Montagsfrage #66 – Erfolg in mehreren Genres? [2003]

Zum Wochenbeginn gibt es mal wieder eine von Antonias Montagsfragen, die da heute lautet:

Können Autoren in mehreren Genres brillieren?

Spontan fällt mir dazu (wieder einmal) eigentlich recht wenig ein. Ich lese Stephen King für Horror, Terry Brooks für Fantasy und Haruki Murakami für … wie immer man das nennen möchte.

Aber Stephen King ist schon ein gutes Stichwort. Das Leben und das Schreiben hat mir wirklich sehr gut gefallen. Die Augen des Drachen geht eher in Richtung Fantasy für Kinder und war auch gar nicht schlecht. Auch würde ich Geschichten wie Es und Sie nicht unbedingt in dieselbe Kategorie von Horror einsortieren. Wenn man dann noch an Geschichten wie Der Musterschüler, Die Verurteilten oder The Green Mile denkt, fällt es auch schon schwer, ihn nur als »diesen Horror-Typen« zu sehen. Murakami hat auch verschiedene Genres bedient und besonders unter den Büchern über das Schreiben als Handwerk gibt es viele, wenn nicht sogar die meisten, die von erfolgreichen Romanautoren stammen.

Entscheidend ist also die Frage, was man unter »brillieren« versteht. Erfolgreiche Bücher schreiben? Oh ja, das können sie auf jeden Fall, vorausgesetzt, sie hatten vorher schon Erfolg. Ein Name wie Stephen King verkauft alleine sicherlich schon die ein oder andere Idee. Ich arbeite seit Jahren an meinem Erstlingswerk, das in die Fantasy-Schublade passt. Die Idee, die danach verfolgt werden soll, wird eine Liebesgeschichte mit zum Teil pornografischen Inhalten. Und ich werde mit Sicherheit mit beidem nicht sonderlich erfolgreich sein.

Geht es allerdings darum, gute Bücher zu schreiben, sieht die Sache schon anders aus, wenn auch nicht klarer. Eine solche Bewertung ist immer recht subjektiv, doch man kann wohl behaupten, dass gestandene Autoren ihr Handwerk beherrschen und einen »soliden« Roman, bezogen auf Charakterentwicklung und Plot, zustande bringen können. Trotzdem haben viele Autoren einfach ihr Steckenpferd, ein Genre, in dem sie sich am wohlsten fühlen und in denen sie ganz andere Qualitäten abliefern können.

Oft wird aber auch einfach ein Name so sehr mit einem Genre, einem Buchtitel oder einer Reihe verknüpft, dass der durchschnittliche Leser – also auch ich – ein bestimmtes Bild vor Augen hat, wenn er einen Autorennamen hört. Tolkien – Herr der Ringe. Rowling – Harry Potter. King – Horror. Bernemann – derbe. Es ist wie bei einem dieser Assoziationsspielchen. Erst wenn man genauer darüber nachdenkt, kommt man vielleicht auf all die anderen Werke oder Genres, mit denen man einen Namen verknüpfen könnte.

Kurz gesagt: Ja, ich glaube schon, dass Autoren in verschiedenen Genres brillieren können, unabhängig davon, wie man brillieren definiert. Gerade bekannte Autoren haben aber auch wie viele Musiker, Schauspieler oder generell Künstler einfach einen gewissen Ruf, etwas das man mit ihnen verbindet, das es unter Umständen schwer machen kann, mehr in ihnen zu sehen.

 

13 Gedanken zu „Montagsfrage #66 – Erfolg in mehreren Genres? [2003]

  1. Vergiß nicht, das King ja auch unter Bachmann schrieb, um genau dem Hype auch etwas zu entgehen. Oder die Zusammenarbeit mit Straub und das neueste hat er ja mit seinem Sohn geschrieben … 😁

    Ich denke, es ist schwierig für einen bekannten Autor das Genre, das ihm von außen zugeschrieben wird, was nicht nur die Leser sind, zu wechseln. Ich denk da z.B. an Konsalik, dem sagt man ja nach, das er nur Kriegs – oder Rußlandromane schreiben könne. Hat er aber nicht. Gerade seine letzten Werke waren sehr zeitnah und hatten immer aktuelle Themen als Bezug.

