Clockwork Orange

Wieder ein Buch, das zumindest vom Titel her die meisten kennen dürften, vielleicht auch durch die Verfilmung von Stanley Kubrick. Das Buch von Anthony Burgees kann man wohl als modernen Klassiker bezeichnen und da ich den Film damals sehr gut fand, wollte ich nun auch mal das Buch lesen, was sich auch als sehr kurze Angelegenheit herausstellte.

Alex, dessen Nachname im Buch nicht genannt wird, ist gerade 15, als er nach verschiedensten Gewaltverbrechen und schließlich einem Mord von seinen Freunden verraten und zu 14 Jahren Haft verurteilt wird. Er sitzt allerdings nur zwei Jahre davon, bevor er aus dem überfüllten Zuchthaus in ein „Rekultivierungsprogramm“ kommt, dass ihn innerhalb von zwei Wochen derart konditioniert, dass der Anblick und sogar schon der Gedanke an Gewalttaten ihm physische Schmerzen und Übelkeit bereitet.

Endlich wieder frei muss er erkennen, dass die Welt ihm nicht mehr so zu Füßen liegt, wie er es gewohnt war. Opfer aus alten Tagen rächen sich und Feinde aus alten Tagen tragen nun Uniform und Polizeimarke. Und beiden kann Alex sich nicht erwehren. Politische Gegner der Regierung sehen in Alex das perfekte Mittel, die anstehende Wahl für sich zu entscheiden, aber ein bisschen übler könnte er schon zugerichtet sein…

Knapp am Tod vorbeigeschrammt ist es dann doch eben jene Regierung, die ihm diese spezielle Konditionierung angedeihen ließ, die ihn wieder instrumentalisiert. Aber das kümmert ihn nicht wirklich, denn er ist „geheilt“.

Bis dahin kannte ich die Geschichte, denn an dieser Stelle endet auch der Film (neben der Sexphantasievon Alex), wenn ich mich Recht erinnere, mit einem Malcolm McDowell, der in die Kamera lächelt. Das war das Ende des 20. Kapitels, das Ende der amerikanischen Romanfassung und auch die Vorlage für Kubricks Film. Ein gutes, stellenweise vielleicht verstörendes Werk über die Frage, ob es besser ist, einen Menschen zum Guten zu zwingen, oder ihm die Wahl zwischen Gut und Böse zu lassen. Und ob erzwungenes Gutes denselben Wert hat, wie gewähltes Gutes.

Die Urfassung der Geschichte hat allerdings 21. Kapitel und dieses letzte Kapitel stimmt nochmal einen ganz anderen Ton an. Alex ist also „geheilt“. Er hat einen Job, aber auch drei neue Droogs, mit denen er die Nacht unsicher macht. Aber irgendwie verliert das auch mehr und mehr seinen Reiz. Das Uhrwerk dreht sich immer weiter und er ist keine 15 mehr. Irgendetwas muss sich ändern.

Dieses letzte Kapitel, mit dem Alex den Leser aus seinem Leben entlässt und sich aufmacht, erwachsen zu werden, hat mir einfach wahnsinnig gut gefallen. Man kann hinsichtlich der Story und den geschilderten Gewalttaten denken, was man will, zum Beispiel, dass es am Ende alles irgendwie wie jugendliche Streiche dargestellt wird, aber das ist in diesem Kapitel gar nicht mehr wichtig, denke ich. Wichtig ist die Erkenntnis, dass man älter wird, dass die Welt sich weiterbewegt und dass man Schritthalten muss, wenn man nicht als Überbleibsel eines Lebens enden will, das eigentlich schon längst vorbei ist.

Für die, die das Buch nicht kennen und durch meine wirre Beschreibung hier nicht davon abgeneigt sind, es auch mal zu lesen: Ja, das Kauderwelsch gehört so ins Buch. Eigentlich nennt sich das Kauderwelsch „Nadsat“ und ist die Jugendsprache, die Burgees speziell für dieses Buch erfunden hat. Die ersten Seiten werden etwas schwierig zu lesen sein, aber dann hat man aus dem Kontext so in etwa verstanden, worum es geht und zur Not gibt es im Anhang ein Glossar, das weiterhelfen kann.

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