In the Miso Soup

Kenji ist 20 Jahre alt. Er geht nicht zur Schule oder studiert, sondern lebt vom Nachtleben in Tokyo. Er ist ein Nightlife Guide für Touristen und führt diese gegen Honorar zu den richtigen Bars, Pubs, Clubs, Love Hotels … je nachdem, wonach den Kunden der Sinn steht (meistens Sex). Seine Freundin Jun ist 16, besucht eine reine Mädchenschule und ist nicht unbedingt begeistert von dem Milieu, in dem ihr Freund arbeitet und in dem gerade erst eine junge Schülerin / Prostituierte zerstückelt aufgefunden wurde. Noch weniger begeistert ist sie allerdings davon, am Weihnachtsabend für eben genau diese Arbeit versetzt worden zu sein. Doch an Silvester will Kenji das wieder gut machen, das hat er versprochen.

Und dann kam Frank. Frank ist Amerikaner und wählt die Nummer aus der Anzeige, die Kenji veröffentlicht hat, um neue Kunden zu gewinnen. Frank möchte Kenjis Dienste für insgesamt drei Nächte in Anspruch nehmen, ab dem 29. Dezember. Ein Teil von Kenji möchte ablehnen, weil er sich an sein Versprechen Jun gegenüber erinnert, doch die Aussicht auf den Verdienst aus dieser Zeit lässt ihn zustimmen. Später findet man immer noch einen Weg, sich am 31. irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Also trifft er sich mit Frank und führt ihn nach Kabuki-Cho. Dort merkt er allerdings schnell, dass irgendetwas mit diesem Amerikaner nicht zu stimmen scheint.

Die Geschichte dieser drei Tage bzw. der drei Nächte baut schnell eine gewisse Spannung auf, bleibt dabei aber noch ungewiss, was mir ganz gut gefiel. Ab einem gewissen Punkt wird In the Miso Soup, ebenso wie Das Casting (beide von Ryū Murakami) knallhart, kompromisslos und steuert danach zum Glück nicht direkt auf ein nur allzu bekanntes Finale zu. Stattdessen wird es mit dem Ende der zweiten Nacht noch irgendwie surreal, was mich wieder an Haruki Murakami denken ließ. Wenn er ein verrückter Axtmörder wäre oder so. Von mir auf jeden Fall eine Empfehlung, wenn man Thriller mag und nicht ganz so zart besaitet ist. Es war auch seit langem das erste Buch, das ich auf Englisch gelesen habe, was auch nochmal ganz angenehm war. Trotzdem war es natürlich eine Übersetzung und keine Originalfassung, den Unterschied sollte man nicht vergessen.

3 Gedanken zu „In the Miso Soup

    1. Spätestens als ich gesehen hatte, dass von ihm auch »Audition« stammt, stand fest, dass ich was von ihm lesen musste. Enttäuscht wurde ich nicht. Die beiden Bücher waren auch jeweils nicht sehr lang. Ich brauchte einen Tag pro Buch, ein schnellerer Leser ist wohl an einem Nachmittag / Abend durch. Wenn man denn so viel Zeit findet.

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