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    1. Ich arbeite mich ja chronologisch durch Kings Bibliographie (wobei ich natürlich schon viele Bücher vorher gelesen habe, jetzt schließe ich die Lücken) und habe noch nicht alle Bachmann-Bücher durch, aber ja, das stimmt natürlich.
      Die Zusammenarbeit mit Straub … ich muss sagen, dass ich nach Der Talisman schon etwas Angst vor der Fortsetzung habe, weil ich den ersten Teil doch sehr langatmig fand.

      Insgesamt sind die Zuschreibungen von außen in dieser Hinsicht wohl Fluch und Segen zugleich.

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      1. Ich lasse mich natürlich gern belehren, aber das klingt im entsprechenden Wikipedia-Artikel, in dem ich die Geschichte nachgelesen habe, definitiv anders. Dort steht, Bachmann war kommerziell erfolgreich. Das klingt nicht danach, dass sich niemand für ihn interessierte, obwohl das natürlich nicht vergleichbar ist mit den Verkaufszahlen, als bekannt wurde, wer er ist.

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      2. Sowas in die Richtung wollte ich auch gerade schreiben xD
        Die Bücher waren sicher nicht Stephen-King-erfolgreich, aber sie waren auch keine kompletten Rohrkrepierer. Dass sie nach der Enthüllung erst richtig durch die Decke gingen, steht außer Frage.

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      3. Niemand bedeutet hier »im Vergleich«. Also er wurde verlegt (was ohne seinen Namen vielleicht gar nicht erst passiert wäre) und die Bücher wurden gekauft. Nimmt man jetzt absolute Zahlen und schraubt seine Ansprüche nicht so hoch, dass man davon leben will, gebe ich dir recht. Aber bei King sollte der Anspruch ein anderer sein.

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      4. Aus meiner Sicht hat er damit trotzdem bewiesen, dass seine Bücher auch ohne den großen Namen funktionieren. Um mal auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen, interessant wäre es gewesen, hätte er als Bachmann auch in einem ganz anderen Genre geschrieben.

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  2. Ich denke, das auch viele Verlage es nicht gern sehen, wenn bekannte Autoren das Genre wechseln wollen. Es gibt ja keine Garantie für vergleichbare Erfolge. Das kann es auch schon schwer machen, das ein Autor mal etwas neues ausprobiert.

    Gerade die neueren King – Werke ergänze ich gerade in meiner Sammlung, das war zuvor nicht möglich und auch ich lese immer schön im Wechsel. Mal was von King, dann was aus dem Historienbereich oder Krimi.

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  3. Es gibt Autoren, die kein Genre bedienen, die sind zu universell und trotzdem immer gut. Nick Hornby oder Paul Auster. Wenn man so will, brillieren die auch immer und jedesmal in einem »neuen« Genre. David Guterson! Jodi Picault! Rebecca Gablé ist auch mit ihren Krimis erfolgreich, Frank Schätzing sowieso, Peter Hoeg, Philip Kerr, Jeffrey Eugenides, nur um ein paar derer zu nennen, die sich auf meinem Elektrobuch befinden.

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  4. Der krasseste Autor, was das Erfolgreichsein in zwei Genres angeht, dürfte wohl Felix Salten sein. Er hat Bambi erfunden, war aber auch der mutmaßliche Verfasser des Romans Josephine Mutzenbacher, was man mit Fug und Recht auch als Kinderpornografie werten kann. Bundesgerichte taten dies in der Vergangenheit und es wird rein aus dem Grund heute nicht mehr gemacht, weil es einem zu groteskt vorkommt, und man sich dergleichen nicht vorstellen kann. Aber er beschreibt detailliert Sex mit Minderjährigen.
    Josephine Mutzenbacher, ist der bisher einzige pornografische Roman von Weltruhm in deutscher Sprache und ich habe vor, das zu ändern. Der zweite pornografische Roman von Weltruhm ist schon in der Mache.

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  5. Guten Abend,

    ich habe den Ansatz des Schubladendenkens bei bestimmten Autoren bzw. Autorinnen noch gar nicht so betrachtet, aber stimmt, man assoziiert mit so mancher Person immer ein bestimmtes Genre oder Werk.
    Ob sie nur darin gut sind, ist damit natürlich nicht bewiesen und vor allem subjektiv.

    Viele Grüße
    Tina

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