[2012] Corona und so

Seltsame Woche, irgendwie. Die aktuelle Situation hat viele, die Entscheidungen treffen müssen, überrumpelt. Die Liebste und ich haben schon festgestellt, dass wir etwas derartiges – Hamsterkäufe, geschlossene Schulen und Betreuungseinrichtungen, abgesagte Veranstaltungen – noch nie erlebt haben und das gilt wohl auch für all jene, die jetzt entscheiden müssen, wann was getan wird.

Sehr clever. Auf dem Papier. Nein, eigentlich auch nicht.

Schulen und Kindergärten sind also seit Montag geschlossen. Für die Arbeitnehmer in wichtigen Berufen, die sonst keine Betreuungsmöglichkeiten haben, gibt es die Notbetreuung. Maximal drei Gruppen zu je fünf Kindern pro Einrichtung. In der kleinen Dorfkita vielleicht ganz sinnvoll, aber an Schulen, an denen sonst 800 Schüler rumrennen? In manchen Fällen kann da jede der drei Gruppen ein eigenes Gebäude haben. Es könnten also viel mehr Kinder betreut werden, zumal die Lehrkräfte eh da sind.

Aber gut, das betrifft mich ja kaum. Hier in den Büros war jedenfalls am Montag full house. Immerhin sollten die Kolleginnen ihre Kinder ja mitbringen. Die Schulen, an denen sie sonst hauptsächlich tätig sind, sind zu. Die Kinder sind nicht betreut. Also ist Freistellung, ähm …. Home Office mit Sonderregelung Kinderbespaßung im Büro die naheliegendste Lösung. Versteht doch jeder, oder?

Anrufen. Bestellen. Abholen.

Kennt man normalerweise von chinesischem Essen oder so. Aktuell gilt es auch für Krankenscheine. Da ich immer noch huste, habe ich am Montag also mal meinen Arzt angerufen. Dienstag und Mittwoch war ich dann zuhause. Der Husten wurde nicht wirklich besser, doch die Liebste war etwas beruhigter, was mir auch guttat.

Am Donnerstag war ich dann wieder im Büro und bin dann auch zum Gesundheitsamt, was ja schon für Dienstag auf dem Plan stand. Da ich da immer noch hustete, war ich da aber nicht so gern gesehen. Ich wurde also zurück ins Büro geschickt und zuvor mal noch auf Corona getestet. Und das, liebe Freunde, war furchtbar unangenehm.

Erst wurde ich in diesen Raum bugsiert und dann hatten es plötzlich alle ganz eilig, von mir wegzukommen. Dann kam der Chef und packte sich ein. Schutzkittel, Handschuhe, Atemmaske … und dann ging es an die Abstriche. Seeeehr tief in der Nase und deep throat-mäßig tief im Rachen. An sich habe ich ja meinen Würgereflex ganz gut unter Kontrolle, aber diese Abstrich-Stäbchen sind echt unangenehm.

Ich ging also zurück ins Büro und habe erstmal die Führungsebene angerufen. Hm, ja, schade. Bin ich allein im Büro? Ja? Na dann kann ich da ja sitzen bleiben und einfach allen aus dem Weg gehen. Zum Spaß habe ich noch darauf hingewiesen, dass ich den Teil meiner Arbeit, den ich ohne volle Klassenzimmer machen kann, überall erledigen könnte. Hahahaha!

Am Freitag sollte ich dann nach dem Ergebnis des Tests fragen. Die Antwort: Der Kollege, an den ich mich wenden sollte, war gar nicht da, aber so schnell ging das wohl eh nicht. Ich soll doch am Montag nochmal nachfragen. Sehr schön.

Nirgends so schön wie zu Hause

Ebenfalls am Freitag kamen dann die Ausgangsbeschränkungen. Grund dafür ist die Tatsache, dass Menschen nicht drin bleiben, wenn man an ihren gesunden Menschenverstand appelliert. Erschreckenderweise gibt es im Internet viele Menschen, die sich darüber wirklich wundern oder (was noch schlimmer wäre) nur so tun, bloß damit sie was darüber schreiben können. Ich meine, es hat doch niemand wirklich geglaubt, dass ein „Geht bitte mal nicht unnötig vor die Tür bei knapp 20°, ja? Bitte, bitte“ von Merkel wirklich etwas bewirken würde. Oder etwa doch?

