Pinball 1973

Die Zeit vergeht und macht vor niemandem Halt. Doch ob sich dadurch wirklich etwas weiterentwickelt? Oder ob es nur ein weiterer Schritt auf dem langen Weg der langsamen Verwesung ist?

Ebenso kurz und ebenso so unspektakulär wie Wenn der Wind singt erzählt Pinball 1973 die Geschichte weiter. Der Erzähler ist nicht unzufrieden mit seiner Arbeit als Übersetzer oder seinem Leben mit den namenlosen Zwillingen 208 und 209. Nur Stück Vergangenheit in Form eines Flippers ruft nach ihm und dieser Ruf lässt ihm keine Ruhe.

Parallel wird erzählt, wie Ratte, der in der Heimatstadt zurückgebliebene Freund seinen Alltag überlebt und mit sich hadert.

Am Ende wirken die beiden Kurzromane wie eine überarbeitete Einleitung zu den beiden Schafsromanen, doch ich bin froh, dass sie doch noch auf Deutsch erschienen sind. Vielleicht bin ich sogar froh, sie zuletzt gelesen zu haben, wer weiß. Auf jeden Fall habe ich sie gerne gelesen.

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Wenn der Wind singt

Das gute an Kurzromanen: Sie sind kurz. Und so war ich gestern schon mit Wenn der Wind singt durch, als der Beitrag zu Wilde Schafsjagd gerade online ging.

Der Erzähler, 1970 noch 21 Jahre alt, erzählt in der Geschichte von nicht mehr als 18 Tagen im August dieses Jahres. Natürlich mit einigen Rückblenden und Erinnerungen an früher, doch im Grunde geht es um diese Zeitspanne.

Platz für viel Personal bleibt da nicht. Da ist der Erzähler, sein Freund Ratte, der Bartender Jay und ein Mädchen, dem ein Finger fehlt. Der Sommer in der kleinen Hafenstadt ist so, wie er wohl sein soll. Bier, Freunde, gute Musik und der Schatten von Veränderung, der immer näher zu kriechen scheint, den man aber solange wie möglich ignoriert.

Es wird keine Spannung aufgebaut und es werden keine großen Rätsel gelöst, wer das sucht, ist hier also falsch. Es ist ein Bericht, nicht immer ganz zusammenhängend, über einen kurzen Ausschnitt auf dem Weg zum Erwachsensein. Viel mehr als einen halbwegs interessanten Charakter hat die Erzählung eigentlich nicht zu bieten. Da ich allerdings ja schon Wilde Schafsjagd und Tanz mit dem Schafsmann gelesen habe, weiß ich ja, was aus den Charakteren wird und bin der Überzeugung, es lohnt sich. Und selbst wenn nicht, verweise ich gerne nochmal auf die einleitenden Worte dieses Beitrags.

Wilde Schafsjagd

Ein Foto von einer Weide voller Schafe, eine Drohung im Auftrag der mächtigsten Organisation des Landes und eine ganze Menge gar nicht mal so mittelmäßiger Mittelmäßigkeit. Das alles bietet Wilde Schafsjagd, das ich eigentlich vor Tanz mit dem Schafsmann hätte lesen sollen. Und das ich auch nach Wenn der Wind singt und Pinball 1973 hätte lesen sollen, da es den Abschluss der Trilogie der Ratte darstellt. Ratte ist übrigens der Spitzname eines Freundes des namenlosen Erzählers, der wohl in den drei Büchern auch eine wichtige Rolle spielt. Aber genug davon, nach Teil 3-2 und 3-1 werde ich als nächstes Teil 1 und 2 lesen, an der Reihenfolge kann ich jetzt sowieso nichts mehr ändern.

Kommen wir jetzt zur Schafsjagd und was es damit auf sich hat. Der Erzähler führt, gemeinsam mit einem Freund, eine kleine Werbeagentur, die wohl aufgrund ihres guten Rufs ganz stabil läuft. Dieser Ruf – und damit die Firma und die Existenzen der beiden Freunde – werden allerdings ruiniert, wenn unser Erzähler nicht für einen sehr mächtigen Mann bzw. seinen sehr fähigen Sekretär ein ganz bestimmtes Schaf findet, das mehr oder weniger zufällig auf einem Foto zu sehen ist, dass er einmal für eine Anzeige gebraucht hat.

