiblichen Protagonisten schreiben?

Kurze Antwort: Nein. Für eine längere Antwort bediene ich mich einfach mal an Antonias drei Unterfragen.

  1. Sollten wir generell mehr Literatur von weiblichen (oder non-binaren) Autoren gelesen, weil die Perspektiven dieser Autoren innerhalb der letzten Jahrhunderte (und Jahrtausende) oftmals nicht zur Sprache gekommen sind?

Auch hier: Nein. Ob ich ein Buch lese oder nicht, ist keine Frage der political correctness. Aber ich bin auch jemand, der sagt „Ich möchte ein Buch über Thema XY lesen“ und nicht „Ich möchte ein Buch von jemandem lesen, der sich Geschlecht YZ zuordnet“. Anders sieht es natürlich aus, wenn man ein schreibendes Wesen und sein Schaffen schon kennt und mag. Dann liest man eben auch eher etwas aus derselben Feder.

Wieder anders ist es natürlich, wenn es sich um entsprechende Themen handelt, bei denen die Perspektive interessant sein könnte. Das sind dann allerdings meist Sachbücher oder Erfahrungsberichte von Menschen, die sich ihre eigene Schublade bewusst unbequem eingerichtet haben. Geht es allerdings um ein anderes Thema, das absolut nichts damit zu tun hat, ist die Wahl des Geschlechts egal, dann sollte man wieder mehr auf Genre oder Schreibstil schauen.

  1. Sind weibliche Autoren die einzigen, die ihre Perspektiven deutlich machen können?

Auch hier wieder: Nein. Natürlich hängt es immer vom Thema ab und jede Menge Frauen werden das anders sehen (viele davon werden aber vermutlich auch der Meinung sein, dass sie als Frau natürlich auch gute Männer schreiben können).

Aber gut, nehmen wir die Frage mal sehr wörtlich, dann können wir sagen: Ja. Weil es eben auch auf männliche Autoren anzuwenden ist. Nur Autorin X kann die Perspektive von Autorin X so deutlich machen, wie sie sein sollte. Wenn es allerdings darum geht, überzeugende Charaktere zu schreiben, kommt es wieder nur auf das Können der Person an.

  1. Brauchen wir dazu per se eine weibliche Protagonistin?

Nein. Welch Überraschung. Besonders, wenn die weibliche Perspektive bezüglich der Männer transportiert werden soll, kann es zum Beispiel nützlich sein, männliche Protagonisten zu wählen.

Grundsätzlich kommt es also bei allen drei Fragen darauf an, wie gut derjenige schreiben kann. Mann, Frau, Pokémon bei Vollmond … vollkommen egal, das sollte kein Grund sein, ein Buch zu lesen oder eben nicht zu lesen. Wieso sollten männliche Autoren einen mit ihrem Klappentext überzeugen müssen, wenn es an anderer Stelle nicht so sein soll?

Und zur Frage, ob Frauen mehr aus der Sicht von Frauen schreiben sollten, bleibt die Antwort immer noch nein. Schreibt die Geschichten, die in euch schlummern, das was ihr schreiben müsst. Damit dürfte auch klar sein, dass ich mich hier auf das Schreiben beziehe. Wer unbedingt veröffentlichen und davon leben will, sollte Marktforschung betreiben und zusehen, dass das geschrieben wird, was auch gekauft wird. In diesem Fall sollte aber auch das Geschlecht egal sein.

2 Gedanken zu „Montagsfrage #84 – Mehr Frauen von Frauen? [2023]

  1. Hallöchen und einen wunderschönen Start ins Wochenende,

    und ich gebe dir in allen Punkten recht. Ich lese das, was mir gefällt und mache es nicht davon abhängig, welches Geschlecht das Buch geschrieben hat. Genauso lese ich gern Bücher mit männlichen Protagonisten.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

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