Montagsfrage #20 [1903]

Machen wir es kurz. Die Frage lautet diese Woche:

Lyrik: ausgedient oder am aufblühen?

Die Antwort fällt ebenso kurz und knackig aus, denn ich kann das mit einem ganz klaren Jein beantworten.

Na gut, vielleicht muss man da doch etwas weiter ausholen. Zunächst einmal muss ich wohl gestehen, dass ich – wie viele andere – klassische Gedichte nicht sonderlich mag. A Red, Red Rose von Robert Burns aus dem Jahre 1794 mag ich sehr und ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie eine schottische Internetbekanntschaft den Text vorgetragen hat, aber abgesehen davon kann man mich mit sowas jagen. In der Schule ging mir die Herangehensweise an Gedichte total auf die Nerven. Versmaß, Rhythmus, Reimschema. Kein Autor, dessen Absicht es ist, dass folgende Generationen sein Werk von der Warte aus betrachten, hat etwas geschrieben, dass es wert ist, gelesen zu werden. Meine Meinung xD

Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich ums Verrecken nicht reimen kann, eigentlich aber gerne schreibe – und mir auch seit 16 Jahren einbilde, hin und wieder etwas ganz brauchbares zu Papier zu bringen. Mittlerweile sind die Grenzen von Lyrik oder Poesie sowieso so aufgeweicht, dass vieles darunter gezählt werden kann. Einiges davon gefällt mir sehr gut. Den ein oder anderen Poetry Slam-Text finde ich super, auch wenn ich da meist die mag, die schon mehr in Richtung Stand up Comedy gehen. Ich lese tatsächlich auch kaum etwas in Richtung Lyrik. Ich besitze einen Gedichtband und selbst den nur aus Humorgründen. Nach einer Aufzeichnung von René Marik (Rapante, Rapante und so…) habe ich mir nur wegen des Gedichts Gemeinsamkeiten ein Buch von Elsbeth Bellartz zugelegt. Mein Gott, was für wirre Texte. Wenn ich doch mal etwas Gereimtes lesen will (immer mit einem leichten Beigeschmack von Neid ob der Fähigkeit, zu reimen), schaue ich bei der Dornenkrone vorbei.

Lyrik im klassischen Sinne hat also vermutlich nicht ausgedient. Sie ist aber auch nicht am aufblühen, würde ich sagen. Sie hat sich vielmehr entwickelt, ist mutiert, hat Eier gelegt und allerlei durchgeknallte, zurückgebliebene, geniale und bierernst komische Sprösslinge auf die Welt losgelassen.

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Ein Kommentar zu „Montagsfrage #20 [1903]

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