Wilde Schafsjagd

Ein Foto von einer Weide voller Schafe, eine Drohung im Auftrag der mächtigsten Organisation des Landes und eine ganze Menge gar nicht mal so mittelmäßiger Mittelmäßigkeit. Das alles bietet Wilde Schafsjagd, das ich eigentlich vor Tanz mit dem Schafsmann hätte lesen sollen. Und das ich auch nach Wenn der Wind singt und Pinball 1973 hätte lesen sollen, da es den Abschluss der Trilogie der Ratte darstellt. Ratte ist übrigens der Spitzname eines Freundes des namenlosen Erzählers, der wohl in den drei Büchern auch eine wichtige Rolle spielt. Aber genug davon, nach Teil 3-2 und 3-1 werde ich als nächstes Teil 1 und 2 lesen, an der Reihenfolge kann ich jetzt sowieso nichts mehr ändern.

Kommen wir jetzt zur Schafsjagd und was es damit auf sich hat. Der Erzähler führt, gemeinsam mit einem Freund, eine kleine Werbeagentur, die wohl aufgrund ihres guten Rufs ganz stabil läuft. Dieser Ruf – und damit die Firma und die Existenzen der beiden Freunde – werden allerdings ruiniert, wenn unser Erzähler nicht für einen sehr mächtigen Mann bzw. seinen sehr fähigen Sekretär ein ganz bestimmtes Schaf findet, das mehr oder weniger zufällig auf einem Foto zu sehen ist, dass er einmal für eine Anzeige gebraucht hat.

Er ist geschieden, hat nichts besseres zu tun und seine Freundin mit den beinahe magischen Ohren drängt darauf, das Schaf zu suchen, also macht man sich auf den Weg. Geschichten aus der Vergangenheit, eine hotelgewordene Schafsbibliothek und natürlich der ominöse Schafsmann erwarten den Erzähler auf seiner Reise an deren Ende 50 Meter Sandstrand und die Frage nach dem ›Wohin?‹ warten.

Auch mit diesem Buch von Haruki Murakami hatte ich sehr viel Spaß und kann es nur empfehlen – allerdings wohl besser in richtiger Reihenfolge xD Wie gestern bereits geschrieben, haben die Charaktere in dieser Geschichte keine Namen bzw. keine, die der Leser erfährt. Die Spitznamen Jay und Ratte sind das höchste der Gefühle, neben dem Kater, der mitten in der Geschichte einen Namen bekommt. Ansonsten wird von der Freundin, der Frau, dem Fahrer oder dem schwarzen Sekretär gesprochen und der Leser weiß immer, wer gemeint ist. Die Namen fehlen allerdings auch nicht. Sie werden einfach nicht gebraucht. Das mag vielleicht Faulheit des Autors sein, allerdings würde das nicht so gut funktionieren, weshalb ich es für unwahrscheinlich halte. Einen ganzen Roman zu schreiben, ohne einer Figur einen Namen zu geben und auch ohne dass es verwirrend oder langweilig wird, muss man einfach können und Murakami hat es hier sehr gut hinbekommen.

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2 Gedanken zu „Wilde Schafsjagd

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