Der Elefant verschwindet

Nach Stephen King (Nachtschicht) war nun Haruki Murakami an der Reihe, mich mit seiner Kurzgeschichtensammlung zu begeistern.

Die erste Hälfte der Geschichten kannte ich dabei schon. Der Aufziehvogel und die Dienstagsfrauen ist die Einleitung zu Mister Aufziehvogel, funktioniert aber auch alleine ganz gut. Auch die beiden Geschichten über Die Bäckereiüberfälle hatte ich schon gelesen und hier kurz behandelt, ebenso wie Schlaf.

Die erste mir unbekannte Geschichte war dann eine mit dem knackigen Titel Der Untergang des Römischen Reiches, der Indianeraufstand von 1881, Hitlers Einfall in Polen und die Sturmwelt. Kurz, prägnant, geht runter wie Öl, oder? xD Anders als der Titel ist die Geschichte jedoch sehr leichte Kost. Ein Nachmittag, nur wenige Stunden, im Leben eines ganz normalen Menschen. Nicht mehr und nicht weniger als eine Momentaufnahme.

In Geschichte Nummer sechs, Scheunenabbrennen, lernt der Erzähler über eine jüngere und etwas besondere Freundin deren neuen Liebhaber kennen, einen scheinbar wohlhabenden Geschäftsmann. Viel mehr verrät er selbst nicht über sich, bis ihm ein Joint die Zunge lockert und er dem Erzähler offenbart, dass er hin und wieder eine Scheune abbrennt. Auch diese Geschichte mit ihren merkwürdigen Figuren hat mir wieder sehr gut gefallen, besonders der Schluss.

In Frachtschiffe nach China berichtet der Erzähler von drei Begegnungen mit Chinesen, die ihm scheinbar als besondere Ereignisse im Gedächtnis geblieben sind. Sie alle regen ihn dazu an, sich über das »Ich« Gedanken zu machen. Mir gefiel besonders, wie er am Ende ein China beschreibt, das nur für ihn existiert, ein China, das aus seinen Erfahrungen und Interpretationen zu bestehen scheint.

Die letzte Geschichte ist schließlich Der Elefant verschwindet. In dieser verschwindet … nun, ein Elefant. Der Erzähler ist an diesem Elefant besonders interessiert, doch sein Verschwinden scheint ihn mehr zu erschüttern, als er es angenommen hätte.

Die hier zusammengetragenen Geschichten haben mir allesamt gefallen. Murakamis verrückte Charaktere funktionieren auch in kleinen Portionen sehr gut. Der Untergang des Römischen Reiches, der Indianeraufstand von 1881, Hitlers Einfall in Polen und die Sturmwelt hat mir diesbezüglich besonders gut gefallen. Aber auch Der Aufziehvogel und die Dienstagsfrauen ist toll und macht Lust auf mehr (was man sich ja holen kann). Wie bei vielen seiner Bücher gilt aber auch hier: Wenn man Murakami nicht mag, wird man dieses Buch wohl auch nicht mögen. Doch die kurzen Geschichten geben einem vielleicht die Möglichkeit, nicht allzu viel Zeit beim Klären dieser Frage zu vergeuden.

Ein Gedanke zu „Der Elefant verschwindet

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