Er ist geschieden, hat nichts besseres zu tun und seine Freundin mit den beinahe magischen Ohren drängt darauf, das Schaf zu suchen, also macht man sich auf den Weg. Geschichten aus der Vergangenheit, eine hotelgewordene Schafsbibliothek und natürlich der ominöse Schafsmann erwarten den Erzähler auf seiner Reise an deren Ende 50 Meter Sandstrand und die Frage nach dem ›Wohin?‹ warten.

Auch mit diesem Buch von Haruki Murakami hatte ich sehr viel Spaß und kann es nur empfehlen – allerdings wohl besser in richtiger Reihenfolge xD Wie gestern bereits geschrieben, haben die Charaktere in dieser Geschichte keine Namen bzw. keine, die der Leser erfährt. Die Spitznamen Jay und Ratte sind das höchste der Gefühle, neben dem Kater, der mitten in der Geschichte einen Namen bekommt. Ansonsten wird von der Freundin, der Frau, dem Fahrer oder dem schwarzen Sekretär gesprochen und der Leser weiß immer, wer gemeint ist. Die Namen fehlen allerdings auch nicht. Sie werden einfach nicht gebraucht. Das mag vielleicht Faulheit des Autors sein, allerdings würde das nicht so gut funktionieren, weshalb ich es für unwahrscheinlich halte. Einen ganzen Roman zu schreiben, ohne einer Figur einen Namen zu geben und auch ohne dass es verwirrend oder langweilig wird, muss man einfach können und Murakami hat es hier sehr gut hinbekommen.

Namen, Schafe und die falsche Reihenfolge

Hier ist es wieder sehr ruhig zur Zeit. Zum Teil wegen des Wetters, das mich irgendwie auslaugt. Aber auch, weil einfach nichts passiert. Die Tage scheinen sich einfach zu wiederholen und ich weiß oft genug nicht, welcher Wochentag denn nun eigentlich ist.

Aber ich bin bemüht, die Zeit trotzdem gut zu nutzen. Ich versuche, an meinem Manuskript zu schreiben und lese nebenher so viel ich kann. Und im Bezug auf diese beiden Tätigkeiten bin ich mal wieder über das Thema Namen gestolpert. Wie ich schon mehrmals berichtet habe, ist die Namensfindung für mich beim Schreiben immer sehr schwierig, weshalb ich regelmäßig Schreibpausen einlegen muss, bis ich einen halbwegs vernünftigen Namen gefunden habe, selbst wenn er nur als Platzhalter dienen soll.

Das ist ja nun alles nichts neues, also zu den neuen Erkenntnissen: Wenn man es gut anstellt, braucht man keine Namen. Damit habe ich jetzt auch nicht unbedingt das Rad neu erfunden, es wurde mir einfach nur eben noch einmal so richtig klar, als ich in ein Buch vertieft war.

Ich lese aktuell Wilde Schafsjagd (der letzte Teil einer Trilogie und der erste Teil zu Tanz mit dem Schafsmann – ich habe keine Ahnung, wieso ich die Bücher in dieser Reihenfolge lese) und Haruki Murakami hat keinem der Charaktere einen Namen gegeben. Lediglich eine Katze wird irgendwann getauft, aber ansonsten bleiben die Charaktere namenlos. Das liegt in den meisten Fällen in ihrer Mittelmäßigkeit und Austauschbarkeit begründet, aber trotzdem hätte man ihnen Namen geben können und der Autor verzichtet bewusst darauf. Und man kommt doch nie durcheinander.

Für eine Geschichte, wie ich sie erzählen möchte, würde das wohl nicht funktionieren, aber die Idee gefällt mir. Und mit jedem seiner Bücher mag ich Murakami irgendwie mehr. Was genau ich von Wilde Schafsjagd halte, werde ich hier natürlich nochmal gesondert schreiben, sobald ich komplett durch bin.

