Montagsfrage #67 – Kochbücher [2004]

Mal wieder einen Tag später, aber gestern war auch wirklich ein stressiger Tag. Als ich dann noch die Zeit zum Schreiben gefunden habe, habe ich mich eher für meinen Roman entschieden, was wohl auch ganz gut war. Aber genug der Ausreden, hier die aktuelle Montagsfrage:

Braucht man eigentlich Kochbücher?

Das ist mal wieder eine Frage für ein ganz klares Jein. Da die Frage aber wohl nicht auf Leute abzielt, die vom Kochen oder von Kochbüchern leben, sondern eher auf den Durchschnitts-Kochbuch-Besitzer, sage ich … hm, immer noch jein. Aus eigener Erfahrung sieht das so aus:

In unserer Küche steht ein kleines Notizbuch, in dem die Liebste allerlerei Rezepte gesammelt hat. Sie hat sie von Hand eingetragen und am Ende des Buches auch einen Index mit verschiedenen Kategorien (z. B. Hauptgerichte mit oder ohne Fleisch, oder sogar vegan, Beilagen…). Das ist für uns super praktisch. Wir planen jede Woche unsere Mahlzeiten von Donnerstag bis Mittwoch. So werfen wir quasi nie was weg, die Wocheneinkäufe sind günstiger und und und, aber darum geht es hier ja nicht.

Über dieses Buch bin ich wirklich froh. Es ist klein genug, dass es auf der Fensterbank in der Küche Platz findet und da ist fast alles drin, was wir mögen. Fast alles? Ja, denn da sind zum Beispiel keine Kuchenrezepte drin. Die sind in Zeitschriften, die wieder an einem anderen Ort liegen. Manche auch aus dem Internet ausgedruckt, die liegen dabei. Irgendwo gibt es auch noch richtige Kochbücher zu verschiedenen Themen, glaube ich. Ich kann mich nicht erinnern, die gesehen zu haben, seit wir sie beim Einzug eingeräumt haben. Und mindestens ein richtig tolles Rezept liegt als eBook auf dem Reader der Liebsten.

Das alles könnte man an einem Ort zusammentragen, Platz und Zeit bei der Suche nach einem bestimmten Rezept sparen, aber irgendwie passt es auch. Kochen darf gerne etwas Chaotisches oder Leidenschaftliches haben und wenn für jemanden das Blättern in Rezeptbüchern oder -heften dazugehört, dann soll das eben so sein. Da ich in der Küche nur Hilfsarbeiten und ganz simple Gerichte übernehme, werde ich mich hüten, da großartig reinzupfuschen.

Wovon ich aber fest überzeugt bin: Wir brauchen nicht noch ein Kochbuch. Ich gehe auch nicht los und kaufe mir ein Lexikon, für den Fall, dass ich mal etwas nachschlagen muss. Es gibt so verdammt viele Informationen kostenlos im Internet. Man kann da Kochen, Backen und Mundharmonikaspielen lernen, ohne einen Cent auszugeben. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, braucht doch keiner von uns das x-te Muffinbüchlein oder Druckerzeugnisse wie »101 glutenfreie Frühstücksideen für jeden Tag« und »Veganes Craftbeer für den modernen Großstädter (auch als Bartshampoo und WC-Reiniger benutzbar)«.

Um das alles nochmal kurz zusammenzufassen: Nein, vermutlich braucht man keine Kochbücher. Wenn man nicht unbedingt davon lebt, braucht man auch keine neuen Kochbücher. Man kann also ruhig die benutzen, die man hat (wenn man sie denn nutzt), aber neue Kochbücher werden doch oft nur gekauft, weil sie zu einem aktuellen Trend passen.

 

5 Gedanken zu „Montagsfrage #67 – Kochbücher [2004]

  1. Was jeder Jungkoch und jede Jungköchin haben sollte, ist ein Buch wie: »Kochen — Die neue große Schule«. Hier werden einem Grundbrgriffe beigebracht, ohne die es einfach nicht geht. Blanchieren, simmern, kochen, etc. Das gleiche nochmal als Backbuch, feddich. Den Rest, da gebe ich dir recht, findet man im Internet.

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    1. Die Basics findet man auch im Internet, aber das bleibt eben den persönlichen Vorlieben überlassen.
      Wir leben ja immerhin in einer Zeit, in der man mehr oder weniger frei wählen kann zwischen Texten auf Papier, digitalen Texten, Texten, die einem vorgelesen werden oder Videos, die einem die Sache vormachen.

      Das zur Verfügung stehende Angebot kann einen leicht überfordern und es gibt auch bei den Anbietern immer wieder schwarze Schafe, aber um etwas zu lernen leben wir wohl in einer großartigen Zeit.

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      1. Schon, aber das Buch steht immer da, es ist aus einem Guss und es folgt keiner bestimmten Ideologie. Es ist wertfrei geschrieben und nur der Qualität des Essens verpflichtet. Und unideologisches findet man im Internet eher selten.
        Außerdem ist die Mentalität, für nichts mehr zahlen zu wollen, genau das, was uns irgendwann ruinieren wird. Klar gibt es alles irgendwie und irgendwo vielleicht auch umsont. Aber irgendeinen Preis wird jemand dafür bezahlen müssen.

        Dazu kommt, dass man das Buch eichfach mal liest und dabei Sachen erfährt, die man niemals nachgeschlagen hätte. Wie soll man im Internet Sachen finden, wenn man sie doch gar nicht sucht? Also deswegen ist solch ein Beginnerbuch für jeden angehenden Koch einfach unerlässlich.

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      2. Das mit dem unerlässlich sehe ich tatsächlich anders. Das ist wie Schulstoff. Es schadet nicht, aber vieles davon braucht man nie wieder, wenn man keine Profession in der Richtung anstrebt.

        Und es geht mir auch nicht um eine Mentalität, für nichts mehr zu zahlen. Aber für Wissen? Der Mensch wird bis zum Ende Kohle ohne Ende für Luxusgüter aus dem Fenster werfen, da sollte doch wenigstens Wissen kostenlos zugänglich sein. Und »irgendeinen Preis« zahlt man für alles, ich kann nicht mal ein Kochbuch voller Techniken, die ich nie anwenden werde, lesen, ohne damit mit meiner Zeit zu bezahlen.

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      3. DU willst ja auch gar nicht kochen, aber da steht ja für jeden Jungkoch. Und wer Grenzen überschreiten will, sollte zuerst einmal kennen. Du machst ja nur subalterne Zubringerdienste, da ist es egal, welches Kochbuch du nicht gelesen hat – insofern hast du recht.

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