Die Sache mit diesen Smartphones

Vor etwa einem Jahr lief mein letzter Mobilfunkvertrag aus. Ich habe es der Liebsten gleichgetan und bin zu einem Prepaid-Anbieter gewechselt. Das Ganze war Teil meiner Bemühungen, laufende Kosten zu senken. Das war auch recht erfolgreich, habe ich doch meine monatlichen Kosten von 19,99 € auf bislang 0,00 € gesenkt. Der Preis dieser Ersparnis: Fürs Telefonieren zahle ich wieder einen Minutenpreis und mobiles Internet ist nicht. Lediglich eine Messaging-Option, um WhatsApp nutzen zu können.

Das ist sicher nicht für jeden das richtige Modell, doch ich wage zu behaupten, dass sehr viele Leute mit ihrem Handyvertrag Geld aus dem Fenster werfen.

Eine Frage der Notwendigkeit

Kennt ihr Leute, die 50 oder sogar 70 Euronen pro Monat für ihr Handy zahlen? Ich kann mir keine Privatperson vorstellen, die das braucht. Und ich schränke das auch nur auf Privatpersonen ein, weil ich gerade keine Lust habe, mich mit Business-Tarifen auseinanderzusetzen.

All-Net-Flat? Hatte ich, kostet 20 €. Aber dann hat man nicht drölf Gigabyte Datenvolumen. Okay, 30 €. Ja, aber das iPhone … braucht keiner. Auch hier lehne ich mich einfach mal aus dem Fenster und behaupte: 90 % der Privatpersonen mit einem aktuellen iPhone (oder jedem anderen »Flaggschiff«-Handy) brauchen dieses Gerät nicht. Vor allem brauchen sie nicht jedes Jahr oder alle zwei Jahre die neue Version.

Es geht darum, zu zeigen, dass man es hat. Dass man das Geld hat, es sich zu leisten. Deshalb wird auch bei jeder neuen Version, wie minimal die Änderungen auch sind, darauf geachtet, dass das Gehäuse anders aussieht. Man soll sehen können, dass man das Neueste und Teuerste hat.

Versteht mich nicht falsch, jeder soll sich so viele iPhones oder Galaxys kaufen, wie er will, solange er sie bezahlen kann. Aber für das, was der Durchschnittsnutzer macht, braucht er kein 1.000 € Gerät. Steht doch wenigstens dazu, dass es euch nur um ein Statussymbol geht oder ihr keine Lust habt, euch über Alternativen zu informieren und eben das nehmt, was andere auch haben.

Das Problem damit, immer online zu sein

Meinen Facebook-Account habe ich vor Jahren dichtgemacht. Bei Twitter bin ich noch angemeldet, habe es aber auch seit einem Jahr nicht mehr genutzt. Und nein, mir fehlt nichts.

Social Media ist ein zweischneidiges Schwert. Die Plattformen sind an sich nicht zu verteufeln, denn sie sind nur Plattformen. Die Inhalte kommen von uns selbst. Wie die Plattformen genutzt werden, ist also das Problem. Und für viele ist das wirklich ein Problem. Ich bin deshalb froh, sie einfach nicht mehr zu nutzen.

Der Wegfall des Datenvolumens hat mir dabei wirklich geholfen. Ich kann vielleicht unterwegs nicht mal eben etwas bei Google suchen, aber ich habe auch mit der Zeit wieder gelernt, dass ich das gar nicht muss. Was ist bitte so dringend, dass ich bei einem Abendessen mit Kollegen unbedingt direkt erfahren oder suchen muss?

Ich kann auch keine Dienste wie Amazon Music oder Spotify unterwegs nutzen. Na und? Amazon Music nutze ich selten mal zuhause, Spotify gar nicht. Ich habe mehr als 1.300 Songs auf meinem Handy, das genügt für meinen Spaziergang in der Mittagspause.

Die Musik nimmt allerdings Speicherplatz ein, den ich ansonsten für 23 Selfies vorm Frühstück, 17 Bilder vom Frühstück, 14 Selfies mit Kollegen, die gerade Selfies von sich machen oder Bilder von jedem Artikel, den ich kaufe, nutzen könnte. Die Entscheidung für die Musik fiel mir tatsächlich schwer, muss ich zugeben.

Spiele

Das ein oder andere Spiel auf dem Handy ist für viele auch zur Gewohnheit geworden, und sei es nur für Wartezeiten. Ich muss zugeben, dass ich immer noch zwei Spiele am Handy nutze und täglich spiele. Ein Browser Game, das ich schon seit zehn Jahre zocke (eines meiner größten, wenn nicht sogar das größte »digitale Problem«, das ich habe) und eines dieser Idle Games. Zwei- bis dreimal am Tag öffne ich es, lasse ein kurzes Video ablaufen und drücke ein paar Knöpfe, der Rest passiert dann im Hintergrund.

Ich bin froh, dass das unterwegs oder im Büro nicht mehr klappt mit dem Prepaid-Tarif. Der Verzicht auf mobiles Internet (das ich jederzeit zubuchen könnte) hat mir wirklich geholfen, meine Zeit am Handy drastisch zu verringern. Und es ist, wie es ist: Mir fehlt nichts. Ich lese mehr, ich schreibe mehr. Ich fühle mich nicht ausgeschlossen oder abgehängt, weil ich nicht jederzeit in den sozialen Medien sehen kann, was entfernte Bekannte gerade essen oder was wildfremde Menschen über andere wildfremde Menschen denken.

Und das Ergebnis?

Mir fehlt es an nichts und ich spare 20 € pro Monat. Das ist das Ergebnis. Win-win-Situation würde ich sagen. Und ich würde es wirklich jedem empfehlen, zumindest testweise in irgendeiner Form. Vielleicht telefoniert ihr ja wirklich verdammt viel, aber auch eine entsprechende Flatrate gibt es günstiger als die meisten Verträge. Und wenn ihr das alles nicht wollt und es lieber so haben wollt, wie bisher, ist das auch okay. Aber versucht keinem weiszumachen, ihr bräuchtet es. Bequemlichkeit, Luxus, Statussymbole … das ist alles okay und ich will es auch nicht verteufeln, wenn ich sage, dass ich es nicht brauche. Aber wenn es euch darum geht, dann steht doch einfach dazu und versucht nicht, es irgendwie zu rechtfertigen.

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