Tanz mit dem Schafsmann

Ein interessant-verrückter Titel von Haruki Murakami, dessen Bücher mir bisher ausnahmslos gefallen haben. Also war ich sehr gespannt, was mich erwartet. Ein Hotel, eine Zwischenwelt, der Schafsmann, der einen zum Tanzen auffordert und irgendwie dann doch noch eine Liebesgeschichte? Ich habe nicht einen Moment daran gezweifelt, dass a) Murakami das hinkriegt und b) es mich von vorne bis hinten unterhalten würde.

Der Ich-Erzähler ist an sich kein besonders aufregender Typ. Freischaffender Autor, der zwar gut in seinem Job ist, ihn allerdings nicht wirklich erfüllend findet. Er macht die Arbeit, weil sie eben jemand machen muss, aber er macht sie gut. »Kulturelles Schneeschaufeln« nennt er das. Kiki, eine alte Bekanntschaft, scheint irgendwie mit ihm Kontakt aufnehmen zu wollen, das sagt ihm zumindest sein Gefühl. Also beschließt er spontan, sich eine Weile frei zu nehmen und reist nach Sapporo, wo er in dem kleinen schäbigen Hotel Delfin ein Zimmer reserviert hat, dort wo Kiki ihn vor Jahren hingelockt und dann allein gelassen hat.

Als er im überaus luxuriösen Dolphin Hotel ankommt, wird alles verrückt. Die reizende Hotelfee an der Rezeption, die ihm ein Horrorerlebnis mit dem Personalaufzug anvertraut, ein kleines Mädchen namens Yuki, dessen Fähigkeiten in Stephen Kings Universum wohl am ehesten als Shining bezeichnet würden, und natürlich der Schafsmann erwarten ihn hier. Und damit fängt alles erst an.

Die Geschichte ist gewohnt abgedreht, aber nie zu verrückt. Die einzelnen Charaktere haben mir auch wirklich sehr gut gefallen. Gegen Ende wird alles nochmal etwas extra wirr, aber auch das stört nicht wirklich, da es sehr zu Murakamis eigener Mystik, wenn man es denn so nennen will, passt.

Ich hatte auf jeden Fall sehr viel Spaß mit dem Buch. Es war nie wirklich spannend, im Sinne von aufregend, doch ich wollte immer wissen, wie es denn nun weitergeht. Und jetzt muss ich mal sehen, wie es mit meiner Leseliste weitergeht.

Corinna

Ich lese aktuell »Tanz mit dem Schafsmann« von Haruki Murakami. Ein tolles Buch, über das ich aber hier noch schreiben werde, sobald ich es durch habe. Zeitgleich sollte ich an meinem Manuskript schreiben und schaffe immerhin eine bis anderthalb Seiten täglich. Aktuell geht es da hauptsächlich um Alvan und die Anfänge eines Krieges. Dann ist da noch ein Evaluationsbericht bzw. ein entsprechender Entwurf, der geschrieben werden will. Und dann ist da Corinna, die eigentlich nirgendwo reinpasst, mir aber nicht aus dem Kopf geht.

Ihren Ursprung hat sie in einer Idee für eine lustige Kurzgeschichte über sie und ihren Hund, die mir vor einiger Zeit durch den Kopf ging, doch in den letzten Tagen musste ich immer wieder an sie denken, war richtig abgelenkt. Also musste ich einfach ein paar Zeilen über sie schreiben, um sie aus meinem Kopf zu kriegen. Und siehe da: Sie ist gar nicht mehr die Frau, die sie in besagter Kurzgeschichte hätte werden sollen. Sie hat nicht mal mehr einen Hund.

Corinna ist 34. Durch asoziale Medien und ihren Freundeskreis – beides fein aufeinander abgestimmt – ist sie derart sozialisiert, dass sie sich als »thirty-something« bezeichnet. Total crazy eben, auch so ein Stempel, den sie sich selbst aufgedrückt hat.

