Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Tsukuru Tazaki ist 36, Ingenieur, und datet Sara. Diese ist zwei Jahre älter, aber Tsukuru kam schon immer gut mit älteren Frauen zurecht, was im Laufe der Geschichte auch immer wieder erwähnt wird. Die Pilgerjahre ist allerdings nicht direkt die Geschichte von Tsukuru und Sara. Der Kontakt zu Sara ist Tsukurus ganzes Sozialleben und darum geht es eigentlich: Dass er keine Freunde mehr hat. Wieso er keine Freunde mehr hat. Und was dieser Umstand aus ihm gemacht hat.

16 Jahre ist es her, dass Tsukurus Clique, die vier Menschen für die er alles getan hätte, ihn verstoßen hat. Tagelang ließen sie sich am Telefon verleugnen, bis sich einer der Gruppe bei ihm meldete und bat, keinen von ihnen nochmal anzurufen, er wisse ja, wieso.

Nun, er wusste es nicht. Diese Zurückweisung stieß ihn allerdings in ein so tiefes Loch, dass er monatelang hart am Rand des Lebens entlangschrammte und stets kurz davor war, in die Leere dahinter zu stürzen. Diesen Abgrund hat er mittlerweile hinter sich gelassen, doch so richtig zurückgefunden ins Leben hat der farblose Tsukuru Tazaki doch nicht. Die Zurückweisung durch seine Freunde, die Folgen für ihn und besonders die Unklarheit über die Gründe für ihr Handeln, belasten ihn und halten ihn an einem Ort fest, an dem er für andere emotional unerreichbar ist. Und so kann eine Beziehung nun mal nicht funktionieren. Sara rät ihm also, seine alten Freunde zu besuchen und die Wahrheit zu erfahren, vor der er sich so lange versteckt hat.

Welche Wahrheiten Tsukuru erfährt, wie er sie wahrnimmt und auch wie seine Geschichte bzw. die Geschichte von ihm und seinen sozialen Beziehungen (als Schüler, als Student und als Erwachsener) erzählt wird, ist sicher für einige langweilig oder stellenweise übertrieben dargestellt, das mag sein. Aber es ist eben Haruki Murakami. Mir hat das Buch von vorne bis hinten gefallen und mehr zählt für mich nicht. Sicher könnte man eine hochtrabende Literaturkritik anbringen, aber das sollen Leute tun, die nicht mehr aus Spaß lesen, sondern weil sie entweder dafür bezahlt werden oder der festen Überzeugung sind, die Welt warte nur auf ihre Meinung.

Ein Gedanke zu „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

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