Sie

Sie (den meisten wohl besser bekannt unter dem Originaltitel Misery) war so eine Geschichte, die ich schon lange kannte, auch wenn ich nie das Buch gelesen oder den Film gesehen hatte. Kein Wunder, ist die Geschichte im Grunde doch auch schnell erzählt: Schriftsteller wird von wahnsinnigem Fan gefangen gehalten und gefoltert. Sehr simpel eigentlich.

Paul Sheldons Erlebnisse im Haus von Annie Wilkes haben mir allerdings schon auf den ersten Seiten gezeigt, dass ich den Schreibstil von Stephen King wirklich vermisst habe. Zu lange habe ich keines seiner Bücher gelesen, weshalb ich wohl auch gleich im Anschluss noch eines angefangen habe, wo die Bezeichnung »zu lang« wohl auch noch eine Rolle spielen wird. Sheldon verunglückt mit seinem Wagen, nachdem er sein neuestes Manuskript fertiggestellt hat und beflügelt davon ist, mit ›Schnelle Autos‹ das beste Buch seiner Karriere geschrieben zu haben. Alkohol, Zigaretten, Geschwindigkeit, Schneesturm, Schwärze. Als er wieder zu sich kommt, ist er bei der ehemaligen Krankenschwester Annie Wilkes, die den Mann mit den zertrümmerten Beinen pflegt und sich als sein größter Fan herausstellt. Allerdings liebt Annie eigentlich nur die Bücher über Misery Chastain, eine Figur, die Sheldon vielleicht reich gemacht hat, die er aber ansonsten nicht wirklich mag. Deshalb hat er sich auch für den letzten Misery-Roman ein ganz besonderes Ende ausgedacht. Dieses Buch hat Annie Wilkes nun auch endlich im Buchhandel bekommen und ihr gefällt das Ende ganz und gar nicht. Das lässt sie den Autor auch spüren, auch wenn es nichts an diesem Ende ändert. Ein neues Misery-Buch muss her. Schnell und nur für sie. Davon könnten Leben abhängen.

Kathy Bates hat für ihre Darstellung der Annie Wilkes einen Oscar bekommen und wurde wohl auch als einer der fiesesten Filmschurken gewählt. Bei den wenigen Infos, die ich bisher über den Film gehört habe, konnte ich mir das schon einigermaßen vorstellen. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, besteht daran eigentlich kein Zweifel mehr. Annie ist ein fantastischer Charakter. Böse und vollkommen wahnsinnig, aber eben eine tolle Figur. Paul Sheldon wird auf mehr als eine Art und Weise gebrochen und muss sich selbst immer wieder davon überzeugen, dass er noch leben möchte, was auch unheimlich gut transportiert wird, finde ich. Natürlich ist das Buch kein psychologisches Meisterwerk oder diesbezüglich außerordentlich originell, aber es ist eben auch mehr oder weniger klassische Horrorliteratur. Es ist spannend, gnadenlos hart und durchaus nachvollziehbar. Bedenkt man dann noch die Zeit, in der die Geschichte spielt (1987) ist sie gleich noch gruseliger, denn damals war so etwas noch viel näher an der Realität. Heutzutage ist eine solche Geschichte schon fast wieder zu weit weg von der eigenen Lebenswelt, um einen wirklich zu packen, könnte ich mir vorstellen.

4 Gedanken zu „Sie

    1. Ich meine heutzutage mit all den modernen Medien und so. Da stelle ich es mir ungleich schwerer vor, jemanden so „einfach“ von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Und dann habe ich das Gefühl, dass solche Geschichten nicht so gut wirken, wenn der Leser sich nicht einmal mehr an die Zeiten erinnert, in denen nicht überall GPS- oder WLAN-Signale zu finden waren.
      Man muss sich eben ein bisschen in die jeweilige Zeit der Geschichte versetzen können, denke ich.

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