Das Casting

Wer sich ansieht, was ich in den letzten anderthalb Jahren gelesen habe, wird schnell merken, dass ich Haruki Murakami mag. Auf ihn aufmerksam wurde ich durch eine Fanseite zur Rocketbeans TV-Sendung Buchklub. Dort ging es unter anderem um Kafka am Strand und Afterdark. Da ich mich absolut nicht für Literatur interessiere (für mich liegen Welten zwischen »Ich lese gerne Bücher« und »Ich interessiere mich für Literatur«), kenne ich mich mit Autoren nicht wirklich aus und lerne für mich neue Sachen immer auf unterschiedlichen Wegen kennen. So bin ich vor einiger Zeit dann über einen Artikel gestolpert, der den Titel Der andere Murakami trug. Thema war der Autor Ryū Murakami und seine Geschichte In Liebe, dein Vaterland. Der Artikel gefiel mir und besonders der Vergleich der beiden Murkamis – wenn Haruki sowas wie die Beatles ist, dann ist Ryū Murakami die Rolling Stones – machte mich neugierig. Also habe ich mir mal angesehen, was der gute Mann so geschrieben hat und war ehrlich überrascht, als ich feststellte, dass Takashi Miikes Kultfilm Audition, von dem ich immer nur Gutes gehört habe und den ich bisher leider immer noch nicht gesehen habe, auf einem Roman basiert.

Die Geschichte, die auf Deutsch eben unter dem Titel Das Casting erschienen ist, ist nicht sehr lang, weshalb die Einleitung zu diesem Beitrag wohl länger sein wird, als die Zusammenfassung der Story, aber das ist dann eben so. Aoyama führt ein kleines Unternehmen für Dokumentarfilme und lebt mit seinem 15-jährigen Sohn in einem gemütlichen Haus. Seit dem Tod seiner Frau vor sieben Jahren geht das nun so. Während sein Sohn immer erwachsener wird und sich entwickelt, steht Aoyama selbst – zumindest gewisse Aspekte seines Lebens – gewissermaßen still. Er st als selbst sein Sohn ihn fragt, ob er denn nicht noch einmal heiraten möchte, erkennt Aoyama, dass es vielleicht wirklich Zeit ist, sein Leben wieder mit einer Frau zu teilen. Seine Ansprüche an eine Frau sind allerdings sehr speziell, erkennt sein Freund und ehemaliger Kollege Yoshikawa, der auch gleich mit einer passenden Lösung für dieses Problem aufwarten kann: Ein Casting. Schnell entstehen Pläne, das Ganze nicht als reinen Betrug aufzuziehen und die Bewerbungen flattern ins Haus. Und so tritt Asami Yamasaki in Aoyamas Leben.

Und etwa an dieser Stelle dieser eingängigen Melodie der Beatles, die fast schon ins Gedudel abzudriften droht, springen die Rolling Stones auf die Bühne und bauen langsam aber sicher ein schnelles und hartes Finale auf. Besonders gut gefällt mir daran rückblickend (beim Lesen selbst hat es mich etwas gestört), dass der Leser regelmäßig darauf hingewiesen wird, dass mit der perfekten Frau etwas nicht stimmen kann, während Aoyama blind vor Liebe für alles eine Rechtfertigung findet. Der Moment der Erkenntnis ist hart und kompromisslos. Ryū Murakami fasst das Finale der Geschichte in ein richtig gutes Tempo, wie ich finde, und macht am Ende einen sauberen, vielleicht auch etwas überraschenden, Schnitt. Vielleicht hätte man gerne noch mehr erfahren, doch genau diese Geschichte endet eben an genau dieser Stelle. Davon kann man halten, was man will, mir persönlich gefällt sowas manchmal ganz gut. Und Das Casting war so ein Manchmal.

3 Gedanken zu „Das Casting

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