Update [1943]

Auch in der zweiten Woche zu dritt ist alles noch sehr neu und anstrengend für uns. Die Liebste und ich arbeiten gut zusammen und kümmern uns gut um die Kleine. Einiges klappt erstaunlich gut, wie zum Beispiel täglich frisch zu kochen und meist auch zusammen am Tisch zu essen. Anderes wiederum klappt nicht so super.

Die Kleine hat ziemliche Probleme mit dem großen Geschäft, sodass die Hebamme und wir ihr da schon aktiv helfen mussten. Eine sehr erniedrigende Angelegenheit für alle Beteiligten xD Aber aktuell sieht es mal wieder so aus, als würde sich das so langsam einpendeln, was wir der Kleinen nur wünschen können.

Nach Horrorstorys von Aufnahmestopps bei Kinderärzten und nachdem die Praxis in der letzten Woche noch wegen Urlaubs geschlossen war, haben wir am Montag auch den Kinderarzt hier im Ort (ja, den einen, den es hier gibt) angerufen und es ist wohl kein Problem, dass wir mit unserer Kleinen zu ihm kommen. Der Termin für die U3 steht jedenfalls. Wir wurden auch noch darauf hingewiesen, dass sie eine Impfpraxis sind. Krass, worauf man heutzutage so hinweisen muss.

Als ich meiner Mutter neulich nochmal sagte, dass die Kleine nicht getauft wird, war sie absolut nicht überrascht. Wofür sie allerdings kein Verständnis hätte, wäre, sie nicht impfen zu lassen. Das Thema sehe ich halb scherzhaft so: Man muss nicht alle Kinder impfen lassen, sondern nur die, die man behalten möchte.

Ansonsten lebt man eben so weiter. Wir haben kein Zeitgefühl mehr und ich persönlich habe am Abend immer das Gefühl, tagsüber nichts erledigt zu haben. Meist stimmt das wohl auch, aber im Großen und Ganzen geht es mir ganz gut, auch was die Produktivität anbelangt. Ich habe – unter Anleitung der Liebsten – zwei Buchblöcke für Fotoalben gebunden, eines für die Kleine und eines für meinen Chef, der bald die Stelle wechselt. Außerdem schaffe ich es etwa alle zwei Tage mal zwei oder drei kurze News zu schreiben, um nicht allzu sehr aus der Übung zu kommen und halbwegs up to date zu bleiben. Dafür lese ich sehr wenig und schreibe ansonsten nichts. Selbst mein Tagebuch liegt mal wieder seit einer Weile brach.

Ich will mich aber nicht beklagen. Das gehört wohl einfach dazu, wenn man ein Kind bekommt und so oder so, ich würde es nicht mehr missen wollen. Die Kleine ist gerade einmal zwölf Tage alt, aber ich bin einfach hoffnungslos verknallt. Sie ist so verdammt süß und auch wenn ich hin und wieder verzweifle, weil ich nicht weiß, was ich für sie tun kann oder mich einfach furchtbar dämlich anstelle, bin ich überglücklich, dass wir jetzt zu dritt sind.

Es gibt aber auch Aspekte des Elternseins, auf die ich – und ihr vermutlich auch – gerne verzichten würde, auch wenn sie nicht unbedingt etwas mit dem eigenen Kind zu tun haben. Ganz vorne dabei: Das Wissen der anderen. Alle, die schon ein Kind haben, besonders Frauen, WISSEN ganz genau, was meine Tochter oder auch meine Freundin so kurz nach der Geburt brauchen und was ich alles tun sollte. Immerhin haben sie ja schon mindestens ein Kind und wissen eben auch, dass jedes Kind und jede Mutter vollkommen gleich sein und dieselben Bedürfnisse und Probleme haben. Clever von der Natur, das mit der Individualität alleine den Männern zu überlassen, oder?

Ein weiterer dezent nerviger Aspekt des Elternseins bzw. des »gerade erst Eltern geworden seins«: Dankeskarten. Meine Mutter hat uns ziemlich viele Klamotten und anderen Kram für die Kleine organisiert. Von meiner Patin, von den Nachbarn, eben von allen, bei denen es in den letzten Jahren Neugeborene gab, und die etwas abzugeben hatten. Sie ist dankbar, wir sind dankbar, keine Frage. Deshalb hat man sich auch schon mehrfach bedankt. Allerdings sind da ja auch noch (für uns) vollkommen Fremde, die meiner Mutter Sachen für die Kleine gegeben habe und sowieso gibt es ja diesen Brauch mit diesen Dankeskarten, also wird das auch von uns erwartet, alles andere wäre ja undankbar. Und dass das eine Woche nach der Geburt noch nicht erledigt war, war auch schon schlimm. Dass es bald zwei Wochen werden und wir uns immer noch nicht darum gekümmert haben, weil unsere Prioritäten etwas anders liegen, wurde bislang noch nicht thematisiert, aber das könnte daran liegen, dass ich seitdem nicht mehr mit meiner Mutter gesprochen habe xD

Wir haben uns bereits bedankt, ein Bild von der Kleinen wurde sowieso durch die Gegend geschickt und wer zwingend eine bestimmte Form der Anerkennung erwartet, wenn er Gutes tut, hat diese erst recht nicht verdient. Trotzdem tun wir es ja, nur eben dann, wenn wir Zeit und Nerven dafür haben. Aber erklärt das mal Leuten, die euer ganzes Leben über schon alles besser wussten und euch bis heute sagen wollen, wie und wann ihr euch zu bedanken habt.

Ohne Witz, ich habe im Beisein meiner Mutter mit meiner Großmutter telefoniert und sie hat wie wild mit einem Gutschein herumgefuchtelt (den sie im Auftrag meiner Oma gekauft hat), weil ich am Telefon einen Gesprächseinstieg mit Smalltalk gewählt habe und mich nicht direkt mit einem Dankeschön gemeldet habe.

Ich bin wirklich kein undankbarer Mensch oder so, aber ich wäre manchmal wirklich froh, wenn wir uns endlich solcher oberflächlichen Floskeln im menschlichen Miteinander entledigen könnten. Bevor ich mich jetzt noch weiter auskotze und gar nicht mehr aufhöre, lasse ich euch jetzt allein und ziehe mich zu meinen beiden Ladys auf die Couch zurück.

Ciao ciao….

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