Corinna ist also thirty-something (was sie wurde, nachdem sie zum zehnten Mal ihren 20. Geburtstag gefeiert hatte) und lebt in der besten Stadt der Welt. Wie jede beste Stadt der Welt zeichnet sich auch Corinnas Wohnort dadurch aus, zu laut, zu voll, zu dreckig und eigentlich zu teuer zu sein, aber wenn man nicht hier wohnt, versteht man das sowieso nicht.

In dieser austauschbaren, unvergleichlichen Stadt lived sie also das life to the max, genießt den Augenblick und carpet den diem, immerhin steht es so auf den bunten Postkarten, die die Wände ihrer 40m²-Wohnung im vierstelligen Kaltmietenbereich zieren. All das definiert ihren Charakter, der in etwa so komplex ist, wie Kojaks Frisur.

Leichtes Übergewicht, das sie keineswegs unattraktiv macht, ist »Kuschelmasse«, denn »Nur Hunde spielen mit Knochen«, wie sie stolz auf allen ihr zur Verfügung stehenden Kanälen kundtut. Total originell eben, denn sie ist natürlich ganz anders als alle anderen und, wie bereits erwähnt, total crazy. Sie hat nämlich während des Studiums – irgendwas tolles, von dem ihr sowieso noch nicht gehört habt – mal mit ihren Freundinnen die Vorlesung geschwänzt. Um im Park Eis zu essen und Erdbeersekt zu trinken. Vormittags. Mit Plastikkrönchen auf dem Kopf! Oh my gosh! (Anm. d. Autors: Guckt mich nicht so blöde an, ich schreib‘ den Scheiß nur, sie lebt wirklich so)

Aber auch heute noch sind diese verrückten Hühner zu jeder Schandtat bereit, bewaffnet mit Selfiestick und Einhorntäschchen wird beim Mädelsabend jeder Cocktail über das iPhone promotet. Störend ist auf den Bildern nur das Make-Up, dessen Dezenz nur knapp hinter Pennywise, dem tanzenden Clown, rangiert.

Mindestens einmal im Monat geht man gemeinsam aus, einen neuen Geheimtipp an Location ausprobieren, der so geheim ist, dass er jedes Mal maßlos überfüllt ist, so super! Laute Musik, laute Menschen, bunte Drinks, einfach wow! Immer gleich und immer unvergesslich einzigartig. Wer nicht dabei war, hat auf jeden Fall etwas verpasst.

Am Montag geht es dann wieder ins Büro, wo jeder die 142 Statusupdates vom Wochenende ignoriert hat, um Corinnas Bericht mit einer Inbrunst zu lauschen, die man sonst nur aus den Unterrichtsszenen bei Charlie Brown kennt.

Das ist dann also Corinna. Ganz toll. Ich habe da noch einen anderen Charakter im Kopf, den ich irgendwann mal auf Corinna treffen lassen möchte, nachdem ich jetzt weiß, wie sie so tickt. Aber der verlangt zum Glück nicht so viel Aufmerksamkeit.

Was bl_ibt

»Sie hinterlässt eine Lücke«, sagt man.
Gut gemeinte Worte und selbst als Klischee schon nicht mehr so ernstzunehmen, dass es keine Späße darüber gibt. Doch hier stehe ich nun, allein, du nicht viel mehr als ein Name im Stein.
Ich will nicht reimen und keine gut gemeinten Worte für dich finden, denn das ist doch alles verlogene Scheiße. Du bist nicht mehr da und hinterlässt nicht eine Lücke, sondern tausende. All die kleinen Details, die dem großen Bild Leben und Farbe einhauchten, hast du mitgenommen. Die Dinge, die immer erst dann auffallen, wenn sie fehlen, und die doch keiner benennen kann.

»Irgendetwas fehlt«, heißt es dann und schon macht man sich auf , eine Leere zu füllen, deren Form man nicht einmal bestimmen kann.
Also gieße ich alle Erfahrungen in mich hinein, in der Hoffnung, dass sie Lücken füllen, die du hinterlassen hast. Doch nichts scheint zu passen, in jede Ecke vorzudringen, nichts zwischen Promille und der Frage nach der Pille.