Nun ja, im Saarland dürfen wir also noch zum Einkaufen, zum Arzt und zur Arbeit. Außerdem sind Spaziergänge und Sport im Freien gestattet (in Kleinstgruppen) und auch Besuche bei älteren Verwandten, für die man einkauft oder die gerade sterben, in Ordnung. Bei getrennter Sorge darf man natürlich auch die Kinder besuchen und so. Es gibt also genug Ausnahmen. Das Ganze gilt erstmal für zwei Wochen.

Einige werden in der Zeit sicher durchdrehen oder eben Geldstrafen riskieren, aber für uns ändert sich dadurch absolut nichts, also machen wir uns nicht verrückt deswegen.

Und die Arbeit?

Ja, das ist ein anderes Thema. In Erwartung der Ausgangssperre oder -beschränkungen kam am Freitag von der Führungsebene der Rat, dann doch einfach einen Dienstausweis oder eine Gehaltsabrechnung mitzuführen, um uns zur Not als Mitarbeiter identifizieren zu können, falls wir auf dem Weg zur Arbeit angehalten werden. Die größte Sorge ist also die, die Mitarbeiter (und ihre Kinder) im Büro zu halten.

Kurz danach wurde allerdings etwas zurückgerudert, als man fragte, wer von uns denn einen Laptop im Büro hätte. Man darf also hoffen, dass vielleicht irgendwann noch, zumindest für die Zeit der Ausgangsbeschränkungen, ein Arbeiten von zu Hause aus ermöglicht wird. Wuhu! Ob das noch was wird, bevor am Freitag mein Urlaub anfängt? Ich bezweifle es ganz ehrlich.

3 Gedanken zu „[2012] Corona und so

  1. Ich denke, das geäußerte Unverständnis liegt weniger daran, dass man wirklich geglaubt hätte, dass die Ansprache der Kanzlerin etwas bringt, sondern eher daran, dass viele Leute – mich eigenschlossen – nicht damit gerechnet hatten, dass es doch so viele Menschen gibt, die augenscheinlich zerebral nicht in der Lage sind, den Ernst der Situation zu begreifen.:-) Außerdem ist keine Ansprache auch keine Lösung.

    Im Übrigen bin ich persönlich ja der Meinung, dass man während der Wartezeit auf einen Corona-Test nicht ins Büro, sondern krankgeschrieben gehört. Und zwar unabhängig davon, ob sich der Verdacht bestätigt oder nicht. Aber mir ist bewusst, dass es viele Arbeitgeber gibt, die das anders sehen. Auch unter Arbeitgebern gibt es offensichtlich genug Menschen, die zerebral nicht in der Lage sind, die Situation zu begreifen oder denen, was schlimmer wäre, die Situation völlig scheißegal wäre.

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    1. Gut, dann eben die Überraschung darüber, dass Menschen einfach dumm sind. Auch das dürfte niemanden überraschen, der in den letzten 20 Jahren mal in die sozialen Medien, ins Fernsehen oder aus dem Fenster geschaut hat.

      Das mit den Arbeitgebern … auf jeden Fall. Mein Arbeitgeber wird bis zum letzten darauf bestehen, dass wir alle ins Büro kommen, zur Not mit Kindern und so. Man stellt sich ja auch gegen Home Office und ähnliches.

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      1. Nun ja, ich behaupte ja auch immer wieder gebetsmühlenartig: „Wir leben in einem Land, das zu einem durchaus nennenswerten Anteil von Idioten bevölkert wird.“ – dann aber den Beweis für diese Behauptung zu bekommen, ist etwas, was zumindest mich in diesem Umfang doch überrascht hat … :-)

        Meiner bescheidenen Ansicht nach sollte man dem Arbeitgeber dann mal die entsprechenden Behörden auf den Hals hetzen. Wobei ihm, solange er nicht gegen verordnete Betriebsschließungen verstößt und auch kein nachgewiesener Krankheitsfall vorliegt, gesetzlich vermutlich nicht mal etwas vorzuwerfen ist. :-( Man kann halt nicht dafür belangt werden, mit Verlaub, ein Arschloch zu sein … :-)

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