Dezembergedanken

Schon wieder Dezember. Schon wieder ist ein Monat vorbei. Für manche der NaNoWriMo, für andere der No-Nut November, der No-Shave November oder auch einfach nur die Zeit zwischen Halloween-Party und Weihnachtspartys. Und schon wieder ist ein Jahr fast vorüber, in dem sich so viel und doch so wenig verändert hat.

Der angekündigte Schnee für den ersten Advent war hier bei uns wie ein 12 € Drink einem angesagten Club. Verdünnt, zu viel Wasser, zu viel Eis. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sieht es nach Herbst aus, dabei haben wir schon festgestellt, dass wir den Herbst in diesem Jahr verpasst haben. Im Büro wird die Arbeit erledigt wie immer, immer noch begleitet von der Unsicherheit, ob es diese Arbeit im kommenden Jahr noch gibt. Wozu die Eile.

Am blauen Himmel ist keine Wolke zu sehen, die Sonne scheint hell und lässt die wenigen Blätter, die sich noch an den Ästen halten, leuchten. Ja, es sieht wirklich nach Herbst aus. Sobald man das Fenster öffnet und das Draußen nach drinnen lässt, erinnert die Kälte allein an das, was ein Winter sein soll.

Ich mache meine Arbeit, schreibe in mein Tagebuch, hänge meinen Gedanken nach. Ideen für den Aufbau des nächsten Kapitels, heftiges Kopfkino, Gedanken an die Zukunft. Kann ich die Entscheidung bezüglich meiner Stelle noch beeinflussen? Auch positiv? Wenn ja, wie wird es dann, das Projekt alleine durchzuführen? Wenn nein, wie wird es dann?

Im Dezember würde ich gerne zwei Kapitel schreiben, damit Teil vier meiner Geschichte abschließen und mit der Planung für Teil fünf beginnen. Das sind Wünsche, Anforderungen an mich selbst. In meinem Kopfkino geht es Demütigung und Bloßstellung, aus Geilheit geborene Bilder und Gedanken. Bei den Gedanken über meinen Job geht es um Notwendigkeit. Ja, ich mag meinen Job, erachte ihn als sinnvoll und stehe voll und ganz dahinter, aber das ist nur ein Bonus. Fakt ist: Ich wohne und esse gerne.

All das ist unwichtig, wenn auch letzteres wie bereits erwähnt notwendig ist. Was wichtig ist … wer wichtig ist, sitzt zuhause. Die wichtigen Gedanken drehen sich im Kreis. Ein Baby, das behütet, eine Frau, die umsorgt werden will. Ein Willen, der von mir ausgeht, hier geht es nicht um irgendwie formulierte Ansprüche. Wobei ich mir beim Baby da nicht so sicher bin, es ist kommunikativ noch arg eingeschränkt.

Doch ist es auch belastend. Ich liebe meine Tochter und ich weiß, ihre Mutter liebt sie auch, doch es ist anstrengend, da wird wohl kaum jemand widersprechen. Die ganze Situation macht vor allem der Liebsten zu schaffen. Ja, ich habe einen Hörsturz, immer mal wieder ein Rauschen oder Pfeifen im Ohr, am Wochenende sogar einmal so plötzlich und heftig, dass es mich fast umgehauen hat – war interessant. Nichts, das ich gerne wiederholen würde, aber interessant. Ja, Rücken, Beine und Kopf tun weh, uns beiden. Ja, das ist alles furchtbar nervig und unangenehm. Aber zu sehen, wie erschöpft die Liebste ist und wie sehr ihr das zusetzt, das ist das wirklich Schlimme.

Ich sage mir zwar, dass ich tue, was ich kann, um sie zu entlasten, doch irgendwie fühlt es sich nicht so an. Entweder das, oder alles was ich tun kann, ist nunmal nicht genug. Auch ein beschissener Gedanke. Der Gedanke, dass es ja nicht ewig so bleibt, ist übrigens so tröstend wie ein »Kopf hoch«, ein »Ein Indianerherz kennt keinen Schmerz« oder das gute alte »Die Zeit heilt alle Wunden«.

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