»Er reimt schon wieder«, sage ich zu mir selbst, weil sonst niemand mehr da ist.
Und während ich immer noch glaube, Lücken füllen zu müssen, beginnt so der Abstieg. Flaschen, Gläser, Pfeifen, hautenge Minikleider… in allen möglichen Gewändern kommen Nicht-Lückenfüller daher und zu spät erkenne ich, was vor sich geht.
Ein unauffälliger Handschlag, Geld wechselt den Besitzer, wie in einem schlechten Film. Der Dealer verschwindet in der Menge und lässt mich mit einem weiteren Geist zurück, der nicht ausfüllt, was du mit dir nahmst, sondern zersetzt, was mir geblieben ist.

Ich kaufe E’s und möchte lösen:
LI_B_
FR_IH_IT
ALL_S

 

#Auflösung (Das siebste Wort für das Projekt *.txt 2018)

 

Die Stadt und die Sterne

Arthur C. Clarke ist einer der großen englischen Science-Fiction-Autoren des letzten Jahrhunderts. Das sagt zumindest Wikipedia und das Vorwort in Die Stadt und die Sterne. Ich hatte zwar schon von dem guten Mann gehört, aber noch nichts von ihm gelesen, bis ich über eine Kurzbeschreibung zu diesem Buch stolperte, die mir ganz gut gefiel.

In der Zukunft – und wir reden hier nicht von ein paar Jahrzehnten oder Jahrhunderten, sondern von Milliarden von Jahren – lebt die Menschheit in der letzten Stadt der Erde, Diaspar. Hier werden die Menschen 1.000 Jahre alt, nur um dann wieder in den Gedächtnisspeicher der Stadt einzugehen und irgendwann wieder neu zu entstehen. Ein ständiger Wechsel im anhaltenden Stillstand quasi. Und dann kommt Alvin. Der erste Mensch seit langer Zeit, der ohne alte Erinnerungen und »vererbte« Ängste aus der Halle der Schöpfung tritt und alles in Frage stellt.

Die Idee gefiel mir eigentlich ganz gut und ich ging an das Buch heran mit der Frage im Kopf, ob es dem Hauptcharakter gelingen würde, die Stadt zu verlassen oder wahlweise ihr großes Geheimnis aufzudecken. Nach einiger Zeit wurde mir dann klar, dass das nicht wichtig ist. Und dass Alvin mir bei weitem nicht so sympathisch ist, wie er es sein sollte.

Die Handlung des Buches ist vielleicht ganz gut und die Zukunftsvision hat vermutlich auch die ein oder andere wertvolle Botschaft für die Menschen unserer Zeit im Gepäck, aber leider war die ganze Geschichte von vorne bis hinten irgendwie öde. Natürlich bedeutet Sci-Fi nicht zwangsläufig Action und Weltraumschlachten, das ist hätte ich auch nicht erwartet, doch was ich mir gewünscht hätte, wäre etwas Spannung gewesen. Beim Lesen hatte ich nie das Gefühl, die Charaktere seien in Gefahr oder es bestünde auch nur die Chance eines Scheiterns und das hat mich sehr gestört.

Vielleicht bin ich einfach in der falschen Zeit aufgewachsen (Das Buch ist von 1956 und war damals schon die Überarbeitung des Originals von 1948), oder vielleicht ist auch einfach dieser Zweig der Science Fiction nichts für mich, aber zum ersten Mal in diesem Jahr, habe ich das Ende eines Buches wirklich herbeigesehnt. Deshalb will ich nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, doch empfehlen würde ich es nicht.

American Horror Story: Murder House

American Horror Story ist eine der Serien, bei denen ich es geschafft habe, in all den Jahren (Staffel 1, Murder House, erschien bereits 2011) nichts zu sehen, zu lesen oder zu hören, das irgendetwas spoilern würde. Alles, das ich wusste, war: Immer eine neue Handlung an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit, zwar mit neuen Charakteren, aber denselben Schauspielern (teilweise). Und das klang für mich, von der Idee her, verdammt interessant. Die Cover / Poster sahen auch noch gut aus, also musste ich irgendwann mal einen Blick hinein werfen.

