Geschichten erzählen. Einen Monat, ein Jahr, zehn Jahre später.

Etwa einen Monat ist es jetzt schon wieder her, seit ich zuletzt etwas an meinem Manuskript geändert habe, meint Windows. Fühlt sich eher an wie drei Monate, meint die Stimme in meinem Kopf. Aber ich habe den Stick trotzdem rausgekramt, angeschlossen und das Dokument nun offen vor mir. Na gut, hinter diesem WordPress-Fenster versteckt, aber herrje, ihr wisst, was ich meine. Die Absicht, zu schreiben, ist auch da. Das nächste Kapitel, so kam es mir heute morgen unter der Dusche (auch schon irgendwie klischeehaft, oder?) wird aus einer anderen Perspektive erzählt, als eigentlich geplant. So kann einem weiteren Charakter etwas mehr Tiefe gegeben werden, anstatt einen anderen noch weiter auszubauen und so ein ziemliches Ungleichgewicht zwischen den beiden bzw. ihrer Entwicklung entstehen zu lassen.

Aber worum es mir eigentlich geht: Es geht weiter. Langsam, bisher nur mit einer Idee, aber immerhin. Und der Grund dafür ist wohl Life is Strange, ein Videospiel, das ich gestern endlich mal beendet habe. Vor über einem Jahr hatte ich schon damit begonnen und selbst da war es schon nicht mehr so neu, also erzähle ich manchen hier vielleicht nicht gerade Neuigkeiten. Man spielt Max Caulfield, Fotografin und Schülerin an der Blackwell Academy, einer angesehenen Kunstschule. Irgendwie erlangt sie die Fähigkeit, die Zeit zurückzuspulen und ab dann geht es eigentlich darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um das Schicksal zu beeinflussen. Dabei dreht sich die Story um Mobbing, Drogen, Depressionen, Selbstmord, Mord, Liebe … alles sehr klischeehaft, aber gut erzählt (und mit einem grandiosen Soundtrack untermalt).

Aber wieso sollte ich nach dem Spiel dann plötzlich wieder Motivation haben zu schreiben? Weil es nicht nur darum geht, wie die Geschichte erzählt wird, sondern weil es in der Geschichte um Künstler geht. Und darum, wie sie sich selbst, ihr Talent und ihre Kunst betrachten und bewerten. Solche Geschichten haben auf mich immer eine eigenartige Wirkung. Aus einer merkwürdigen Mischung aus Neid, Hoffnung, Träumen und im Laufe der Zeit verblassten Illusionen kristallisiert sich dann eigentlich nur ein simples »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es« heraus. Ich werde vor meinem 30. Geburtstag kein Buch mehr veröffentlichen, mit dem ich auch tatsächlich ein paar Kröten verdiene, das steht fest. Allein schon, weil ich bald 32 werde xD Ich werde auch keines der Top 10-Erstlingswerke des Jahres schreiben, da müsste man schon noch ein paar Nullen anhängen. Aber ich werde auch auf ewig nichts weiter vorzuweisen haben als ein Taschenbuch voller halbgarer Texte und Formatierungsfehler im epubli-Shop, das man am Liebsten vergessen würde, wenn ich mich nicht hinsetze und in die Tasten haue.

Und diese Erkenntnis, die allem Anschein nach hin und wieder aufgefrischt werden muss, genügt mir für einen kleinen Schubs in die richtige Richtung. Ob ich es schaffe, den Schwung auszunutzen und mich von der Energie weitertragen zu lassen oder ob ich mich dagegen wehre und die Hacken in den Boden stemme, zeigt sich immer erst unterwegs.

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