Mit der Zeit hatte ich das fast schon vergessen, bis dann die Liebste meinte, ihr sei die Serie empfohlen worden. Also wurde die erste Staffel bestellt und nun gestern auch beendet.

Ein Haus, in dem es spukt und eine zerrüttete Familie, die mit sich selbst und den Geistern der Vergangenheit klarkommen muss. Klingt jetzt nicht unbedingt super spannend. War auch oft nicht wirklich spannend. Aber es war gut erzählt. Von Anfang an wird klar, dass jeder Charakter in dieser Geschichte mehr oder minder bekloppt ist, doch sie sind interessant. In jeder Folge erfährt man etwas mehr über das Haus oder vielmehr seine (lebenden und toten) Bewohner und auch der ein oder andere kleine Twist darf natürlich nicht fehlen.

Nach zwölf Folgen sitzt man dann da und ist kurz betäubt. Das wars? So soll das alles enden? Zehn Folgen lang werden Geheimnisse aufgedeckt, dann kommt das Finale und so endet die Geschichte dann? Ja. Irgendwo zwischen »klischeehaft« und »unbefriedigend« könnte man das Ende wohl einordnen, doch ab einem gewissen Punkt der Story war kaum noch etwas anderes möglich, möchte ich behaupten. Und es ist das richtige, das konsequente Ende, das zu der Geschichte passt. Es ist keine Fantasy-Serie, an deren Ende die Guten gewinnen und die Bösen besiegt werden. Es ist auch keine Horrorserie mit demselben Ende – inklusive eines kurzen erneuten Aufflackern der finsteren Macht in der letzten Einstellung. Nein, das würde nicht passen.

Es geht um Charaktere und diese entwickeln sich in dem kurzen Zeitraum, den die Serie abdeckt, auch nur sehr bedingt, was glaubwürdig ist. Sie verhalten sich auch entsprechend und genau deshalb ist der Schluss auch genau das, was er sein soll. Sicher kann man darüber streiten, doch ich war zwölf Folgen lang gut unterhalten und bin jetzt auf die zweite Staffel gespannt, die wir uns sicher auch demnächst noch ansehen werden.

Werk/Tag

5:40 Uhr. Die Weckfunktion meines Handys läutet den neuen Tag ein. Nach den ersten paar Tönen habe ich Marcus Ds »Titania« abgewürgt. Wenn man nicht gerne aufsteht, sollte man keine Songs als Weckton wählen, die man mag, aber das Problem habe ich zum Glück nicht.

Etwa 35 Minuten später steige ich aus der Spritschleuder und gehe langsam über den fast leeren Parkplatz zum Bürogebäude. Die Krähen, die die Bäume auf der anderen Straßenseite bewohnen, sind schon munter und unterhalten sich lautstark. Neun Stunden muss ich nun funktionieren. Arbeit erledigen und nebenher noch genug Zeit haben, etwas zu schreiben. Ein Luxus, auf den es mir irgendwann schwer fallen wird, zu verzichten.

Wieder zuhause dann das selbst auferlegte Fitnessprogramm, bevor es in die Küche geht. Die Liebste zaubert Köstlichkeiten aus den Dingen, die ich klein geschnitten habe, die einzige Aufgabe, die ich beim Kochen gerne übernehme. Das Essen verputzt und das Geschirr gespült, ist der Tag dann beinahe schon gelaufen.

Nach zwei bis drei Stunden, die wir je nach Lust und Wetter für uns gestalten, gehen die Lichter aus. Bis »Titania« wieder erklingt.

Für viele mag Routine lediglich ein anderes Wort für Langeweile sein, ich sehe darin eine Ordnung, etwas worauf ich mich verlassen kann. Vieles in meinem Leben verlief bisher nach außen hin geordnet und war doch nur ein einziges Chaos, und sei es nur in meiner Gefühlswelt. Seit einiger Zeit ist das nun nicht mehr so und ich genieße es. Weil es schön ist, sich darauf verlassen zu können, aber auch weil ich weiß, dass es nicht immer so sein wird.